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Ivica Grlic ist seit Oktober 2011 Sportdirektor des MSV Duisburg
Ivica Grlic ist seit Oktober 2011 Sportdirektor des MSV Duisburg © SPORT1

München und Duisburg - Duisburgs Sportdirektor Ivica Grlic spricht im SPORT1-Interview über den Weg zum Zweitliga-Aufstieg, die Unterstützung der Fans, die Party der Spieler und die Ziele des MSV.

"Einmal Hölle und zurück". 

Auf den ersten Blick ein eher ungewöhnliches Aufstiegs-Motto, doch im Falle des MSV Duisburg so passend wie kein anderer Spruch sonst.

Nach Jahren voller sportlicher Rückschläge und finanzieller Engpässe bis hin zu Existenzängsten ist der MSV nun zurück in der Zweiten Liga. Urgestein Ivica Grlic hat all dies hautnach miterlebt. Erst als Spieler, seit seinem Karriereende 2011 als Sportlicher Leiter und zwischenzeitlicher Interimscoach.

Grlic ist der Baumeister des heutigen Erfolgs. Er hat das Team über Jahre geformt und in dieser Saison auch in schwierigen Phasen an Trainer Gino Lettieri festgehalten.

Am Ende steht nun die langersehnte Rückkehr in Liga zwei. Jetzt geht es gemeinsam mit Mitaufsteiger Bielefeld nach Mallorca.

Im SPORT1-Interview spricht Grlic über das anstehende "Kurztrainingslager", den steinigen Weg zum Aufstieg und die Ziele in der kommenden Saison.

SPORT1: Herr Grlic, Glückwunsch zum Aufstieg. Wie lang haben Sie gefeiert?

Ivica Grlic: Die Mannschaft hat natürlich ziemlich lange gemacht, bei mir wurde es nicht ganz so spät. Ich habe das alles nochmal sacken lassen, in den letzten Jahren war ja Einiges los.

SPORT1: Und jetzt steht das "Kurztrainingslager" auf Mallorca an?

Grlic: Die Mannschaft ist erst einmal auf Mallorca, ja. Wir haben ein paar Tage frei gegeben. Das haben sich die Jungs verdient. Danach geht aber auch wieder die Vorbereitung auf Wehen-Wiesbaden los.

SPORT1: Wie wichtig ist es denn für Sie, Meister zu werden?

Grlic: Das große Ziel Aufstieg haben wir erreicht, ob wir am Ende Erster oder Zweiter werden, ist Nebensache. Natürlich wäre der Titel schön, aber Priorität war klar der Aufstieg.

SPORT1: Wie fällt ihr Saisonfazit aus?

Grlic: Man muss auf die letzten zwei Jahre zurückblicken. Mit dem Lizenzentzug uns seinen Folgen war es natürlich nicht einfach. Wir hatten ein Ziel, einen Plan. Wir wollten aufsteigen - aber das wollen zehn andere Mannschaften in der Dritten Liga auch. Wir haben uns von unserem Weg aber nicht abbringen lassen, haben immer an uns geglaubt, hart gearbeitet und sind, wenn man die Rückrunde sieht, auch verdient aufgestiegen.

SPORT1: "Einmal Hölle und zurück", stand auf den Aufstiegsshirts. Beschreibt das die letzten Jahre am besten?

Grlic: Es ist natürlich extrem bitter, wenn man sportlich den Klassenerhalt schafft und dann durch den Lizenzentzug den Zwangsabstieg miterleben muss. Aber was unsere Fans und Sponsoren dann für Aktionen gefahren haben, war unglaublich. Da ist eine ganze Stadt zusammengerückt. Der Aufstieg ist ein schöner Lohn für uns alle.

Chemnitzer FC v MSV Duisburg - 3. Liga
Ivica Grlic (l.) und Trainer Gino Lettieri arbeiten seit Sommer 2014 gemeinsam in Duisburg © Getty Images

SPORT1: Spiegelbild dieser emotionalen Achterbahnfahrt war das Spiel gegen Holstein Kiel. Wie nervenaufreibend war das?

Grlic: Sehr nervenaufreibend. Aber für einen Fußballer gibt es doch nichts Schöneres: Du hast 90 Minuten, in denen du alles entscheiden kannst. Man hat den Willen unserer Mannschaft gesehen, die nach dem 0:1 sensationell zurückgekommen ist und innerhalb von sieben Minuten das Spiel gedreht hat.

SPORT1: Der MSV Duisburg ist jetzt nach schweren Jahren zurück in der Zweiten Liga. Ist das Ziel erst einmal, sich dort zu etablieren, oder denken Sie auch an die Bundesliga?

Grlic: Nein, nein, nein. Es zählt nur der Klassenerhalt. Alles andere wäre Träumerei. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen.

SPORT1: Sie habe als Spieler und Sportdirektor mit dem MSV viel erlebt. Welchen Stellenwert nimmt dieser Aufstieg da ein?

Grlic: Der Aufstieg ist ein Highlight, weil keiner mit uns gerechnet hat. Wenn man sich die Umfragen vor der Saison angeschaut hat - der MSV Duisburg stand da bei keinem als Aufstiegsfavorit auf dem Zettel. Für uns als Verein und als Stadt ist das ein Riesenerfolg, fast schon eine Sensation, schon im zweiten Jahr nach dem Lizenzentzug aufzusteigen.

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