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Eine Entzündung der Patellasehne beschäftigt beim FC Bayern Franck Ribery (im Bild) und Bastian Schweinsteiger

München - Franck Ribery und Bastian Schweinsteiger leiden an einer entzündeten Patellasehne. SPORT1 erklärt, warum das so tückisch ist.

Franck Ribery kotzt es an.

Man darf das in diesem Fall einmal so unverblümt ausdrücken, da Franck Ribery selbst es so unverblümt ausgedrückt hat.

"Das kotzt mich einfach an", teilte er am Mittwoch dem "kicker" mit, als der ihn fragte, was seine aktuelle Lage für Gefühle bei ihm auslöse.

Er ist verletzt. Mal wieder. Er musste zusehen, wie der FC Bayern zum Auftakt der Champions League Manchester City besiegte. Mal wieder. 

Und was Franck Ribery vermutlich am meisten stört: Er weiß nicht, wie lange das noch so weiter geht.

Leidensgenosse Schweinsteiger

Eine Entzündung der Patellasehne plagt den Mittelfeldwirbler aus Frankreich - und verhindert auch seinen Einsatz beim Hamburger SV .

Es ist dieselbe Verletzung, an der auch Teamkollege Bastian Schweinsteiger seit Monaten leidet und die den deutschen Nationalmannschaftskapitän seit Wochen zum Pausieren zwingt.

Bei Ribery sah es schon besser aus. In der Bundesliga, beim 2:0-Sieg über den VfB Stuttgart, spielte er schon wieder 22 Minuten lang, und er spielte gut.

Schmerzen nach Comeback

Danach aber: Schmerzen. Und die nächste, von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt verordnete Auszeit.

Bei Patellasehnenproblemen gilt es auf den Bayern-Doc zu hören, nicht wenige glauben ja, dass Müller-Wohlfahrt derjenige ist, der die Patellasehne erfunden hat.

Was genau aber ist es, was Verletzungen dort so tückisch macht?

"Eins der schwachen Glieder"

"Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied", sagt Dr. Markus Klingenberg: "Und die Patellasehne ist eins der schwachen Glieder des Körpers."

Das Band zwischen dem vorderen Ober- und dem Unterschenkel sei ein Band, das mit großen Lasten fertig werden müsse, erklärt der Bonner Sportmediziner bei SPORT1: "Der große Muskel vorn am Oberschenkel, der 200, 300, bei Spitzensportlern 400 Kilo strecken kann, überträgt all die Kraft über eine kleine Sehne." Die sei entscheidend bei "jeder Streckung, jedem Sprung, jedem Hinsetzen".

Klingenberg: Schmerzen bei jeder Bewegung

Die Patellasehne ist also ein Körperteil, das stark beansprucht wird. Und bei Überbeanspruchung große Schwierigkeiten machen kann - gerade bei Ribery und Schweinsteiger, bei denen noch "erhebliche Vorverletzungen" hinzukommen.

"Sehnen sind von Haus aus nicht besonders durchblutet, daraus ergibt sich ein Stoffwechselproblem" sagt Klingenberg: "Wenn die Sehne überlastet wird, nicht mehr schnell genug regenerieren kann, kann sie reißen - aber auch wenn sie es nicht tut, kann sie Schmerzen bei jeder Bewegung verursachen."

Ausfallzeit ungewiss

Eine weitere Gemeinheit bei Patellasehnenverletzungen: ihre Unkalkulierbarkeit.

Über Riberys Ausfallzeit konnte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Mittwoch nur spekulieren. "Ihr müsst die Ärzte fragen, ich bin leider keiner", hielt er fest, auch Trainer Pep Guardiola und Ribery verwiesen an die Mediziner.

Chronisches Problem

Doch die tun sich mit der Berechnung ebenfalls schwer.

"Bei einem Knochenbruch oder einem Kreuzbandriss kann man sagen: Es dauert soundsoviele Wochen, bis er geheilt ist - weil das den Sportler stoppt", sagt Klingenberg. 

Eine Sehnenreizung - gleich welcher Art - sei dagegen oft ein chronisches Problem, das Sportler lange durchschleppen.

"Konsequent behandelt kann eine Patellasehnenentzündung in zwei bis sechs Wochen behoben sein", erklärt der Sportarzt.

Zu früh zurück auf dem Feld

Klingenberg weiß aber wie es ist bei Fußballern. Statt konsequent zu behandeln, beißen sie auf die Zähne, lassen Schmerzen mit Spritzen betäuben, gehen schneller zurück auf den Rasen, als es eigentlich ratsam wäre.

Andererseits: Schweinsteiger ist durch seine Inkonsequenz zum Weltmeister-Helden geworden. Es ist ein Dilemma.

Probleme für Guardiola

Guardiola muss mit den Folgen des Dilemmas leben.

Der Bayern-Coach reibt sich gerade sichtbar auf an der Aufgabe, seine Spielidee mit der derzeitigen Personallage zusammenzubringen.

Zahlreiche Positions- und Systemwechsel - zuletzt in der Abwehr von der Dreier- auf Viererkette im Spiel gegen ManCity - verdeutlichen, dass Guardiola im Moment etwas sucht und noch nicht gefunden hat.

Auch wenn es sich bei dieser Suche um eine Suche auf Luxusniveau handelt: Sie wird verkompliziert dadurch, dass gleich zwei Säulen des Teams von einem tückischen Band gequält werden.

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