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Gianni Infantino wechselt von der UEFA auf den FIFA-Thron © Getty Images

Aus Sicht des ehemaligen FIFA-Mediendirektors Guido Tognoni bringt der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino gute Voraussetzungen zur Bewältigung der Korruptionsskandale bei der FIFA mit.

"Er wird ein besserer Präsident sein, als es Michel Platini gewesen wäre. Infantino kann mehr. In drei Jahren muss die FIFA besser dastehen als heute, sonst zerbricht sie, weil Sponsoren abspringen würden, der Druck zu groß wird und auch die Justiz nicht mitmacht." 

Allerdings könne der bisherige Generalsekretär der UEFA den angestrebten Erneuerungsprozess beim Weltverband bestenfalls massiv anschieben. "Einer muss damit beginnen. Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass die FIFA am Ende einer Epoche von 40 Jahren Korruption steht. Die beschlossenen Reformen sind noch kein Kulturwandel. Dafür reichen auch die maximal zwölf Jahre von Infantino nicht", sagte der Schweizer Tognoni im Aktuellen Sportstudio des ZDF zur Ausgangsposition seines Landsmannes.

Auch aus grundsätzlichen Erwägungen heraus sei Infantino zur Einleitung des Reformprozesses geeigneter als Asiens bei der Präsidenten-Wahl unterlegenen Verbandschef Scheich Salman Al Ibrahim Al Khalifa (Bahrain): "In der jetzigen Phase ist es wichtig, dass ein Europäer die FIFA zusammenhält, er kennt aus seiner UEFA-Zeit die Ligen, die Klubs und auch die Nationalmannschaften. Eigentlich ist er aber auch fast schon der falsche Präsident, weil der Präsident bei der FIFA künftig weniger operative Aufgaben haben wird", betonte Tognoni.

Dennoch müsse Infantino, sagte der FIFA-Insider weiter, schnellstmöglich an wichtigen Stellschrauben drehen. "Er muss durchgreifen. Er muss die FIFA entschlacken, denn die FIFA ist zu fett, zu träge und ein Elefant geworden. Einen Schlendrian wie bisher kann sich die FIFA nicht mehr erlauben. Vor allem sollte er sich aus der Vormundschaft der US-Anwälte befreien", äußerte Tognoni mit Blick auf die seit Ausbruch der FIFA-Krise im Vorjahr bei der FIFA federführend tätigen Juristen.

Widerstände gegen Infantinos Wahlversprechen einer Ausweitung der WM-Endrunden auf 40 statt bisher 32 Mannschaften wie von europäischen Klub-Vereinigung ECA unter Führung von Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schon angekündigt müsse der neue FIFA-Boss hingegen nicht fürchten: "Rummenigge hat auch schon früher was gesagt. Dann kam Blatter und 200 Millionen für die Klubs hingelegt, und dann war er plötzlich ruhig. Man darf das also nicht so ernst nehmen."

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