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Jack Warner rückt erneut in den Fokus bei der Zahlung von Bestechungsgeldern
Jack Warner © SPORT1 Grafik Philipp Heinemann

München - Jack Warner hat mit schmutzigen Geschäften im Fußball viel Geld verdient. Auch in die Affäre um die WM 2006 war er anscheinend involviert - doch er selbst streitet alles ab.

Per E-Mail teilt Jack Warner sein Dementi mit.

Um 12.41 Uhr antwortet der ehemalige FIFA-Vizepräsident auf eine Anfrage von SPORT1 zu den Vorwürfen um die Vergabe der WM 2006.

Warner streitet alles ab, will von nichts wissen: "Ich hatte mit niemandem aus Deutschlands Organisationskomitee für die WM 2006 irgendeine Vereinbarung", schreibt er.

Und weiter: "Ich habe tausend Mal gesagt, dass ich nicht mehr über meine Zeit bei der FIFA spreche. Außerdem möchte ich mich nicht am internationalen Medienzirkus beteiligen, der mich erniedrigt und verleumdet."

E-Mail von Jack Warner
Die E-Mail von Jack Warner auf SPORT1-Nachfrage im Original © SPORT1

Korrupt und lebenslang gesperrt

Warner gegen den Rest der Welt - dieses Bild kennt man aus den vergangenen Monaten. Selbst die FIFA-Ethikkommission ist mittlerweile zur Beurteilung gekommen: Jack Warner ist eine der korruptesten Figuren der Fußballgeschichte. Ende September sperrte sie ihn lebenslang.

Warner war Vize-Präsident der FIFA und Präsident des Verbands CONCACAF (Nord-, Zentralamerika und Karibik), in diesen Funktionen war er hauptverantwortlich für die schmutzigen Geschäfte des Weltverbandes.

Er beschaffte Präsident Sepp Blatter Stimmen, bereicherte sich selbst durch TV-Gelder und den Verkauf von Eintrittskarten und hat Millionen an Schmiergeldern kassiert und verteilt - als "Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung", wie es im juristischen Jargon heißt.

Interpol und das FBI ermitteln

Interpol und das FBI ermitteln gegen Warner, eine Auslieferung in die USA kann er gegen eine Millionen-Kaution verhindern. In seiner Heimat ist Warner auf freiem Fuß, muss sich wöchentlich bei der Polizei melden.

Er soll bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland wie folgt involviert gewesen sein: Laut DFB-Vizepräsident Rainer Koch steht seine Unterschrift neben der von Franz Beckenbauer auf dem ominösen DFB-Dokument, in dem weitreichende Gegenleistungen für eine Stimme pro Deutschland vorgesehen sind.

Laut Koch waren darin "diverse Leistungen, keine direkten Geldleistungen von deutscher Seite zugesagt worden". Außerdem soll Warner ein geheimes Konto bei der First Citizen Bank unter dem Namen "LOC Germany 2006 Limited" geführt haben, berichtet die Bild. LOC steht bei der FIFA als Abkürzung für "Lokales Organisationskomitee".

Ein Mann mit vielen Gesichtern

Wer ist dieser Mann also? Wo kommt er her?

Warner wuchs mit sechs Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen im Südosten Trinidads auf. Er kämpfte sich hoch, studierte, wurde schon mit Anfang 20 Fußballfunktionär.

In seinem Leben war er vieles: Geschichtslehrer, Hotelier, Minister für Arbeit und Verkehr, Minister für Nationale Sicherheit, Parlamentsmitglied in Trinidad und Tobago. Schnell merkte er, dass sich im Fußballgeschäft am meisten verdienen lässt.

Multimillionär und Menschenfänger

Warner ist Multimillionär und Menschenfänger. "From Zero To Hero", lautet der abgedroschene Titel seiner Biografie. Er bezeichnet sich selbst als "Nelson Mandela", in seiner Heimat nennen ihn manche "Robin Hood".

Warner kann sehr herzlich sein. Er engagiert sich in seiner Heimat gegen Armut, geht in den Slums auf Stimmenfang für seine politische Agenda. Doch auch gegen den Politiker Warner steht immerfort der Vorwurf Korruption im Raum.

Der 72-Jährige hat bisher stets seine Unschuld beteuert – allen Beweisen zum Trotz. Im Fall des unmoralischen Angebots des DFB hat er eigentlich nichts mehr zu verlieren.   

Für sein Gegenüber Franz Beckenbauer gilt das Gegenteil. Warners Vita könnte in der Bewertung des Falls aus deutscher Sicht noch eine gewichtige Rolle spielen. Mit Fußball hat das Ganze sowieso nur noch am Rande zu tun.

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