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Thiago Alcantara und Pep Guardiola
Thiago Alcantara (l., neben Pep Guardiola) wechselte 2013 vom FC Barcelona zum FC Bayern. © Getty Images

Die anhaltende Pause von Thiago sorgt offenbar für Verstimmung bei Bayern. Trotz Guardiolas Klagen stärkt der Klub den Teamarzt.

Von Holger Luhmann

Die Länderspielpause kommt vielen Klubs wie gerufen.

Denn in dieser Zeit können Rekonvaleszenten in Ruhe wieder ans Team herangeführt werden.

Das sollte war beim FC Bayern eigentlich auch mit dem Langzeit-Verletzten Thiago Alcantara geplant.

Doch größere Belastungen sind für den Spanier weiterhin tabu - von einem Comeback ist er offenbar nach wie vor weit entfernt.

Und so zieht sich die Leidenszeit des 23-Jährigen seit seinem ersten Innenbandriss im Knie im März weiter hin.

Keine Prognose zum Comeback möglich

Matthias Sammer machte aus seiner Sorge zuletzt keinen Hehl.

Eine genaue Prognose, wann Thiago wieder Fußball spielen werde, könne man nicht abgeben, sagte der Sportvorstand dem "kicker":

"Seriös können nicht wir nicht sagen, wie lange das noch dauert. Die Entwicklung ist sehr bedauerlich."

Thiagos in den sozialen Medien zur Schau gestellter Optimismus scheint also nicht mit der Realität zusammenzupassen.

Es ist nicht nur so, dass Thiago den Bayern als Schaltzentrale im Mittelfeld sportlich fehlt. 

Der Fall Thiago schwächt auch Pep Guardiola.

Erneuter Rückschlag nach Behandlung in Barcelona

Denn es war der Trainer, der im April entschieden hatte, seinen Landsmann zur Behandlung nach Barcelona zu seinem Vertrauensarzt Dr. Ramon Cugat zu schicken.

Kortisonspritzen sollten für eine schnelle Genesung sorgen. Die Rechnung schien auch zunächst aufzugehen.

Im Mai stand Thiago wieder im Kader für das Spiel gegen den VfB Stuttgart. Doch nur zwei Tage später riss das Innenband im geschädigten Knie nach einem Zweikampf mit Jerome Boateng im Training bei der Landung erneut.

In der Folge verpasste Thiago die WM in Brasilien und fehlt dem FC Bayern seitdem.

Müller-Wohlfahrt hatte gewarnt

Ob die Kortison-Behandlung für den erneuten Riss verantwortlich ist, kann nicht eindeutig beantwortet werden.

Die weitere Behandlung kann aber erst fortgeführt werden, wenn das Kortison aus dem Knie vollständig verschwunden ist.

Und Guardiola, der die Behandlung zu verantworten hat, steht nun nicht gerade in einem guten Licht da.

Zumal Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt offenbar eindringlich vor der Behandlung gewarnt hatte.

Verhältnis von Beginn an angespannt

Der Zwist oder Machtkampf - ganz wie man es bezeichnen will - zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt hat durch den Fall Thiago auf jeden Fall eine neue Dimension erreicht.

Schon seit seinem Amtsantritt im Vorjahr ist das Verhältnis zu Müller-Wohlfahrt angespannt.

"Guardiola wundert sich über die Strategie der medizinischen Abteilung", schreibt der Spanier Martí Perarnau in seinem jetzt erschienen Buch "Herr Guardiola" über das erste Jahr in München.

Der Coach ist es aus seiner Zeit beim FC Barcelona gewohnt, dass die medizinische Abteilung nach einer Verletzung während der Übungseinheiten sofort die Behandlung übernimmt.

Beim FC Bayern sind dagegen die Physiotherapeuten für die Erstversorgung zuständig, erst danach kümmert sich Müller-Wohlfahrt in seiner orthopädischen Praxis um die verletzten Spieler.

Rückendeckung für Institution Müller-Wohlfahrt

In der Dauerfehde darf sich Müller-Wohlfahrt nun als Punktsieger fühlen. Jedenfalls will der "kicker" wissen, dass ab sofort nur noch "Mull" in medizinischen Fragen das Sagen hat.

Bei den Bayern gilt der Doc, der seit 36 Jahren für den Verein arbeit und dessen "Wunderhänden" Spitzensportler und Promis aus der ganzen Welt vertrauen, ohnehin als Institution. Als Denkmal, an dem nicht gerüttelt wird.

Guardiola hat es versucht und sich wie schon Jürgen Klinsmann 2008 dabei selbst eine Schramme zugezogen.

Fragen zum Gesundheitszustand seiner Spieler beantwortet er daher seit Wochen nur noch mit den Worten: "Frag den Doktor."

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