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Nimmt neuerdings Handschläge als UEFA-Präsident entgegen: Der frisch gewählte Platini-Nachfolger Aleksander Ceferin © Getty Images

München - Aleksander Ceferin kann bei seiner Wahl zum UEFA-Präsidenten auf die Unterstützung des DFB zählen. Hat er den Verband geködert? SPORT1 beantwortet Fragen.

Kaum war der neue UEFA-Präsident gewählt, verfiel einer seiner großen Unterstützer in Jubelstimmung. 

"Das ist ein so gutes Ergebnis, dass ich keinen Zweifel habe, dass Aleksander Ceferin die breite Unterstützung aller Nationalverbände hat", frohlockte Reinhard Grindel.

Nachdem sein Wunschkandidat Europas Fußball-Thron bestiegen hatte, rollte ihm der DFB-Boss den roten Teppich aus. Wenn auch nicht in Echtzeit, dann doch zumindest verbal. 

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"Der Wunsch nach einer grundlegend neuen Dynamik" im inneren Kern der UEFA sei offenbar "sehr breit vorhanden" gewesen, sinnierte Grindel. Geht es nach ihm, dann gibt Ceferin künftig den großen Revoluzzer des kriselnden Verbandes.

Gut gebrüllt, könnte man sagen. Denn der Slowene hat den Ruf, nur ein weiterer Strippenzieher zu sein, der das Amt des höchsten Fußball-Funktionärs Europas für undurchsichtige Machenschaften und eigene Interessen nutzt. 

Die Geschichte seines Aufstiegs ist auch die Geschichte einer innigen Verbandelung mit dem DFB. SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen rund um den neuen UEFA-Präsidenten. 

- Wer ist dieser Aleksander Ceferin?

Der 49-jährige Präsident des slowenischen Fußball-Verbandes stammt aus wohlhabenden Verhältnissen. Seine Familie ist finanziell potent wie einflussreich.

Beruflich hat sich Ceferin als Anwalt einen Namen gemacht, vertritt unter anderem schwerreiche Oligarchen und korrupte Politiker. Es gibt Stimmen, die sich fragen, ob so das passende Umfeld eines UEFA-Präsidenten aussieht, der seinen Verband aus dem Zwielicht herausholen will.

Ein Faible für Sport hat Ceferin schon in frühester Jugend entwickelt. Seine Leidenschaft heißt Karate. Er trägt den schwarzen Gürtel. Außerdem ist an dem Familienvater ein linguistisches Talent verloren gegangen. Ceferin spricht fünf Sprachen fließend. 

Eine durchaus hilfreiche Fähigkeit, um Kontakte zu knüpfen, Verbündete an Land zu holen und Stimmen hinter sich zu vereinen. 

- Was hat der neue UEFA-Präsident zu bieten?

Zumindest eine große Portion Selbstbewusstsein. Sein Dasein im Fußball-Business bezeichnet Ceferin selbst als "große Errungenschaft der Demokratie"

Wenn der neue UEFA-Präsident Werbung für sich und seine Ideen macht, klingt das mitunter so: "Es ist der Anfang einer neuen Epoche. Wir sollten mit der Politik, mit den Intrigen aufhören. Der Fußball kommt an erster Stelle."

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Oder so: "Wir sind die Wächter des schönen Spiels. Diese Verantwortung ist mein Kompass und ich möchte die Balance zwischen allen Akteuren bewahren."

Diese Sätze gab Ceferin keine halbe Stunde nachdem ihn die Delegierten inthronisiert hatten zum Besten. Inbrünstiger Pathos, den nur solche für voll nehmen, die nicht um seine Seilschaften Bescheid wissen. Auch sie sind ein Grund für Ceferins kometenhaften Aufstieg als Fußball-Funktionär.

- Wer unterstützt Ceferin?

Im Rennen um das Präsidentenamt galt er zu Beginn als krasser Außenseiter. Die besten Chancen auf den Posten wurden lange Zeit seinem Konkurrenten Michael van Praag nachgesagt.

Dieser wähnte bis kurz vor der Wahl auch noch den DFB hinter sich. Dann erhielt er einen Anruf, indem ihm Boss Grindel mitteilte, sich auf die Gegenseite geschlagen zu haben.

Am Wochenende vor der Abstimmung begründete der DFB-Präsident im WDR seine Präferenz für Ceferin: "Wir brauchen einen UEFA-Präsidenten, der das Amt länger als zwei Jahre ausüben kann. Sonst hätten wir eine permanente Personaldiskussion." Eine Spitze gegen den 68-jährigen van Praag, der kurz vor der UEFA-Altersgrenze steht. 

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Viel interessanter aber war, was Grindel zu inhaltlichen Punkten sagte: "Wir brauchen einen UEFA-Präsidenten, der den Einfluss der nationalen Verbände [...] stärkt, der für Themen wie Good governance and compliance steht. All das sehen wir [...] bei Aleksander Ceferin gegeben."

Interessante Randnotiz: Mit exakt demselben Programm hatte zuvor van Praag geworben. Was also hat Grindel, was hat den DFB zum Umdenken bewogen?

- Hat Ceferin dem DFB die EM versprochen?

Unter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, Ceferin habe seine Unterstützer mit Zusagen geködert. Etwa solchen, dass ein nordeuropäisches Land die übernächste EM austragen dürfe.

Mit Aussagen wie jüngst im Interview mit sport inside befeuert der Slowene solche Gerüchte: "Nach der EM 2020, die 13 Länder gemeinsam austragen, ist es nötig, die nächste EM in einem Land zu haben", sagte er.

Erhofft sich der DFB mit Ceferins Unterstützung etwa bessere Chancen auf einen Zuschlag? 

Als sicher gilt indes, dass dem neuen UEFA-Präsidenten einflussreiche Unterstützer aus Russland die nötige Stimmenmehrheit beschafft haben. Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino wird eine Nähe zu Ceferin nachgesagt, auch wenn dieser eine Bevorteilung bestreitet.

"Ich kenne Gianni Infantino seit 2011. Was die Wahl angeht, haben die Medien einiges erfunden. Ich hoffe, dass er mich unterstützt hat, aber ich weiß es nicht", sagte Ceferin am Tag seiner Wahl.

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