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München und Frankfurt am Main - In der Verbandszentrale des DFB in Frankfurt ist es zu einer außerplanmäßigen Mitarbeiterversammlung gekommen. Präsident Wolfgang Niersbach ist weiter im Amt.

In der DFB-Affäre bleiben personelle Konsequenzen weiter aus.

Um 12.30 Uhr hatte der DFB seine Mitarbeiter zu einer außerordentlichen Versammlung geladen, doch wie SPORT1 aus dem DFB-Umfeld erfuhr, sprach dabei nur Generalsekretär Helmut Sandrock zu den Mitarbeitern.

Sandrock soll die Mitarbeiter dabei auf die gemeinsame Zukunft einegschworen haben.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, dem nicht erst seit der Steuer-Razzia am Dienstag heftiger Gegenwind ins Gesicht bläst, war nicht vor Ort.

Zukunft des Präsidenten wohl kein Thema

Über die Zukunft des Präsidenten soll bei der Mitarbeiterversammlung nicht gesprochen worden sein.

Am Dienstag hatten Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung die DFB-Zentrale sowie die Privat-Anwesen von Niersbach, dessen Vorgänger Dr. Theo Zwanziger und des ehemaligen Generalsekretärs Horst R. Schmidt durchsucht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall gegen die Funktionäre.

Es geht um die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die angeblich an den Weltverband FIFA gegangen sein soll, deren Verwendungszweck weiter aber völlig offen ist.

Mehrere Kandidaten

Sollte Niersbach in den nächsten Tagen sein Amt doch noch ruhen lassen oder sogar zurücktreten, werden DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball, DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch und DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel als mögliche Nachfolger gehandelt.

Auch eine Sperre Niersbachs durch die Ethik-Kommission der FIFA ist möglich.

Koch forderte im Gespräch mit dem BR, die Aufklärung müsse nun "sehr schnell gehen", bereits im November erwartet er erste Zwischenergebnisse.

Vor allem Grindel hielt sich in den vergangenen Wochen auffallend zurück. Er bestätigte wie Koch nur, dass er von den Vorgängen um die WM-Vergabe erst kurz vor der ersten Spiegel-Veröffentlichung erfahren habe.

Koch und Grindel gehandelt

Politisch gilt Grindel zwar als gut vernetzt, inwieweit der seit 2013 amtierende Schatzmeister Rückhalt bei den Wahlberechtigten hätte, ist aber ungewiss.

Als Verbandsfunktionär hat Koch lange Jahre der Erfahrung im Fußballverbandswesen. Und als Präsident des Bayrischen (BFV) und des Süddeutschen Fußballverbandes (SFV) großen Einfluss im wichtigen Amateurlager des DFB.

Inwieweit er allerdings auch die anderen Landesverbände hinter sich vereinigen könnte, ist ungewiss.

Auch er hatte vor der Razzia noch betont, dass es keine Rücktrittsforderung der Landesverbände gegeben habe.

Koch und Rauball als Interimsspitze?

Koch ist auch im Gespräch für eine mögliche Interims-Doppelspitze mit Reinhard Rauball.

Der Präsident des Bundesligisten Borussia Dortmund und des Ligaverbandes wäre der vielleicht "präsidiabelste" Kandidat - er wäre aufgrund seiner 68 Jahre allerdings nur eine Übergangslösung.

Und: Warum sollte sich Rauball diesen Posten "antun"?

Nur geringe Chancen dürfte dagegen Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff haben. Dem Amateurlager dürfte der Europameister von 1996 nur schwer vermittelbar sein. Auch er meldete bisher keine Ambitionen an.

Kaum Chancen für Sandrock

Genauso wenig wie Generalsekretär Helmut Sandrock. Der Nachfolger von Niersbach verteidigte seinen Chef bisher gegen alle Vorwürfe vehement.

Fraglich dürfte auch sein, inwieweit Sandrock für einen Neuanfang beim DFB stehen würde.

Wohl keine Chance dürfte auch ein externer Kandidat haben. Eine solche Lösung war auch schon für den skandalgeplagten Fußball-Weltverband FIFA ins Gespräch gebracht worden.

Im engen deutschen Fußball-Zirkel dürfte eine solche Lösung allerdings ebenfalls ausgeschlossen sein.

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