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Andre Breitenreiter (l.) ist seit Sommer 2013 Trainer des SC Paderborn. ZUM DURCHKLICKEN: Tops und Flops des 4. Spieltags

Der SC Paderborn mischt die Liga auf und wird mit einem Spitzenspiel belohnt. SPORT1 erklärt die Sensation aus Ostwestfalen.

Vom SC Paderborn berichtet Christian Geisler

Paderborn - Es war einmal ein kleiner Fußball-Verein aus Ostwestfalen. Vom Dorfklub ist die Rede, von Partyborn. Andere wiederum sprechen bei dem Verein von einem Märchen oder einem Wunder.

Doch im Gegensatz zu frei erfundenen Märchengeschichten sind die letzten Ergebnisse des SC Paderborn 07 in der Bundesliga ziemlich real.

Mit zwei Siegen und zwei Unentschieden ist der Aufsteiger in die noch junge Saison gestartet. Dazu kassierte der SCP in den vergangenen drei Spielen kein einziges Gegentor. Zuletzt besiegte man Hannover 96 mit 2:0. (SPIELBERICHT: Paderborn mit Rekordtor an die Spitze)

Sicherlich kann man eine solche Bilanz als märchenhaft bezeichnen - gerade aus Sicht eines Aufsteigers, der noch nie zuvor in der ersten Liga gespielt hat.

Auch ein Tor aus 82 Metern, wie von Kunstschütze Moritz Stoppelkamp gegen Hannover gezeigt, scheint auf den ersten Blick aus dem Reich der Fabeln zu entstammen (DATENCENTER: Bundesliga).

Dennoch haben die letzten Ergebnisse der Paderborner nichts mit Zauberei zu tun und sind nicht der Phantasie entsprungen. Ganz im Gegenteil: "Alles bei uns ist ein Produkt harter Arbeit und kein Zufall", wie Trainer Andre Breitenreiter mit stolz geschwellter Brust berichtet.

Spitzenspiel beim FC Bayern

Im Volksmund gelten Ostwestfalen als äußert bodenständig, sie führen nicht das große Wort, sondern geben sich lieber bescheiden.

(Mehr zum Thema SC Paderborn Mo., ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

Auch der SC Paderborn 07 erweist sich dieser Tage als geerdeter Verein, der heimlich still und leise einen Erfolg nach dem anderen in der Bundesliga einfährt.

Und nun geht es gar als Spitzenreiter zum Topspiel beim FC Bayern (Di., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) .

"Wir wollten unbedingt da einlaufen, wenn das Stadion rot leuchtet und es voll ist", sagt Breitenreiter.

"Deswegen wollen wir dieses Spiel einfach nur genießen und versuchen unser Bestes zu geben. Das Ergebnis ist erst mal nicht entscheidend."

Erfolg trotz Sparsamkeit

Breitenreiter steht für Paderborns Weg genauso wie Manager Michael Born.

Der dreht jeden Cent zwei Mal um. Man ist sparsam in Paderborn.

Spieler werden möglichst ablösefrei verpflichtet. Das zeugt von einer klaren Philosophie, ist aber eben typisch ostwestfälisch.

Außenseiter bekommen Chance

Ein potentieller SCP-Spieler muss dabei immer auch ins mannschaftliche Gefüge passen. Zusammenhalt, Teamgeist und Solidarität haben in Paderborn oberste Priorität. Es spielt keine Rolle, wo ein Akteur herkommt. Das Hier und Jetzt entscheidet.

So war Süleyman Koc im Gefängnis. Linksverteidiger Daniel Brückner hat einige Jahre auf den Straßen von Hamburg gelebt. Auch der in Hannover als "Stolperkamp" verschriene Moritz Stoppelkamp wurde bei den Ostwestfalen aufgenommen.

"Wir kämpfen füreinander"

Aber nicht nur schwierige Charaktere starten in Paderborn durch. Jeder Spieler darf sich als gleichwertiger Bestandteil der Mannschaft sehen.

Moritz Stoppelkamp fasst im SPORT1-Interview zusammen: "Jeder ist mit 100 Prozent bei der Sache, wir kämpfen füreinander, sind ständig unterwegs und geben in jedem Zweikampf alles."

Und er betont: "Das ist eine super Momentaufnahme. Wir wissen das aber alles richtig einzuordnen, weil das Punkte für unser großes Ziel sind. Wir wollen unbedingt die Klasse halten."

(EXKLUSIV: Moritz Stoppelkamp im Interview)

Gänsehautatmosphäre werden die Spieler des SC Paderborn 07 auch in der Partie beim FC Bayern empfinden. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte tritt man in der rot erleuchteten Münchner Arena zu einem Meisterschaftsspiel an.

Sicher wird Breitenseiter seiner Mannschaft erneut einen guten Plan mit auf den Weg nach München geben. Und wer weiß!? Vielleicht wird das Märchen vom SC Paderborn 07 noch fortgeführt. Denn wenn sie nicht gestorben sind...

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