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München - Im Bitburger Fantalk auf SPORT1 fordern Georg Koch und Hermann Hummels ein Umdenken in der Nachwuchsarbeit. Frank Wormuth verteidigt die neue Spieler-Generation.

Zu weich, zu angepasst, keine Ecken und Kanten. Kurz: keine Typen. Das sind die Kritikpunkte an der "Generation NLZ" der deutschen Nachwuchsspieler. 

Was von Holger Badstuber vor dem Rückrundenstart in Bezug auf die Bayern-Talente angeprangert wurde, bestimmte auch die Diskussion beim Bitburger Fantalk am Dienstagabend auf SPORT1.

"Sie sind keine Effenbergs mehr", sagt DFB-Chefausbilder und U-20-Nationaltrainer Frank Wormuth. "Vielleicht ist die Generation Lahm und Co. anders geworden. Sie können auch führen, aber nicht in dieser Art und Weise, die jeder mitbekommt."

"Verrückte Leute" geben es zwar auch noch. "Aber die werden auf dem Weg zur Größe immer noch ein bisschen gestutzt", meinte Wormuth. 

Hauptkritikpunkt war die fehlende Wettkampfhärte der Talente. "Das Wettkampfbezogene muss wesentlich größer geschrieben werden, weil da Mentalitäten entstehen. Die brauche ich, um vielleicht auch mal unter Schmerzen Höchstleistungen zu bringen", forderte SPORT1-Experte Peter Neururer - und stand mit seiner Meinung nicht allein.

Hermann Hummels, ehemaliger Chefscout beim FC Bayern und Vater von Weltmeister Mats Hummels, forderte im Nachwuchsbereich ein Umdenken. "In den Nachwuchsleistungszentren sehe ich viel taktische Arbeit. Aber sie trainieren viel zu wenig wettkampforientiert", sagte Hummels. "Der Unterschied zu früher ist, dass die Jungs gewinnen wollen, aber kein Werkzeug haben, wie man gewinnen kann. Diese ruhige Passen, Passen und um die Hütchen rum - das ist Zeitverschwendung."

Seine Vorschläge: eine Übungseinheit für Nachwuchskicker, in der ihnen beigebracht wird, "dass man auch manchmal leiden muss zum Gewinnen." Und die Wiedereinführung von Hallenturnieren unter Wettkampfbedingungen: "Das bringt etwas für die Mentalität, gewinnen zu wollen."

Beim Thema Mentalität setzte auch der ehemalige Bundesliga-Torwart Georg Koch an. "Die Spieler leben heute in einer Wohlfühl-Oase. In Leipzig wird für 60 Millionen ein Leistungszentrum gebaut, und dann lese ich irgendwo, dass die Spieler dort ihre Schuhe ausziehen müssen. Sowas war früher bei uns selbstverständlich. Da stimmt doch was nicht", kritisierte Koch.

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