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Pep Guardiola beim FC Barcelona
Pep Guardiola war 17 Jahre Spieler und vier Jahre Trainer beim FC Barcelona © SPORT1

München und Barcelona - Für Pep Guardiola wird das Duell mit dem FC Barcelona zum Wiedersehen mit seiner alten Liebe. SPORT1 hat sich auf Spurensuche in die Vergangenheit begeben.

Es war eine andere Welt als heute, in die Josep Guardiola i Sala am 18. Januar 1971 hineingeboren wurde. Spanien gehörte damals zu den ärmeren Ländern Europas und das marode Faschisten-Regime des todkranken Generals Franco versuchte mit aller Gewalt, seine Unrechtsherrschaft auch im aufmüpfigen Katalonien aufrecht zu erhalten, deren eigene Sprache verboten war.

Eine der wenigen Hoffnungsschimmer für die katalanische Identität war der FC Barcelona, schon damals "mes que un club" (mehr als ein Klub). Maßgeblichen Anteil daran hatte ausgerechnet ein schlaksiger Niederländer namens Johan Cruyff, der den Verein in seiner Debüt-Saison 1973/74 zu ersten Meisterschaft nach 14 Jahren führte.

Barcas 5:0-Triumph im Februar 1974 im Estadio Bernabeu beim als Franco-Klub verhassten Erzrivalen Real Madrid, den Hunderttausende auf den Straßen Barcelonas feierten, gilt in Spanien bis heute als Anfang vom Ende der mit Francos Tod im November 1975 endgültig untergegangenen Diktatur.

Auch den kleinen Pep, den damals alle "Guardi" nannten, schien der Höhenflug des FC Barcelona zu begeistern, jedenfalls nahm etwa zu dieser Zeit seine Karriere ihren Anfang.

"Er war drei Jahre alt, da ist er schon mit dem Ball unter dem Arm aus dem Haus gelaufen", erinnert sich Guardiolas Mutter Dolors beim Besuch der SPORT1-Reporter Thorsten Mesch und Florian Weiß in ihrem Haus in Santpedor.

"Man darf nie vergessen, wo man herkommt", sagt Guardiola heute über die Kindheit im 70 Kilometer nördlich von Barcelona gelegenen 7000-Einwohner-Ort.

"Ich weiß nicht mehr, wann ich begonnen habe. Ich habe das Gefühl, dass ich mein ganzes Leben immer einen Ball dabei hatte. Jeder erinnert sich an mich als Kind, das immer Fußball gespielt hat."

Die Fortschritte waren für jedermann sichtbar, auch für seinen Vater Valenti, einen Maurer. Der füllt 1982 einen Coupon einer Sportzeitung für ein Probetraining beim FC Barcelona aus, und der damals in der nahe gelegenen Kleinstadt Manresa spielende Sohn wird eingeladen.

Doch der nervöse Junge spielt schlecht, auch beim zweiten Vorspielen. Erst beim dritten Mal überzeugt er die Barca-Scouts, doch dann lehnen die Eltern die Aufnahme ins Vereins-Internat "La Masia" ab. Aus Sorge, dass ihr schmächtiger Junge sich so weit weg von zu Hause nicht durchsetzen werde.

Zwei Jahre später klingelt es erneut im Hause Guardiola, und diesmal sagt der Vater dem FC Barcelona zu.

La Masia 

Im Sommer 1984 zieht der 13-Jährige in das alte Bauernhaus im Schatten des legendären Camp Nou. Es ist die Saison, in der Barca erstmals seit dem Titel mit Cruyff wieder spanischer Meister werden wird.

"Im Internat hatte ich es als Kind zuerst schwer. Ich habe mich oft einsam gefühlt und abends immer meine Eltern angerufen", erinnert sich Guardiola heute, sein Vater berichtet sogar von Tränen am Telefon.

Und auch die Vereinsärzte zweifeln, ob der kleine, schmalbrüstige Kerl den körperlichen Herausforderung gewachsen ist, entscheiden sich aber aufgrund seiner fußballerischen Qualitäten letztlich gegen einen Rauswurf.

Guardiola entwickelt sich mehr und mehr zum Führungsspieler, geht Trainern und Mitspielern aber mit seinen stundenlangen Monologen über Fußball auf die Nerven. Und er steigt zum Balljungen im Camp Nou auf, einem begehrten Job im Internat.

Ein in Spanien bekanntes Foto zeigt ihn im April 1986 beim Jubeln mit den Profis und Trainer Terry Venables, nachdem Barca nach einem dramatischen Spiel gegen IFK Göteborg im Elfmeterschießen das - später gegen Bukarest verlorene - Endspiel im Europacup der Landesmeister erreicht hatte.

Pep Guardiola als Balljunge beim FC Barcelona
Balljunge Guardiola (l.) jubelt nach Barcas Einzug ins Europacup-Finale 1986 © SPORT1

"In La Masia erlebte ich die besten Jahre meines Lebens. Alles war dem einzigen, durch nichts zu ersetzenden Traum untergeordnet, den ich jemals geträumt habe: für Barcas erste Mannschaft zu spielen", sagt Guardiola.

Diesem Ziel kam er immer näher, seit Barca-Ikone Cruyff 1988 als Trainer zurückgekehrt war und ein Ruck durch den gesamten Verein ging. Ein Jahr später berief er den 18-Jährigen überraschend zu einem Freundschaftsspiel der ersten Mannschaft in Banyoles und herrschte Guardiola danach in der Kabine an: "Du warst langsamer als meine Großmutter."

Schnelligkeit war tatsächlich nicht die Stärke Guardiolas, hinzu kamen seine im Vergleich zu den Mitspielern nach wie vor vorhandenen körperlichen Defizite, weshalb er auch bei Barcas B-Team oft nur Ersatz war.

Doch für den als Spieler selber eher schmalbrüstigen Cruyff ist das kein Argument: "Ein guter Spieler braucht keine starke Physis."

Daher verhilft er Guardiola am 16. Dezember 1990 beim 2:0 im Camp Nou gegen den FC Cadiz zu dessen Debüt in der Primera Division. "Ich akzeptiere, dass mir die Umstände geholfen haben. Aber Cruyff glaubte eben auch an mich und gab mir die Chance, es zu beweisen. Das verdanke ich ihm."

Cruyff bleibt bis heute sein großer Mentor, auch wenn Guardiola in der ersten Saison nur auf drei Einsätze kommt. Aber er gehört fest zum Kader des Teams, das am Ende der Spielzeit erstmals seit 1985 wieder spanischer Meister wird.

Sternstunde in Wembley 

Im Jahr darauf wird er dann zum Stammspieler im defensiven Mittelfeld und steht auch beim ersten Gewinn des Europacups der Landesmeister am 20. Mai 1992 im Wembley-Stadion gegen Sampdoria Genua in der Startelf.

Dabei wäre die Mannschaft beinahe schon in der zweiten Runde am 1. FC Kaiserslautern ausgeschieden, ehe Bakero mit einem Kopfball in der Nachspielzeit noch für das Weiterkommen sorgt.

Spaniens Olympiasieger von 1992
Pep Guardiola (untere Reihe, 2.v.l.) holte in seiner Heimat Barcelona 1992 Olympiagold mit Spanien © Imago

Und auch beim krönenden Abschluss seiner Traum-Saison, dem 3:2 im olympischen Finale in seiner Heimat Camp Nou steht ihm das späte Glück bei Kikos Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen Polen zur Seite.

Ebenso wie bei den drei Last-Minute-Meisterschaften in Folge, bei denen Barca noch am letzten Spieltag den Tabellenführer überholt: Zwei Jahre hintereinander verliert Real Madrid in Teneriffa, im dritten Jahr verschießt Djukic von Spitzenreiter La Coruna kurz vor Abpfiff des letzten Spiels einen Foulelfmeter.

Guardiola wird in dieser Zeit trotz seines jungen Alters zum Leader des so genannten Dream Teams, zumal er als einer der wenigen Katalanen und als Eigengewächs in einer von ausländischen Weltstars wie Romario und Stoitschkow und baskischen Akteuren wie Zubizarretta und Begiristain dominierten Mannschaft eine Sonderstellung in der Öffentlichkeit einnimmt.

"Auf seinem Höhepunkt war er einer der schnellsten Denker der Welt. Er war ein wahrer Anführer", sagt Fabio Capello.

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Doch Peps Glück ist aufgebraucht. Im Champions-League-Finale 1994 erlebt der hohe Favorit aus Barcelona beim 0:4 gegen Capellos AC Mailand ein Debakel. Mentor Cruyff muss 1996 nach zwei Jahren ohne Titel gehen, Nachfolger Bobby Robson hält sich trotz Gewinns von nationalem Pokal und Europacup der Pokalsieger nur eine Saison.

Dann kommt in Form von Louis van Gaal von Ajax Amsterdam das niederländische Erfolgsmodell zurück. Barca holt in der ersten Spielzeit das Double und wird auch 1999 im Jahr des hundertjährigen Vereinsbestehens Meister, doch Guardiola muss wegen einer hartnäckigen Muskelverletzung zweimal operiert werden und fällt fast eineinhalb Jahre aus.

In der Saison 1999/2000 beißt er sich ins Team zurück, obwohl ihn van Gaal als Auslaufmodell betrachtet und meist auf den jungen Xavi setzt. Doch der Coach gerät zunehmend in die Kritik und nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale und dem Verpassen der Meisterschaft ist die Ära des unbeliebten Niederländers beendet.

Der erste Abschied 

Guardiola entschließt sich, seinen 2001 auslaufenden Vertrag zu erfüllen, dann aber seinen Herzensklub zu verlassen. Das Verhältnis zum Vorstand ist zerrüttet, weil die Mehrheit dort keinen Wert mehr auf den aus ihrer Sicht altersmüden Kapitän legt.

"Was ist mit Guardiola?", soll Präsident Josep Lluis Nunez zu dieser Zeit einen Teamarzt gefragt haben. "Ist er nicht ein bisschen krank im Kopf?"

Ein Großteil von Fans und Medien steht Guardiola wegen seiner öffentlichen Nähe zu Musikern und Künstlern ohnehin skeptisch bis ablehnend gegenüber. "Die Eigengewächse bekamen immer ihr Fett weg", erinnert sich Cruyffs langjähriger Assistent Carles Rexach. "Er war ausgebrannt und litt sehr."

Pep Guardiola und Luis Figo
Pep Guardiola (l.) bei einem seiner letzten großen Spiele für den FC Barcelona im Jahr 2001 im Clasico gegen Real Madrid und luis Figo © Getty Images

Im April 2001 gibt Guardiola schließlich auf einer emotionalen und tränenreichen Pressekonferenz seinen Abschied aus Barcelona bekannt - nach 17 Jahren, 479 Spielen und 16 Titeln.

Am 24. Juni bestreitet er sein letztes Spiel für die Blaugrana, das Aus im Halbfinale gegen Außenseiter Celta Vigo in einem halbleeren Camp Nou passt in die beklemmende Stimmung eines damals sportlich und wirtschaftlich maroden Vereins

Trotzdem: "Ich fühle mich ein bisschen befreit", sagt der Junge aus Santpedor, der sich lange nach Spielende gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Cristina von seiner Heimat verabschiedet - schon damals mit dem Ziel, wiederzukommen und vieles besser zu machen.

Die dunkle Zeit 

Für den ablösefreien Nationalspieler gehen zahlreiche Angebote von Topklubs ein, vor allem aus Italien und England. Doch Guardiola will unbedingt zu Juventus Turin, dessen einstiger Star Michel Platini auf einem Poster über seinem Kinderzimmerbett hing.

Sein Berater erzielt auch eine Einigung mit Sportchef Luciano Moggi und sagt allen anderen Interessenten ab, aber nach dem Trainerwechsel bei Juve von Ancelotti zu Lippi will Moggi nichts mehr davon wissen.

Pep Guardiola bei Brescia Calcio
Pep Guardiola bei seiner Präsentation bei Brescia Calcio © Getty Images

Guardiola steht ohne Klub da, so dass er erst Ende September ein Angebot von Brescia Calcio annimmt. Doch für den Serie-A-Klub bestreitet er nur wenige Spiele, weil er schon am 21. Oktober gegen Piacenza und dann nochmal am 4. November gegen Lazio Rom positiv auf Nandrolon getestet wird.

Guardiola wird nur für vier Monate gesperrt, kommt danach sportlich aber nicht mehr auf die Beine. Beim AS Rom ist er nach seinem Wechsel nur Ersatz, so dass er zur Rückserie 2003 zurück nach Brescia geht.

Es folgt ein sehr lukrativer Zweijahresvertrag bei Al Ahli in Katar und schließlich 2006 ein halbes Jahr bei Dorados de Sinaloa in Mexiko bei seinem neben Cruyff wichtigsten Lehrmeister, dem Spanier Juan Manuel Lillo.

Ende des Jahres gibt Guardiola offiziell sein Karriereende als Profi bekannt und beginnt die Trainerausbildung. Wesentlich mehr im Fokus steht aber in diesen Jahren der Kampf gegen das Image des Dopingsünders.

Im Mai 2005 hatte ihn ein Gericht in Brescia zu einer siebenmonatigen Haft auf Bewährung verurteilt, und erst durch Zufall erhielt er den Hinweis, dass die bei ihm gefundene relativ geringe Menge Nandrolon auch von körpereigenen Zellen produziert werden kann.

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Die Gerichte glaubten dieser Version, die allerdings bis heute von Dopingexperten mit Verweis auf umstrittene Methoden einstiger Barca-Teamärzte angezweifelt wird. Im Oktober 2007 wird Guardiola von den Vorwürfen freigesprochen - und zwei Jahre später von einem Berufungsgericht bestätigt. Guardiola ist nun frei für neue Aufgaben.

Rückkehr zu Barca 

Am 21. Juni, fast genau sechs Jahre nach seinem Abschied, kehrt Pep Guardiola zum FC Barcelona zurück. Als Trainer der gerade in die vierte Liga abgestiegenen B-Mannschaft.

Der damals 34-Jährige hatte genau diesen Job gewollt, obwohl ihm Barca-Sportdirektor Begiristain den wesentlich prestigeträchtigeren Posten als Leiter des Nachwuchsbereiches angeboten hatte.

"Ich arbeite auch auf einem Kartoffelacker mit Kleinkindern, aber ich will ein Trainer sein, der praktische Arbeit leistet", erwiderte Guardiola seinem einstigen Mitspieler.

Mit minutiöser Planung, großem Arbeitseifer und strenger Disziplin führt er den Nachwuchs zum Aufstieg. Und wird damit zum Kandidaten auf die Nachfolge von Frank Rijkaard, dem nach zwei Meisterschaften und dem Champions-League-Sieg 2006 die Zügel komplett entglitten sind. "Damals regierte in der Kabine das Chaos", erinnert sich Xavi.

Deshalb will die Klubführung unbedingt einen Mann holen, der wieder für Ordnung sorgt. Favorit ist Jose Mourinho, einst als Dolmetscher und Co-Trainer unter Robson und van Gaal bei Barca.

Und wieder ist es Cruyff, der den Befürwortern des Trainer-Nobodies Guardiola im Präsidium zur Mehrheit verhilft. "Pep ist so weit. Er sieht den Fußball mit absoluter Klarheit", sagt er dem wankelmütigen Vereinsboss Joan Laporta.

Und so wird der Ex-Kapitän im Juni 2008 einer skeptischen Schar von Journalisten und Fans als neuer Chefcoach vorgestellt. "Entspannen Sie sich, Sie haben das Richtige getan. Wir werden Meister", sagt Guardiola damals zu Laporta.

Die vielleicht beste Mannschaft aller Zeiten

Als Erstes schmeißt er die Stars Ronaldinho, Deco, Zambrotta und Thuram raus, verliert dann aber zum Auftakt in der Liga gegen Numancia und wird heftig kritisiert.

"Als ich meine Arbeit beim FC Barcelona aufnahm, mochten mich gut 80 Prozent der Leute dort nicht", erinnert sich Guardiola, der aber relativ schnell alle Weichen auf Erfolg stellt.

Der Perfektionist arbeitet wie ein Besessener und entwickelt die Spielphilosophie von Cruyff und van Gaal entscheidend weiter: Permanentes Pressing, Verschieben und Ballbesitz.

"Barcelonas Spielweise ist sehr einfach. Alles geschieht mit dem Ball", sagt Guardiola, der zudem als großer Motivator auftritt - und das Glück hat, einzigartige Fußballer in seinem Kader zu haben.

Wie er stammen auch Xavi, Messi, Iniesta oder Puyol aus La Masia, doch die Wertschätzung für die Eigengewächse ist eine ganz andere als zu Guardiolas aktiver Zeit. Zumal er aus der B-Mannschaft auch noch Busquets und Pedro zu Stammspielern macht, die knapp anderthalb Jahre später gemeinsam mit vier weiteren Teamkollegen in Südafrika mit Spanien Weltmeister werden.

Pep Guardiola
Nach dem Triumph von Rom 2009 lassen seine Spieler Pep Guardiola hochleben © Getty Images

Barca gewinnt souverän das Double und macht Ende Mai in Rom durch ein 2:0 gegen Manchester United zum insgesamt dritten Mal den Sieg in der Champions League perfekt, Guardiola ist mit 38 Jahren der jüngste Trainer, der die Königsklasse je gewonnen hat.

In der folgenden Saison muss der Erfolgscoach die ersten Rückschläge hinnehmen, obwohl das Jahr mit dem Gewinn von insgesamt sechs Titeln, inklusive des Weltpokals, ein traumhaftes Ende nimmt. Doch die öffentlichen Diskussionen um Neuzugang Zlatan Ibrahimovic ("Werft den Philosophen raus!") als auch das Aus im Champions-League-Halbfinale gegen den von Mourinho betreuten späteren Champions-League-Sieger Inter Mailand setzen Guardiola trotz des nationalen Doubles spürbar zu.

Und ab Sommer 2010 beginnt Mourinho als neuer Trainer von Real Madrid seine Psychotricks, die ihm zumindest den Pokalsieg 2011 und dann die Meisterschaft 2012 gegen die eigentlich stärkeren Rivalen aus Katalonien einbringt. Anfangs allerdings pariert Gentleman Guardiola gelassen den Lärm des Portugiesen, Barca wird erneut Meister und triumphiert erneut in Wembley mit einem diesmal wesentlich dominanteren 3:1 gegen ManUnited wieder in der Champions League.

Danach holt die vielleicht beste Fußballmannschaft aller Zeiten noch den nationalen und den europäischen Supercup und den Weltpokal und kommt somit nach dreieinhalb Jahren auf die kaum mehr zu toppende Bilanz von 13 von 16 möglichen Titeln in dreieinhalb Jahren.

Pep Guardiola mit der Trophäe für den Welttrainer 2011
Pep Guardiola mit der Trophäe für den Welttrainer des Jahres 2011 © Getty Images

Der 9. Januar in Zürich wird zur Krönungsmesse für den Barcelonismo. Bei der World Football Gala der FIFA in Zürich werden Messi als Weltfußballer und Guardiola als Welttrainer des Jahres ausgezeichnet, fünf Barca-Spieler stehen in der Weltelf. Die nächtliche Rückreise in einem Charterflieger nach Barcelona wird zur Fiesta.

Der zweite Abschied 

Doch in dieser Nacht hat das Projekt Guardiola seinen Zenit überschritten. Die Mannschaft ist immer noch die beste der Welt, aber der Siegeshunger ist nicht mehr groß genug.

Und so verspielt Barca binnen einer Woche im April mit den Halbfinals gegen Chelsea und dazwischen dem Clasico gegen Real alles. Nachdem das Hinspiel in London trotz drückender Überlegenheit 0:1 verloren wird, wird auch die Meisterschaft durch das 1:2 im Camp Nou an Erzrivale Real verloren.

Und im Rückspiel gegen die Blues, die im Finale auch den FC Bayern schlagen sollten, schafft es Guardiolas Elf nicht, ihre haushohe Dominanz mit bis zu 80 Prozent Ballbesitz in Zählbares umzusetzen. Das 2:2 bedeutet das Aus für Barca - und auch für den Trainer.

"Das war eine richtig harte Niederlage für mich. Ich hatte das Gefühl, dass ich meine Mannschaft nicht mehr länger erreiche. Wenn man seine Spieler nicht mehr erreicht, ist es Zeit, weiterzuziehen", sagt er.

Schon am Tag danach gibt Guardiola dem Präsidium seinen Abschied zum Saisonende bekannt. Der öffentliche Druck und Mourinhos permanente Attacken haben ihn zermürbt. Die Haare sind grau geworden oder ausgefallen, ein Bandscheibenvorfall setzt ihn ausgerechnet im Frühjahr außer Gefecht, und zum Einschlafen braucht Guardiola Tabletten.

Pep Guardiola mit seiner Familie
Pep Guardiola mit seiner Familie auf dem Rasen des Camp Nou nach dem letzten Spiel gegen Espanyol © Getty Images

"Vier Jahre Barca fühlen sich an wie eine Ewigkeit", sagt er bei der Verkündung seines zweiten Weggangs. "Es ist Zeit zu gehen. Ich bin erschöpft."

Nach dem abschließenden Heimspiel am 5. Mai, dem Derby gegen Espanyol Barcelona (4:0), hält Guardiola eine bewegende Rede ans Publikum ("Ich werde immer bei euch sein") und nimmt später wie schon 2001 nur mit seinen Liebsten, Cristina und den inzwischen drei Kindern, im leeren Camp Nou Abschied.

Im letzten Spiel gewinnt Barca in Madrid mit 3:0 über Bilbao den Pokal.

"Was Guardiola in seinen vier Trainerjahren geleistet hat, übertrifft alles, was frühere Trainer im Camp Nou geleistet haben", ruft ihm Alex Ferguson nach.

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Neuanfang beim FC Bayern 

Es folgen ein Sabbatical mit der Familie in New York und schließlich nach Absagen an Chelsea und den AC Mailand die Zusage für den FC Bayern, die am 16. Januar 2013 offiziell gemacht wird.

Der FC Bayern gibt die Verpflichtung von Pep Guardiola bekannt

Seitdem ergänzt Guardiola seine beeindruckende Titelsammlung mit dem Gewinn des Weltpokals, des DFB-Pokals und zweimal der Deutsche Meisterschaft.

Beim FC Bayern weiß man, was man an seinem Aushängeschild hat. "Pep Guardiola ist für das Image des FC Bayern ein Traum", sagt Vorstand Jörg Wacker zu SPORT1: "Sowohl national als auch international ist Pep ein Markenbotschafter der Extraklasse."

Doch das klare Halbfinal-Aus im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid im Vorjahr zehrt an Guardiolas Nimbus der Unbesiegbarkeit, ebenso wie das Elfmeter-K.o. gegen Borussia Dortmund im Pokal vor einer Woche.

Ausgerechnet jetzt kommt es zum Wiedersehen mit dem FC Barcelona, gegen den die ersatzgeschwächten Münchner nur Außenseiter sind.

"Natürlich ist es etwas Besonderes. Es ist Barcelona, es ist mein zu Hause", erklärte Guardiola, der bei seiner ersten Pressekonferenz als Gästecoach am Dienstagabend spürbar ergriffen war.

"Barca war alles für mich", sagte der Junge aus Santpedor im völlig überfüllten Presseraum im Keller des Camp Nou. "Aber ich will hier gewinnen."

Denn Guardiola weiß, dass sein Auftritt und vor allem der seiner Mannschaft bei der Rückkehr in die Heimat maßgeblich seine Zukunft beeinflussen dürfte.

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