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München - Bayerns zweite Reihe schwächelt im Moment. SPORT1 erklärt vor dem Spiel gegen Paderborn, woran es beim Titelverteidiger hakt.

Pep Guardiola verkniff kurz leidend die Miene.

So als ob er gerade die Feuerwehr bestellt hätte. Doch die kam zu spät und ließ den Brand munter weiterlodern.

Dabei wollte Guardiola im hektischen Dauerbetrieb von drei Bundesliga-Spielen in sieben Tagen einfach nur Ressourcen sparen. Beim Tabellenletzten Hamburger SV. Nach einem Gesetz, das er schon oft beim FC Barcelona angewandt habe. 

"Ich wollte Spieler mit guten Beinen. Es war sicher mein Fehler, weil wir nicht gewonnen haben", sagte der Bayern-Trainer am Montagnachmittag an der Säbener Straße. Das klang schuldbewusst. Dabei war das 0:0 inzwischen genauso verdaut wie Guardiolas gescheiterter Plan.

Götze und Lewandowski nur für 30 Minuten

Für die letzten 30 Minuten hatte der sich bewusst den Einsatz von Robert Lewandowski, Mario Götze und Xabi Alonso aufgehoben. Das reiche gemeinhin, um ein Spiel noch zu entscheiden, erklärte Guardiola.

Spätestens jetzt ist dem Coach vor dem Match gegen den SC Paderborn (Di., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) klar: Bayern ist nicht Barcelona.

Und noch entscheidender: Im Moment kann er seine Mannschaft nicht so wie in der Vorsaison durcheinander wirbeln, ohne irgendwo an der Statik Schaden anzurichten.

Xherdan Shaqiri, Claudio Pizarro und Pierre-Emile Höjbjerg schwächelten in Hamburg. Pizarro blieb ohne echte Torchance, Mittelfeld-Juwel Höjbjerg hatte enorme Probleme, mit der harten Hamburger Gangart zurecht zu kommen. Die Gastgeber foulten insgesamt 22-mal, ihr Saisonhöchstwert.

"Ich brauche Shaq, Claudio und Pierre"

Shaqiri litt gleichfalls darunter und fand nicht ins Spiel.

Besonders am Schweizer lässt sich sehen, dass auch Chefmotivator Guardiola an Grenzen stößt. Immer wieder verteilt er ja an einzelne Spieler Komplimente, nennt sie "top" oder gerne auch "top-top".

Und auch vor dem Kräftemessen mit Paderborn sagte der Trainer deutlich: "Wir können nicht 34 Spieltage mit elf Spielern spielen. Ich brauche Shaq, Claudio, Pierre, ich brauche sie!"

Doch wenn die Mannschaft wie im Moment nicht eingespielt ist, unter den WM-Nachwehen leidet, kann eben auch ein Shaqiri nicht über sich hinauswachsen.

Zumal der Schweizer gerne den Klub im Sommer verlassen hätte: "Ich wäre gerne gegangen, um Spielpraxis zu sammeln. Aber der Verein hat entschieden, dass ich bleibe", sagte Shaqiri nach dem Ende der Transferperiode.

Der FC Liverpool hatte sich zuvor um ihn bemüht. Der Flügelflitzer ist jedoch ein Münchner geblieben, in der Winterpause wollte er aber seine Situation noch einmal überdenken.

Chance ungenutzt

Zeit zum Nachdenken wird Shaqiri bis dahin genug haben.

Beim 1:0-Sieg über Manchester City durfte er fest mit einem Einsatz rechnen, schließlich waren die Flügeldribbler Arjen Robben und Franck Ribery angeschlagen. Der 22-Jährige wäre eigentlich erste Wahl gewesen, doch Guardiola entschied sich für Thomas Müller und Mario Götze.

Umgekehrt nutzte Shaqiri nun auch in Hamburg die Chance nicht, mit Tempodribblings und klugen Pässen Pluspunkte zu sammeln.

Bayerns Ersatzleute fahren derzeit bedingt durch die Personalprobleme Achterbahn. Beispiel: Höjbjerg. Im vergangenen Sommer schulte Guardiola bewusst den jungen Dänen immer wieder, hält seitdem große Stücke auf ihn. Beim Sieg im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund durfte Höjbjerg von Beginn an ran und machte eine starke Partie.

Tribüne, Ersatzbank, Startelf

In der Saisonvorbereitung fiel er wieder auf, schien dabei, einen Sprung zu machen. Die Bilanz aus der vergangenen Woche liest dagegen sich so: Gegen Stuttgart saß er auf der Tribüne, gegen ManCity auf der Bank, ehe er in Hamburg in die Startelf rückte.

Für Guardiola wird es in den kommenden Wochen darauf ankommen, mit noch mehr Geschick zu rotieren. Zugleich müssen die Joker zeigen, dass sie im rechten Moment zuschlagen können.

Bangen um Lewandowski

Denn auf Feuerwehrmänner wird der Coach bis zur Winterpause nicht verzichten können. Die Lage im Kader bleibt schließlich angespannt.

Vor dem Match gegen Paderborn ist die Rückkehr von Arjen Robben (Oberschenkelprobleme) ungewiss, Franck Ribery wird wegen seiner Patellasehnenreizung weiter fehlen.

Und dass nun Robert Lewandowski die Adduktoren zwicken, macht die Aufgabenstellung für die kommenden Wochen gewiss nicht leichter.

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