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Maik Franz (r.) spielte für Wolfsburg, Karlsruhe, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC

München - Bei Hertha BSC ziehen graue Wolken auf. Der Saisonstart ist besorgniserregend. Bei SPORT1 spricht der Ex-Berliner Maik Franz.

Von Reinhard Franke und Philipp Rother

Die Zahlen sind beunruhigend. Platz 15 und nur ein mageres Pünktchen aus den ersten drei Spielen.

Hertha BSC hat aus der letzten Saison, wo man mit Platz elf souverän den Klassenerhalt schaffte, nichts Positives mit in die neue Spielzeit nehmen können. Im Gegenteil.

Die "Alte Dame" hat Angst.

Angst vor einer handfesten und länger andauernden Krise. Weder die Spieler, noch die Verantwortlichen finden gerade Lösungen für die Probleme.

Eins ist klar: Vor dem Spiel am Freitagabend beim SC Freiburg, dem Duell der sieglosen Kellerkinder, steht die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay unter Druck.

Franz macht Mut

Die Fans sind schon in Sorge um ihren Verein. Auch Maik Franz.

Der 33-Jährige stand bis zum Sommer bei den Berlinern unter Vertrag, doch im Mai wurde der Vertrag aufgelöst, nachdem Franz in der Saison 2013/2014 aufgrund eines Kreuzbandrisses kein einziges Mal eingesetzt worden war.

"Die Situation ist natürlich ärgerlich, weil sich Hertha mit dem Auftaktprogramm und den zwei Heimspielen gegen Bremen und Mainz wesentlich mehr ausgerechnet hat", sagt Franz im Gespräch mit SPORT1.

Der frühere Abwehrspieler macht den Ex-Kollegen aber Mut: "Die Saison hat gerade erst angefangen, es sind viele neue Spieler gekommen und das muss erstmal zusammenfinden."

Allerdings sei Berlin auch nicht Burghausen, so Franz, "das ist eine Medienstadt, wo du richtig Dampf unterm Kessel hast. Wenn es nicht so läuft wie erhofft, dann gibt es auch Gegenwind und der entwickelt sich langsam."

Großer Kader als Gefahr

Franz weiß aus eigener Erfahrung: "In so einer Situation zählen nur Ergebnisse. Wenn keine Siege eingefahren werden, wird das Rauschen im Blätterwald größer. Es wird spannend bleiben."

Der frühere Abwehrspieler sieht eine Gefahr im großen Kader der Hertha.

Für Luhukay, so Franz, würde sich "Teamgeist über die Erfolge entwickeln" und "wenn dann die Ergebnisse ausbleiben und du jedes Wochenende sechs, sieben Spielern schon vor dem Spieltag sagen musst, dass sie nicht im Kader sind, dann kann sich daraus eine gewisse Unzufriedenheit entwickeln."

Lob für Luhukay

Von Luhukay hat Franz derweil eine hohe Meinung: "Er ist menschlich. Bei ihm gibt es immer eine offene Tür für Spieler. Er ist sehr darauf bedacht, dass ein gutes Klima in der Mannschaft herrscht."

Indes würde Luhukay "rigoros" gegen Spieler vorgehen, "die quer schießen und schlechte Stimmung erzeugen."

Damit die Stimmung wieder besser wird, muss nun dringend ein Erfolgserlebnis her.

Der letzte Sieg liegt schon länger zurück. Am 26. April dieses Jahres gewann die Hertha zu Hause gegen den späteren Absteiger Eintracht Braunschweig.

Davor wurde der letzte Dreier am 22. Februar verzeichnet - beim VfB Stuttgart. Das Gefühl der Freude über einen Sieg ist den Berlinern also irgendwie abhandengekommen.

Durchhalteparolen von Luhukay

Viel sagen wollen die Verantwortlichen in diesen Tagen nicht. Auch auf den wöchentlichen Pressekonferenzen wird kein Klartext geredet.

Sätze wie "Wir möchten gerne unser Spiel gewinnen" und "Ein Erfolgserlebnis tut gut", wie sie Luhukay am Donnerstag formulierte, sind nicht mehr als Durchhalteparolen.

In der Hauptstadt wundern sich die Fans über das Gekicke der Mannschaft nur noch, obwohl sie so hochkarätig verstärkt wurde.

Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 24 Jahren macht im Umfeld des Vereins schon das Wort Abstiegskampf die Runde. Dabei sah der Plan ganz anders aus.

Noch keine Einheit

Die hohen Erlöse aus den Transfers von Adrian Ramos zu Borussia Dortmund (9,7 Millionen Euro) und Pierre-Michel Lasogga (Hamburger SV/8,5) sowie die Beteiligung des Finanzinvestors KKR sollten den Hauptstadt-Klub zu einer festen Größe in der Liga machen.

Doch vielleicht liegt darin genau das Problem, dass mit den hochkarätigen Neuverpflichtungen auch Stolpersteine aufgetaucht sind, mit denen Luhukay in seiner bisherigen Amtszeit nichts zu tun hatte.

Auffallend ist, dass es Luhukay in der Vorbereitung nicht geschafft hat, aus den Neuzugängen eine Einheit zu bilden.

Kein Gerüst erkennbar

Jede Woche wird aufs Neue munter rotiert, doch ein Gerüst ist nicht zu erkennen.

Selbst Torwart Thomas Kraft, in der vergangenen Saison die Zuverlässigkeit in Person, wirkt verunsichert. Die Neuzugänge Salomon Kalou, Roy Bereens und Valentin Stocker sind noch nicht in der Mannschaft integriert.

Dies gilt auch für John Heitinga. In dem Vize-Weltmeister von 2010 sahen die Bosse den neuen Leitwolf. Doch davon ist Heitinga weit entfernt. Nach nur zwei Spielen fand er sich sogar auf der Reservebank wieder.

Mitgefühl für Stocker

Noch gar nicht im Kader war der Schweizer Stocker, immerhin WM-Teilnehmer und mit 3,5 Millionen Euro der teuerste Neuzugang. Er spielt aktuell für Herthas zweite Mannschaft.

Franz fühlt mit dem Ex-Kollegen: "Das ist eine knifflige Situation. Der Valentin hat zuletzt noch eine WM gespielt, seine Ex-Kollegen spielen in Madrid und er muss bei den Amateuren auflaufen."

Und weiter: "Mit der Situation ist er nicht zufrieden, aber bei Luhukay kann es schnell gehen, dass du plötzlich wieder spielst. Ich hoffe für Valentin, dass er bald die Chance bekommt und sie dann nutzt."

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