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Peter Stöger wurde 2006 und 2013 Österreichischer Meister mit Austria Wien. © Imago

Köln - Vor dem Spiel seiner Kölner beim SC Paderborn spricht FC-Coach Peter Stöger bei SPORT1 über den gelungenen Saisonstart.

Von Markus Höhner, Jochen Stutzky und Thorsten Mesch

Der 1. FC Köln ist mit einem Remis und einem Sieg in die Saison gestartet.

In früheren Zeiten wäre im Fanlager oder im Umfeld des Vereins vielleicht schon wieder Euphorie ausgebrochen. Doch die Gefahr besteht dieses Mal nicht.

Die Vereinsführung, Sportdirektor Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger sorgen dafür, dass keine Träumereien aufkommen und dass sachlich weitergearbeitet wird.

Woche für Woche, Spieltag für Spieltag müssen sich die Kölner in der Bundesliga beweisen - so auch am Samstag beim SC Paderborn (ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm u. im TICKER).

Tabellarisch gesehen ist das Duell der Aufsteiger das Topspiel des Wochenendes. Stöger weiß, dass die Partie gegen den ebenfalls stark gestarteten Paderborner alles andere als ein Selbstläufer sein wird.

Und danach kommt es richtig dick für den FC: Angstgegner Mönchengladbach, der FC Bayern und Borussia Dortmund sind nacheinander in Köln zu Gast.

Im SPORT1-Interview spricht Stöger über den gelungenen Saisonstart, den Spielplan und den Unterschied zwischen Zweiter Liga und Bundesliga.

SPORT1: Herr Stöger, Ihre Mannschaft hat die ersten beiden Spiele mit einem Unentschieden und einem Sieg beendet. Wie bewerten Sie den erfolgreichen Saisonstart?

Peter Stöger: Es geht nicht nur um die Punkte, sondern auch um das Gefühl, das wir aus dem Bundesliga-Start mitnehmen. Wenn wir gute Spiele abliefern und uns an gewisse Vorhaben halten, die Schwächen des Gegners ausnutzen und ab und an ein Quäntchen Glück haben, sind wir konkurrenzfähig und können in der Bundesliga bestehen. Aber wir haben noch viel zu tun. Diese vier Punkte tun uns gut, aber es ist eine Momentaufnahme.

SPORT1: Kam Ihnen die Länderspielpause ungelegen?

Stöger: Das hat uns auch in der Zweiten Liga nie gestört. Ob das negativ ist, ist eine Frage dessen, wie man an die Sache herangeht. Bei uns erfolgt das immer nüchtern und mit einem klaren Blick auf das, was passiert ist. Für uns ist es vielleicht sogar gut, dass wir eine Pause hatten. Wir haben ein paar verletzte Spieler, vielleicht kommt der eine oder andere zurück. Von daher ist es eher positiv als negativ zu sehen.

SPORT1: Der nächste Gegner Paderborn ist zusammen mit Köln aufgestiegen und ebenfalls mit vier Punkten gestartet. Ist Paderborn ein besonders schweres Spiel, weil viele einen Kölner Sieg erwarten?

Stöger: Wer uns letztes Jahr verfolgt hat, wird gesehen haben, dass wir in Paderborn nicht gewonnen und auch zuhause gegen sie verloren haben. Insofern könnte ich auch sagen, sie wären ein Angstgegner (lacht). Ich glaube, dass viele Köln-Fans erwarten, dass wir in Paderborn den nächsten Dreier mitnehmen, weil wir zuvor in Stuttgart gewonnen haben. Aber es wird ganz, ganz schwer. Denn Paderborn träumt vom perfekten Start. Wer in Hamburg gewinnt und gegen Mainz fast gewinnt, kann auch einen Aufsteiger schlagen. Für mich das eine völlig ausgeglichene Konstellation. Ich sehe den FC nur aufgrund seines Namens noch nicht in der Favoritenrolle.

SPORT1: Der 1. FC Köln ist mit den wenigsten Gegentoren der Zweitligageschichte aufgestiegen. Jetzt haben Sie zweimal zu Null gespielt. Wie wichtig ist es für Sie zu sehen, dass auch in der Bundesliga die Defensive sicher steht?

Stöger: Es ist wichtig zu sehen, auch für die Spieler, dass Grundtugenden und Grundideen von einer gewissen Ordnung auch in der Bundesliga belohnt werden können. Trotzdem muss man vorsichtig sein, weil sich das in Bundesliga durch die Qualität der Mannschaften und der Spieler viel schneller ändern kann. Wir werden schon, bei aller Organisation und Hingabe, die wir auf den Platz bringen, hier und da größere Probleme bekommen.

SPORT1: Paderborn galt bei vielen als Exot sicherer Absteiger. Sie kennen den SC schon aus der Zweiten Liga. Wie ist Ihre Einschätzung?

Stöger: Ich glaube, dass Paderborn mehr als verdient aufgestiegen ist. Wir waren in der Zweiten Liga von der Spielanlage vielleicht etwas durchdachter und abgebrühter. Aber ich finde, dass die Paderborner nach vorne den attraktivsten Fußball gespielt haben. Das war beeindruckend und darum überrascht ihr guter Start nicht. Sie haben sich mit wenig Möglichkeiten gut verstärkt. Mit Moritz Stoppelkamp ist ein super Spieler für ihre Spielidee dazugekommen. Ich glaube, dass sie, was das technische Spiel, das Umschaltspiel betrifft, noch viele Möglichkeiten in der Bundesliga haben werden. Ich sehe sie bei weitem nicht so, wie sie sich gern selbst betiteln, als größter Außenseiter, den es jemals in der deutschen Fußballgeschichte gegeben hat.

SPORT1: Ein Punktepolster zu haben wäre sicher nicht von Nachteil. Nach dem Spiel in Paderborn geht es zu Hause gegen Mönchengladbach und die nächsten beiden Heimspiele hat der FC gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund. Wie glücklich sind Sie mit dem Spielplan?

Stöger: Wir müssen gegen jeden Gegner zweimal spielen. Ich glaube, dass wir überall in der Lage sind, zu punkten. Es ist für viele Mannschaften schwer, gegen Gladbach, Bayern und Dortmund zu punkten. Nicht nur für uns. Wir nehmen mit, was geht. Wir stellen uns jeder Aufgabe, und jede Woche ist eine Herausforderung für uns.

SPORT1: Simon Zoller kam in der Sommerpause aus Kaiserslautern nach Köln und hatte leichte Probleme. Nun hat er in einem Testspiel in Siegburg fünf Tore erzielt. Wie haben er und die anderen Zugänge sich eingewöhnt?

Stöger: Wir merken von Woche zu Woche, dass Kevin Vogt immer besser geworden ist. Das merken wir auch bei Simon Zoller. Man darf nicht vergessen, dass wir sechs oder sieben neue Spieler haben, die von unterschiedlichen Trainern mit verschiedenen Spielphilosophien kamen. Wir hatten vorher schon einen sehr gesunden Grundstock der Mannschaft. Die Jungs müssen sich da erst einfinden. Bei einem geht es schneller, beim anderen dauert es nun mal länger. Wir wissen, was Simon kann. Ich freue mich für ihn, dass er fünf Tore erzielt hat, auch wenn es gegen einen unterklassigen Gegner war.

SPORT1: Sie sind im zweiten Jahr Trainer in Köln. Wie unterscheidet sich aus Ihrer Sicht die Atmosphäre in der Bundesliga von der Zweiten Liga?

Stöger: Das erste Heimspiel war nicht groß anders als in der vergangenen Saison. Wir haben es auch deshalb in die Bundesliga geschafft, weil wir schon in der Zweiten Liga unglaubliche Unterstützung hatten. Noch mehr als unglaubliche Unterstützung ist schwer möglich. Die Leute freuen sich aber vielleicht mehr, wenn Mannschaften wie Hamburg, Stuttgart oder Gladbach kommen als noch in der Zweiten Liga. Für mich, der jetzt ein Jahr in Deutschland ist, war schon in der Vorsaison jedes Spiel ein Erlebnis. Deswegen war die Umstellung für mich nicht so groß.

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