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Jürgen Klinsmann entlud seinen Frust an einer Werbetonne © Imago

Jürgen Klinsmann verrät in seiner Biografie Details zu seinem Tonnen-Tritt. Dazu: Wie er Löw als Nachfolger überzeugte und was er nach Effenbergs Stinkefinger-Affäre dachte.

Jürgen Klinsmann hat in seiner neuen Biografie "Jürgen Klinsmann. Fußball ohne Grenzen" einige bisher geheime Details aus seinem Leben verraten.

Die berühmteste Aktion seiner Karriere verursachte Tränen beim heutigen US-Nationaltrainer.

Nach der Auswechslung gegen Freiburg (0:0) im Mai 1997 lud der damalige Bayern-Stürmer seinen Frust mit einem Tritt in eine Werbetonne ab.

"Ich wusste, ich hatte einen Fehler gemacht und weinte in der Umkleide vor Trapattoni (damaliger Bayern-Coach, Anm. d. Red.) und entschuldigte mich für das, was ich getan hatte. Und er nahm mich in den Arm und sagte: Jürgen, es ist alles in Ordnung, du hast die Nerven verloren. Wir machen alle Fehler", beschrieb Klinsmann die Situation in einem Auszug, den die Bild-Zeitung veröffentlichte.

Klinsmann musste Löw überreden

Ein weiterer großer Teil der Biografie ist sein Rücktritt als Nationaltrainer nach der WM 2006. Nach der Feier am Brandenburger Tor fuhr der 52-Jährige gemeinsam mit seinem damaligen Co-Trainer Joachim Löw in ein Hotel im Schwarzwald.

Löw zierte sich zunächst, den Job als Bundestrainer zu übernehmen, nachdem Klinsmann seinen Rücktritt verkündet hatte.

"Ich sagte: Jogi, wir sitzen hier im Hotel, und ich gehe nicht eher weg, als bis du zustimmst, die Mannschaft zu übernehmen", erinnert sich Klinsmann. "Ich habe ihm gesagt, dass es für mich Zeit sei, nach Kalifornien zurückzugehen, und dass es Zeit für mich sei, etwas Neues anzufangen. Vielleicht ist es falsch, aber das ist es, was ich fühle und ich weiß, dass du es kannst. Du musst das Schiff nur übernehmen."

Löw zögerte jedoch und wollte Klinsmann im Team behalten. Erst drei Tage später entschied er sich, das Amt zu übernehmen, das er bis zum heutigen Tag inne hat.

WM-Skandal um Effenberg

Wie im falschen Film fühlte sich Klinsmann bei der WM 1994 nach der Stinkefinger-Affäre um Stefan Effenberg. Trotz des Skandals war die Mannschaft dafür, den "Tiger" im Team zu behalten.

"Wir, die Spieler und Berti (Vogts, damalige Bundestrainer), flehten DFB-Präsident Egidius Braun an, Effenberg nicht nach Hause zu schicken. Wir sagten: Kommen Sie schon, gehen wir ruhig an die Sache heran, gebt ihm eine Geldstrafe oder was Ähnliches", schreibt Klinsmann in der Biografie.

"Aber auf der anderen Seite wollte Effenberg sich einfach nicht entschuldigen. Damit trafen hier zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Ich sagte: Das ist verrückt. Er ist einer der besten Mittelfeldspieler dieser WM und das soll dabei rauskommen?"

Im Rückblick erklärt Klinsmann zudem, dass einige Spieler die Interessen der Mannschaft nicht über die eigenen stellen wollten.

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