vergrößernverkleinern
Thomas Helmer über Manuel Neuer
Thomas Helmer lobt in seiner Kolumne Manuel Neuer für seinen Auftritt im Auftaktspiel © SPORT1-Grafik: Imago

Thomas Helmer übt in seiner SPORT1-Kolumne sowohl Kritik an der deutschen Defensive als auch der Offensive. Trotzdem blickt er zuversichtlich aufs Polen-Spiel.

Hallo Fußball-Fans,

Auftaktspiele entscheiden oft maßgeblich über den weiteren Verlauf des Turniers. Von daher war der Sieg gegen die Ukraine natürlich sehr wichtig, auch wenn wir in der ersten Halbzeit große Probleme gehabt haben.

Aber wir hatten einen Riesenvorteil: Wir haben mit Manuel Neuer den besten Torwart der Welt, der hält alles. Das macht am Ende wahrscheinlich den Unterschied aus.

Trotzdem hat die Mannschaft zu viele Chancen zugelassen.

Ich habe das Spiel mit meinen EM-Teamkollegen von 1996 geschaut, Christian Ziege und Steffen Freund. Und wir hatten alle den Eindruck, dass die deutsche Mannschaft nicht begriffen hat, dass gerade Standards und Ecken von rechts immer auf den zweiten Pfosten geschlagen wurden. Da hatten sie Höwedes offenbar als Schwachstelle ausgemacht und es wurde immer wieder brenzlig.

Aber auch sonst gab es in der Defensive große Abstimmungsprobleme. Wenn die Ukrainer schnell gespielt und Druck gemacht haben, kamen wir doch relativ arg ins Schwimmen. Das ist die eine Baustelle für Jogi Löw, aber auch die Offensivabteilung hat mir nicht sonderlich gut gefallen.

Thomas Müller wirkte auf mich schon in den letzten Spielen mit dem FC Bayern ein bisschen glücklos - und Mario Götze ist über weite Strecken untergetaucht. Mesut Özil habe ich fast gar nicht gesehen, außer bei seiner Vorlage zum zweiten Tor. Er kann mehr und er muss auch mehr bieten.

Das Trio hat noch keine EM-Form gezeigt. Dadurch hatten wir zu wenig Entlastung und kaum Chancen zum 2:0, mit dem wir mehr Ruhe gehabt hätten. Stattdessen fängt man sich mit etwas Pech dann noch den Ausgleich, so wie die Engländer gegen Russland.

Umso schöner, dass ausgerechnet Bastian Schweinsteiger noch das 2:0 gemacht hat. Das hat mich gefreut für ihn nach der langen Pause und war ein gelungener Schlusspunkt.

Ich bin gespannt, ob Löw für das nächste Spiel Wechsel vornehmen wird. In der Offensive kann man sicherlich einigen anderen eine Chance geben, etwa Mario Gomez. Und hinten hängt es davon ab, ob Mats Hummels wieder fit ist. Wobei man Shkodran Mustafi nach dem Tor und der guten Leistung eigentlich auch nicht rausnehmen kann.

In jedem Fall kann die Mannschaft gelassen in die nächste Partie gehen. Polen ist zwar der stärkste Vorrundengegner und hat uns in der Qualifikation geschlagen, aber sie hatten gegen Nordirland ja noch größere Probleme als wir. Und unsere Mannschaft kann das Spiel nutzen, um zu zeigen, wer Weltmeister ist.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Thomas Helmer

Ex-Nationalspieler Thomas Helmer gewann als Abwehrchef 1996 in England mit der DFB-Auswahl den bislang letzten EM-Titel. Während der Europameisterschaft in Frankreich moderiert der frühere Kapitän von Bayern München den EM Doppelpass und analysiert die deutschen Spiele in seiner SPORT1-Kolumne.

 

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel