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Xabi Alonso wechselte erst im August von Real Madrid zum FC Bayern

München - Schon nach zwei Partien hat Xabi Alonso beim FC Bayern die Chefrolle inne. Dabei überzeugt er nicht nur durchs Passspiel.

Selbst im Moment unmittelbarer Freude war Xabi Alonso gedanklich mal wieder einen Schritt weiter als alle anderen.

Beim 2:0 (1:0) im Süd-Schlager gegen den VfB Stuttgart (Bericht) hatte Mario Götze soeben den Führungstreffer herausgeschossen.

Im Anschluss an einen Diagonal-Freistoß von Alonso (28.).

David Alaba jubelte gerade los, da rief ihn Xabi Alonso sofort wieder zu Räson.

"Ruhig bleiben, Kleiner!", schien aus der Mimik des Spaniers zu sprechen. "Schau mal lieber zu, dass Du weiterhin Deine Position hältst."

Alaba schaute kurz hoch zu dem 32-Jährigen - und tat, wie ihm geheißen. Nicht die einzige Szene, in der Alonsos Autorität bestach.

Ruckzuck zum Alleinherrscher

Es ist bemerkenswert, wie der Blitz-Transfer nach gerade mal zwei Pflichtspiel-Einsätzen das Kommando bei den Bayern übernommen hat.

Effenberg, van Bommel, Schweinsteiger?

Derart rasant wie der Ex-Weltmeister, zweimalige Europameister und aktuelle Champions-League-Sieger hat sich beim FCB in der jüngeren Vergangenheit niemand zum Chef aufgeschwungen.

Mit Blick auf den Champions-League-Auftakt gegen Manchester City (Mi., 20.15 Uhr im LIVE-TICKER u. auf SPORT1.fm) können das die von Verletzungen gebeutelten Bayern mehr denn je gebrauchen.

Durch die neuerliche Verletzung von Holger Badstuber (NEWS) gesellte sich am Sonntag ein weiterer Ausfall hinzu.

150 Ballkontakte: Alonso wie ein Magnet

Alonso, angesichts der personellen Misere eigentlich als eine Art Notnagel für 7,5 Millionen Euro im Sommerschlussverkauf von Real Madrid verpflichtet, betrieb den Spielaufbau vor der Abwehrkette quasi im Alleingang.

Immer wieder zog er die Bälle an wie ein Magnet, lenkte und dirigierte, schlug nahezu alle Freistöße, munterte die Teamkollegen nach misslungenen Aktionen mit Beifall auf.

Der Welt- und Europameister zeigte seinen Kollegen die Laufwege, war selbst ständig anspielbar - was sich auch in seinen persönlichen Statistiken imposant niederschlug.

Mit 150 Ballkontakten hatte Alonso 43 mehr als der zweitbeste Bayer Jerome Boateng - sogar 92 mehr als der beste Stuttgarter Florian Klein.

Mehr noch: Der Routinier, der 11,82 Kilometer abspulte, spielte 132 Pässe, von denen 118 den Mitspieler fanden.

Aura eines Feldmarschalls

Und doch ist Alonso nicht nur Hacke-Spitze-1-2-3, er steht für alles andere als Kurzpass-Spiel und Tiki-Taka.

Gegen Stuttgart war er sich auch nicht zu fein zum Grätschen, opferte sich dabei nach einem Schlamper-Pass von Bernat für ein taktisches Foul und kassierte die Gelbe Karte.

Fast unnötig zu erwähnen, dass Alonsos Körpersprache ihr Übriges tut - es umgibt ihn die Aura eines Feldmarschalls.

"Wie er auftritt, ist überragend", lobte Mannschaftsgefährte Thomas Müller den Strategen, der im Mittelfeld alle Löcher stopft, die sich durch die Ausfälle von Thiago Alcantara, Javi Martinez und Weltmeister Bastian Schweinsteiger auftun.

Guardiola: "Dann ist er in drei Monaten tot"

Das sieht Pep Guardiola genauso.

"Mit Xabi Alonso haben wir viel verbessert im Aufbauspiel. Er hat das Auge für den kurzen Pass, für den langen Pass", sagt der Bayern-Coach. "Er ist intelligent im Defensivverhalten, er versteht einfach seinen Job."

Wenngleich Guardiola auch mahnt hinsichtlich der gegenwärtigen Mammutprogramms mit sieben Spielen binnen 22 Tagen:

"Wir müssen Xabi helfen. Wenn er alles machen muss, immer vor-zurück, vor-zurück, dann ist er in drei Monaten tot", sagt er.

"Solche Spieler brauchen keine Eingewöhnung"

Fast hätte der von allen gesuchte Fixpunkt, der an jedem Angriff der Bayern beteiligt war und unter der Woche wegen Sprunggelenk-Problemen kaum trainieren konnte, sein Heimdebüt mit seinem ersten Bundesligator gekrönt.

Doch seinem abgefälschten Schuss in der 72. Minute stand die Latte im Weg.

"Ich habe nichts von den Problemen gesehen, die er angeblich unter der Woche hatte", lobte SPORT1-Experte Thomas Helmer im Volkswagen Doppelpass (Bericht).

Und ergänzte: "Solche Spieler brauchen eben keine Eingewöhnungszeit. Manche Menschen haben eine besondere Persönlichkeit. Das strahlt er aus, ohne laut zu werden."

"Ich habe es genossen, vor dem Münchner Publikum zu spielen", sagte Alonso hinterher. "Alles in allem war ich zufrieden" - wenngleich es gegen den VfB "mühsam" gewesen sei.

Gegen ManCity dürfte es für Bayerns neuen Herrscher kaum einfacher werden.

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