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Sepp Blatter
Sepp Blatter hat seinen Kampfgeist nicht verloren © Getty Images

Sepp Blatters Amtszeit als FIFA-Präsident ist mit der Wahl Gianni Infantinos endgültig vorbei. In einem Interview äußert sich der Schweizer gewohnt selbstgerecht.

Am Tag seiner endgültigen Ablösung als Präsident des Fußball-Weltverbandes will Joseph S. Blatter seinen künftigen Platz in den FIFA-Annalen gefunden haben.

"Ich werde immer ein Präsident sein", sagte der 79-Jährige vor der Wahl seines Nachfolgers Gianni Infantino auf dem FIFA-Kongress am Freitag in Zürich in einem Interview mit der New York Times mit bekannter Selbstgerechtigkeit.

Seine Selbstwahrnehmung wird den seit Dezember als Fußball-Funktionär gesperrten Walliser allerdings nicht vor der Realität bewahren: Nach Angaben der der französischen Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf FIFA-Kreise beim Kongress hatte Blatter aufgrund der Wahl seines Landsmannes Gianni Infantino zum neuen Verbandschef noch am Freitag sein Dienst-Apartment nahe der FIFA-Zentrale in Zürich zu räumen oder für die vorläufige Weiternutzung der Räumlichkeiten Miete zu bezahlen.

Präsidenten-Bezüge erlöschen nach Infatino-Wahl

Auch sein Anrecht auf die nach Schweizer Recht trotz der Sperre weiter erfolgte Anweisung seiner regulären Präsidenten-Bezüge erlosch durch Infantinos Inthronisierung. Schon zu Jahresbeginn waren dem langjährigen FIFA-Boss sämtliche Bonus-Zahlungen wegen Pflichtverletzungen gestrichen worden.

Gegen seine inzwischen auf nur noch sechs Jahre reduzierte Sperre geht der Walliser beim internationalen Sportgerichtshof CAS nur noch aus prinzipiellen Erwägungen und nicht mehr zur Vorbereitung eines Comebacks auf der großen Fußball-Bühne vor.

"Genug ist genug", meinte Blatter in der New York Times: "Für mich ist jeder Tag ein Fest. Ich bin ein glücklicher Mann. Manchmal traurig, ja. Aber ich bin ein glücklicher Mann. Im Urteil gegen mich sind Bestechung und Korruption ausdrücklich ausgeschlossen. Was bleibt also noch von den Vorwürfen gegen mich? Die Sperre ist unlogisch. Das Urteil wird keinen Bestand haben."

"Wie der letzte Gangster behandelt"

Im Rückblick auf sein Ende an der FIFA-Spitze schilderte Blatter den Tag der Bekanntgabe der Anklage gegen seine Person im September 2015 wegen der 1,8-Millionen-Euro-Zahlung an seinen französischen "Ziehsohn" und Präsidenten-Kollegen Michel Platini vom Europa-Verband UEFA. Die Ermittler hätten ihm erklärt, berichtete Blatter in dem Interview, dass er die nach der vorangegangenen Sitzung der FIFA-Exekutive angesetzte Pressekonferenz "nur mit zwei Polizisten an meiner Seite" hätte abhalten dürfen.

Nachdem der Medientermin abgesagt worden war, fühlte sich Blatter bei der anschließenden Einvernahme in der FIFA-Zentrale in Zürich "von den Schweizer Behörden wie der letzte Gangster der Welt behandelt. Der Prophet gilt nichts im eigenen Land."

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