vergrößernverkleinern
FIFA Confederations Cup 2005 Tunisia v Germany
Otto Schily stärkt Franz Beckenbauer den Rücken © Getty Images

Der ehemalige Innenminister sieht Beckenbauers Verdienste für die WM auch nach den neuesten Enthüllungen nicht geschmälert. Theo Zwanziger attackiert Schily indes scharf.

Als Reaktion auf den Freshfields-Bericht zur WM-Affäre bei Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat Ex-Bundesinnenminister Otto Schily (83) das angeschlagene Idol Franz Beckenbauer aus der Schusslinie genommen.

Zugleich fuhr der ehemalige Aufsichtsrat des Organisationskomitees für die WM-Endrunde 2006 in Deutschland in einem Interview mit dem Deutschlandfunk wegen der dubiosen Millionen-Zahlung der WM-Macher schwere Angriffe gegen den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger.

"Beckenbauer hat sich leichtfertig verhalten"

Zudem monierte der SPD-Politiker die Freshfields-Ermittler wegen unvollständiger Aufarbeitung ihrer teilweise brisanten Erkenntnisse.

"Dass Beckenbauer leider in wirtschaftlichen Dingen manchmal auch ein bisschen sehr leichtfüßig gehandelt hat, das will ich mal nicht in Abrede stellen, und leider hat er sich dann vielleicht auch auf Berater verlassen wie Herrn Schwan und sich da vielleicht dann auch leichtsinnig verhalten", sagte Schily mit Blick auf Millionen-Transfers vom Konto des WM-Chefs über Schweizer Anwälte in Richtung Katar.

Schily betonte allerdings, dass die ominösen Vorgänge Beckenbauers Verdienste um die Heim-WM "nicht schmälern".

Ganz anders bewertet Schily Zwanzigers Rolle.

Schily attackiert Zwanziger scharf

Der Vizepräsident Finanzen im WM-Organisationskomitee, der 2005 die Millionen-Zahlung falsch deklariert zusammen mit seinem Kollegen Horst R. Schmidt freigegeben hatte, habe "uns getäuscht. Im Hintergrund wurde etwas ganz anderes veranstaltet von Herrn Zwanziger. Einer der für diese Täuschung verantwortlich war, war leider Herr Dr. Theo Zwanziger".

Zwanziger behauptete in der Vergangenheit stets, die Zahlung für den Ausgleich eines Darlehens des früheren adidas-Chefs zur Absicherung eines Zuschusses des Weltverbandes FIFA von 170 Millionen Euro zu den Organisationskosten gehalten zu haben.

Nach der Offenlegung der tatsächlichen Geldflüsse nach Katar hatte Zwanziger Zweifel an Beckenbauers Integrität angedeutet: "Wenn sich jetzt herausstellt, dass es keine Provision ist, dann hat Franz Beckenbauer uns getäuscht." Schily wies den Vorwurf gegen den Kaiser zurück: "Wieso von Franz Beckenbauer? Wo hat Herr Beckenbauer Herrn Zwanziger getäuscht?"

Mehr Aufklärung auch solch weiterhin offen gebliebener Fragen hätte sich Schily vom Freshfields-Bericht erwartet: "Ich frage mich natürlich, warum ist man nicht auch bei Freshfields der Frage nachgegangen, was war denn nun eigentlich der Hintergrund?" Man hätte auch fragen müssen, an wen Louis-Dreyfus das Darlehen denn überhaupt gegeben habe. "Ich hätte an Stelle von Freshfields auch mal gefragt, welches Mandat hatte eigentlich der Anwalt, über dessen Konto diese ganzen Zahlungsvorgänge abgelaufen sind."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel