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Mirko Slomka
Mirko Slomka ist seit Februar 2014 Trainer beim Hamburger SV. © Getty Images

Hamburg - Der HSV ist bereits nach zwei Spielen angeschlagen. Trainer Slomka ist angezählt. Zwei Neue sollen bei der Kehrtwende helfen.

Vom Hamburger SV berichtet Clemens Gerlach

Hamburg - Beim Hamburger SV ist derzeit ordentlich was los.

Es sind die Tage des Bosses. Es sind die Tage Dietmar Beiersdorfers.

Der neue Vorstandsvorsitzende ackert. Das soll jeder sehen. Derzeit wird vor allem der Kader aufgeräumt. In Milan Badelj, Jonathan Tah, Kerem Demirbay und Per Skjelbred wurden kurz vor Transferschluss weitere Spieler abgegeben.

Es kommen aber auch welche hinzu. Denn der HSV soll ja besser werden. Davon ist nach dem Beinahe-Abstieg aber auch in der noch jungen Saison nicht viel zu sehen. Erst am Samstag blamierte sich der HSV mit 0:3 gegen Aufsteiger Paderborn.

Julian Green (19) und Lewis Holtby (23) sind jetzt für ein Jahr jeweils auf Leihbasis mit an Bord. Der eine kommt von den Bayern, der andere aus Tottenham. Klingt nach großer Fußballwelt. Das freut die HSV-Fans. Und den Klub-Boss.

"Lewis ist ein passstarker Techniker, der unserem Spiel mit seiner Kreativität guttun wird", kommentierte Beiersdorfer.

Sorgen die beiden Offensivkräfte und die anderen Zugänge aber tatsächlich für eine Belebung des müden HSV-Spiels?

Für Trainer Mirko Slomka wäre das sehr von Vorteil. Der Mann steht extrem unter Druck, ihm helfen nur noch gute Resultate. Sonst muss er gehen. Dabei ist er erst seit Mitte Februar im Amt. Manchmal geht es nun mal sehr schnell im Fußball. Vom Hoffnungsträger zum Auslaufmodell.

Beiersdorfers jüngste Aussagen zu Slomka zeichnen sich vor allem durch eines aus: kühle Professionalität.

Manch einer möchte aus den Statements des seit Anfang Juli amtierenden Vereinschefs sogar Abgrenzung herauslesen. "Wir haben gesagt, dass wir mit Slomka zusammenarbeiten. Mehr möchte ich dazu nicht sagen." Oder: "Mirko ist nun gefordert. Er wird Reaktionen folgen lassen."

Muss Slomka auch. Denn die bisherige Bilanz des bald 47-Jährigen ist in jeder Beziehung schlecht.

Zweitschwächster Punkteschnitt (0,8) aller HSV-Trainer, kein erkennbares Spielsystem und die Unfähigkeit, die ihm anvertrauten Akteure besser zu machen.

Beiersdorfer formuliert seine Erwartungen so: "Die Konstellation der ersten Elf muss geändert werden." Klare Anweisung des Vorgesetzten: Herr Slomka, bitte übernehmen Sie endlich!

Es ist auch aberwitzig, dass ein hoch verschuldeter Klub, der nur wegen des Kredits eines Gönners überhaupt Spieler verpflichten kann, diese dann nicht einsetzt.

Seine Nibelungentreue zu indisponierten Altkräften muss sich Slomka in der Tat vorhalten lassen. Er selbst räumte nach dem Paderborn-Debakel ein: "Erfolg sieht anders aus." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ob sich allerdings alsbald Ergebnisfortschritte einstellen werden, ist sehr zweifelhaft. Gerade jetzt, wo Slomka keine Zeit mehr hat, weil sein Kredit bereits aufgebraucht ist und er sich neuen verschaffen muss, warten harte Gegner.

Nach der 14-tägigen Länderspielpause geht es zu seinem früheren Klub Hannover 96, der gut gestartet ist. Dann folgen die Bayern zu Hause und Mönchengladbach auswärts.

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Ein weiteres Dahinsiechen wäre im Übrigen auch für Beiersdorfer selbst problematisch. Der Rückkehrer hat ein sehr gutes Gespür für Stimmungen. Und Beiersdorfer merkt, dass sich derzeit in Hamburg etwas zusammenbraut.

Auch die Geduld der sehr leidensfähigen HSV-Fans ist endlich. Gegen Paderborn pfiffen sie wie lange nicht. Ob die Aufbruchstimmung schon wieder in der Tonne sei, wurde Beiersdorfer im Anschluss an das Paderborn-Spiel gefragt. Er musste nicht lange überlegen: "Das kann man so sagen."

Zudem möchte der Vorstandsvorsitzende auch nicht als zögerlich wahrgenommen werden. Dem 50-Jährigen wird nachgesagt, sich mit Entscheidungen schwer zu tun.

"Es ist hier viel degeneriert in letzter Zeit", sagt Beiersdorfer. "Und nun braucht es eben Zeit, dass sich einige Dinge regenerieren."

In puncto Trainer muss das sehr, sehr schnell geschehen.

Es bedarf fast einer Wunderheilung.

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