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Karl Hopfner (M.) ist der neue Aufsichtsratsvorsitzende des FC Bayern © Getty Images

München - Der FC Bayern stellt sich neu auf: Matthias Sammer soll gehalten werden. Karl Hopfner nimmt sich zurück. Eine SPORT1-Analyse.

Von Mathias Frohnapfel und Christian Ortlepp

Matthias Sammer ist ein genauer Beobachter. Das gilt auch, wenn der Sportvorstand des FC Bayern wie am Donnerstag mit lässig übereinander geschlagenen Beinen das Geschehen an der Säbener Straße verfolgt.

Der Europameister von 1996 weiß, wen in der Mannschaft gerade was beschäftigt, hat ein extrem gutes Gespür für Stimmungen und drohende Gefahren. Deshalb haben die Bayern ihn 2012 geholt. Nach einer Seuchensaison und drei zweiten Plätzen. Unter Sammers Ägide folgte - voila - das Triple und in der vergangen Saison das Double.

"Ich kenne keinen, der in so kurzer Zeit so viele Titel geholt hat wie Matthias Sammer", sagt Bayern-Präsident Karl Hopfner im Interview mit SPORT1. "Er ist ein Teil des ganzen Erfolgs. Fakt ist, seit er da ist, hat der FC Bayern wieder Titel gewonnen."

Gespräche über Sammers Zukunft

Und er verrät, dass es "Gespräche geben" werde über dessen Vertrag. Der endet 2015.

"Ich bin ganz entspannt, was diese Thema anbetrifft und gebe dieses Jahr Vollgas", sagte Sammer kürzlich dazu: "Man wird sich irgendwann unterhalten und sehen, was dabei herauskommt."

Hopfner, seit Anfang dieser Woche auch Aufsichtsratsboss der Münchner, wird zusammen mit seinen Kollegen aus dem Gremium über eine Vertragsverlängerung mit Sammer sprechen.

Umbruch in mehreren Schritten

Die Bayern haben sich neu aufgestellt, seit Ex-Präsident Uli Hoeneß im Frühjahr wegen Steuerhinterziehung in Haft musste.

Seitdem arbeitet Sammer noch näher an der Seite von Trainer Pep Guardiola, unterstützte ihn bei den Transfers von Real-Star Xabi Alonso und Roma-Abwehrrecke Medhi Benatia.

Der Ex-Leverkusener Michael Reschke ist seit Juli Technischer Direktor und hat im Transfergeschäft jede Menge zusätzliche Expertise mit in den Klub gebracht.

Dreigestirn schließt Hoeneß-Lücke

Und wer grantelt und poltert nun in Hoeneß' Manier? Mal Matthias Sammer, aber auch oft Vorstandboss Rummenigge selbst.

Im Sommer sprach er derart offen über den Vertrag von Marco Reus, Star des Erzwidersachers Borussia Dortmund, dass BVB-Sportdirektor Michael Zorc ihm und den Bayern insgesamt den Mund verbieten wollte. Woraufhin wieder Sammer konterte.

Auch Hopfner hat bereits gegen den BVB gestichelt. Dortmunds Geschäftsführer wurde im Streit um die Zinsen für ein Darlehen der Münchner an den Westklub gar als "Lügenbaron" tituliert. Wohl eher eine Ausnahme für den mit einem ruhigeren Naturell versehenen Hopfner.

Hopfner will sich nicht mehr einmischen

Im SPORT1-Interview plädiert er nun auch dafür, "das Spielchen jetzt mal aufzuhören" und setzt sich für eine sachlicheren Umgang mit dem großen Rivalen ein. Konkurrenz ohne Tiefschläge also.

Hopfner will sich nach Möglichkeit nur in dringenden Fällen in das "daily business" einmischen, wie er es bezeichnet. "Ansonsten bin ich Aufsichtsrat, das bedeutet aufsehen und raten. Wenn der Rat gewünscht ist, gebe ich den gern."

Der 62-Jährige drängt sich nicht in den Vordergrund, die große Bühne überlässt er lieber anderen.

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