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Vedad Ibisevic (l.) wechselte 2012 von 1899 Hoffenheim zum VfB Stuttgart.

Mit dem Rücken zur Wand: Beim angeschlagenen VfB Stuttgart werden Vedad Ibisevic und Fredi Bobic zu Sündenböcken. Die Stimmung kippt

Es sollte alles besser werden. Für den VfB Stuttgart. Für Sportvorstand Fredi Bobic. Und für Vedad Ibisevic.

Am 6. August verlängerte der Bosnier vorzeitig seinen bis 30. Juni 2016 datierenden Vertrag um ein weiteres Jahr - an seinem 30. Geburtstag.

"Er hat einen ausgeprägten Torinstinkt, macht immer seine Tore, und das wird er auch in Zukunft für uns tun", sagte Bobic damals.

Sechs Wochen später gestaltet sich alles ganz anders. Der VfB steht auf Platz 17 der Bundesliga.

Der Kern der Stuttgarter Ultras läuft in einem offenen Brief gegen Sportvorstand Bobic Sturm.

Und Ibisevic? Der Stürmer ist vor dem baden-württembergischen Derby gegen seinen früheren Klub 1899 Hoffenheim (Sa., ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) nach 900 torlosen Minuten das personifizierte Symbol der Krise.

Flaute bei Ibisevic

Ibisevic' Quote ist nicht die schlechteste. In 77 Bundesligaspielen für die Schwaben erzielte er 37 Tore.

Einzig, seit Januar steht er im persönlichen Clinch mit seinem Anforderungsprofil, dem Toreschießen. Ob per Kopf, von Links, von Rechts - es geht nicht mehr.

Ibisevic, der geborene Torjäger? Im Kraichgau war dieser Stern aufgegangen. Mit 18 Toren schoss er die TSG 2008/09 zur Herbstmeisterschaft und einen souveränen Start ins Langzeitprojekt Bundesliga.

Genau wegen dieses Qualitätssiegels hatte Bobic ihn in der Winterpause 2011/12 in die knapp 80 Kilometer südlich gelegene Landeshauptstadt transferiert.

Der Stürmer polarisiert

Es war der Beginn einer anfangs torreichen Liaison. Vor genau einem Jahr und etwas mehr als zwei Wochen erzielte er in einem Spiel drei Tore - gegen Hoffenheim. Ibisevic traf, wie er wollte. Ob per Kopf, mit Links oder Rechts.

Doch seit Beginn des Jahres verspielte er im Zeitraffer Sympathien, die er sich zuvor in zwei Jahren hart erarbeitet hatte. Der VfB trudelte wie ein angeschlagener Schwergewichtsboxer in den Abstiegsstrudel, schaffte den Klassenverbleib nur mit Mühe.

Ibisevic traf in dieser Gemengelage nicht nur nicht. Er polarisierte.

Anfang Februar sah er in der heißen Phase des Abstiegskampfes nach einem Ellenbogenschlag gegen den Augsburger Jan-Ingwer Callsen Bracker die Rote Karte - als Kapitän. Er wurde für fünf Spiele gesperrt.

Angebliche Aussagen sorgen für Unruhe

Torlos, außer Kontrolle, trotzig. Ibisevic durfte trotzdem verlängern. Die Vereinsführung schirmte ihn vor jeder Kritik ab. Er selbst mied die Medien. Der neue Coach, Armin Veh, soll große Stücke auf ihn halten, hieß es. Alles sollte wieder gut werden.

Doch dann das: Das italienische Transferportal "Tutto Mercato" zitierte den Bosnier Anfang September mit den Worten "ich habe höhere Ambitionen".

Und einem türkischen Nachrichtenportal soll er gesagt haben, dass West Ham aus der Premier League ihn wollte, der VfB ihn habe aber nicht ziehen lassen.

Die Seriosität der Quellen darf bezweifelt werden. Sicher. Und Ibisevic beschwichtigte auf seiner Facebook-Seite, dass seine angeblichen Zitate aus seinem angeblichen Interview mit "Tutto Mercato" frei erfunden seien.

Pfiffe gegen Ibisevic

Doch in Stuttgart entstand der Eindruck, dass die "Roten" Ibisevic nicht mehr gut genug seien. Dem Mann, der im Strafraum seinen Job nicht mehr verrichtet.

Ibisevic wurde vom eigenen Anhang zuletzt aufgepfiffen. Als er bei der 0:2-Niderlage in München ausgewechselt wurde, jubelte mancher unter ihnen.

Die VfB-Fans sind nach einer verkorksten Vorsaison ohnehin sensibilisiert. Ihr Frust entlädt sich neben Ibisevic nun an Bobic - mal wieder. Schon in der Hochphase der vorangegangenen Krise hatten sie die Ablösung ihres einstigen Stürmeridols gefordert.

Am Tag vor dem Derby gegen Hoffenheim veröffentlichte das "Commando Canstatt", der Kern der Stuttgarter Ultragruppierung, nun einen offenen Brief mit dem Titel "Wir haben die Schnauze voll".

Fans stellen Bobic "miserables Zeugnis" aus

Es sind die Fans, die in der Canstatter Kurve für Stimmung oder eben Schwankungen in der Mercedes-Benz-Arena sorgen.

Nur eine Fangruppe unter mehreren. Doch nach SPORT1-Informationen wächst der Unmut in der Stadt schon lange.

In dem auf der Homepage veröffentlichten Brief spricht "CC97" Bobic ein "miserables Arbeitszeugnis" aus und bemängelt das Fehlen eines Lautsprechers "mit Substanz, der das Gebilde Mannschaft in schwierigen Situationen zusammenhält".

Es ist eine Rolle, die Veh und Bobic eigentlich Ibisevic zugedachten, als sie Anfang August den Vertrag mit ihm verlängerten.

Stimmung beim VfB droht zu kippen

Der Spieler stünde zurzeit nicht für Interviews bereit, teilte der Verein auf SPORT1-Nachfrage mit.

Er will auf dem Platz Tore sprechen lassen. Nicht nur Bobic hofft darauf.

Denn die Stimmung im Stuttgarter Kessel ist nach dem Aus im DFB-Pokal und nur einem Punkt aus drei Spielen schon wieder am Kippen.

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