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München - Gianni Infantino ist dem breiten Publikum bislang vor allem als Moderator von UEFA-Auslosungen bekannt. Nun ist er das, was er eigentlich nie sein wollte: FIFA-Präsident.

Den Job, der ihn bei Millionen Fußball-Fans bekannt gemacht hatte, ist Gianni Infantino seit seiner Wahl zum neuen FIFA-Präsidenten am Freitag los.

Als am Mittag in Nyon das Achtelfinale der Europa League ausgelost wurde, war die jahrelange "Losfee" der Europäischen Fußball-Union (UEFA) schon nicht mehr dabei - dafür betrat der bisherige UEFA-Generalsekretär wenige Stunden später 250 Kilometer nordöstlich endgültig die ganz große Bühne, auf der er sich selbst nie gesehen hatte.

Infantino springt in die Bresche

"Aber manchmal im Leben gibt es Situationen, in denen man Entscheidungen treffen muss", sagte der 45-Jährige. Als wegen der Sperre gegen UEFA-Präsident Michel Platini der europäische Einfluss in der FIFA plötzlich einzubrechen drohte, sprang Infantino pflichtbeflissen in die Bresche.

"Meine letzte Wahlkampfrede habe ich mit 18 Jahren gehalten", erzählte Infantino: "Das war bei meinem Heimatverein - und mein Wahlkampfversprechen war, dass meine Mutter alle Trikots waschen würde." Bei der FIFA kommt auf den vierfachen Familienvater, der auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) höchstes Ansehen genießt, allerdings doch ein wenig mehr Arbeit zu.

Lob von Rauball

"Er kennt durch seine Arbeit als Generalsekretär der UEFA alle Facetten des Fußballs, ist international ausgezeichnet vernetzt und spricht sechs Sprachen", sagte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball über den Tausendsassa, der den meisten Fans zuvor aber eben nur wegen seiner Rolle als Zeremonienmeister bei unzähligen Europapokal-Auslosungen bekannt war: "Mit seiner Reputation und Erfahrung bringt er die nötigen Voraussetzungen mit, um die strukturellen Veränderungen und kommenden Herausforderungen anzugehen." (SERVICE: Die Stimmen zur Infantino-Wahl)

Auf dem diplomatischen Parkett der internationalen Sportpolitik ist Infantino tatsächlich alles andere als ein Neuling. Seit 15 Jahren arbeitet er für die UEFA, seit 2009 als Generalsekretär. Neben einem Schweizer Pass besitzt der Anhänger von Inter Mailand auch die italienische Staatsbürgerschaft, spricht neben Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch sowie Italienisch auch Arabisch.

"Es muss etwas getan werden"

"Als ich gesehen habe, was (bei der FIFA, d. Red.) passiert, war mir klar, dass ich mich nicht einfach zurücklehnen und dabei zusehen kann, wie alles zerstört wird oder sich selbst zerstört. Es muss etwas getan werden, und zwar für den Fußball", sagte Infantino, der nur ein paar Kilometer entfernt vom Heimatdorf seines Vorgängers Joseph S. Blatter (79) ebenfalls im Wallis aufgewachsen ist.

Mit der finanziellen Unterstützung der UEFA, die ihrem "General" 500.000 Euro spendete, flog Infantino im Wahlkampf um die Welt flog, um Stimmen zu sammeln. Kritiker sagen, das sei Blatter-Politik, Infantino mache Versprechen, die er niemals halten könne. Der neue FIFA-Boss sieht das anders.

Im Juli 2015 wurde Infantino in das 13-köpfige FIFA-Reformkomitee unter der Leitung des ehemaligen IOC-Generaldirektors Francois Carrard berufen. Das Paket wurde beim Kongress schließlich verabschiedet, FIFA-Insider sprechen Infantino und nicht Carrard die tragende Rolle dabei zu.

Prominente Freunde und Wahlkampfhelfer mit weltweitem Ansehen wie José Mourinho, Sir Alex Ferguson oder auch Karl-Heinz Rummenigge rührten zudem kräftig die Werbetrommel für den UEFA-General. 

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