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Christian Streich ist seit 2011 Cheftrainer des SC Freiburg

Sinsheim - Freiburgs Trainer Streich geht mit den Schiedsrichtern erneut hart ins Gericht. 1899 Hoffenheim sieht positive Ansätze.

Aus Sinsheim berichtet Frank Hellmann

Betont gelassen rührte Fritz Keller in seinem Pappbecher Tee.

Der Präsident des SC Freiburg gilt als Winzer und Weinhändler, Hotelier und Gastronom als ein ausgesprochener Gourmet, doch an diesem Abend war tatsächlich aus Breisgauer Sicht mal wieder dringend Balsam für die aufgewühlte Seele gefragt.

Und offenbar half das Beruhigungsmittel, denn seinen Ärger über die kritisierte Gilde der deutschen Schiedsrichter schluckte Keller wenigstens halbwegs herunter.

Streich kritisiert den Schiedsrichter

Nur diese Feststellung wollte er nach dem 3:3 (1:2) gegen die TSG Hoffenheim treffen: "Wo Menschen sind, passieren Fehler. Wir haben nur das Pech, dass die Fehler immer bei uns passieren."

Christian Streich gab sich hinterher nicht so beherrscht. "Wir werden brutal bestraft - aber daran sind wir ja gewöhnt."

Zwei Nackenschläge in der Nachspielzeit haben Frust beim Freiburger Fußballlehrer ausgelöst: Am vergangenen Freitag im Heimspiel gegen Hertha führte ein umstrittener Freistoß zum Last-Minute-Gegentor von Ronny, diesmal leitete ein fragwürdiger Platzverweis gegen Vladimir Darida das letzte Aufbäumen eines Gegners ein, der schlussendlich durch einen Nachschuss von Jannik Vestergaard noch ausglich.

Extrem strittige Szene

"Dann kannst du darauf warten, dass noch ein Tor fällt", klagte Streich, der dem Referee Thorsten Kinhöfer einen schweren Fehler in der Zweikampfbeurteilung unterstellte. "Ich ärgere mich, weil die Aktion eigentlich klar zu sehen war."

Die besagte Szene Daridas, der zuvor einen Elfmeter sicher verwandelt hatte (75.), blieb selbst unter Experten strittig: Der Tscheche hatte seinen Gegenspieler Pirmin Schwegler bei einem Klärungsversuch ohne jede Absicht mit dem hohen Bein getroffen.

Darida konnte nämlich Schwegler nicht sehen. "Er ist vermutlich der fairste Spieler der Bundesliga", sagte Streich noch, der es schön fände, von solch spielentscheidenden Regelauslegungen verschont zu bleiben. Denn: "Wir müssen auch mal ein Spiel gewinnen."

Kapitän Schuster platzt der Kragen

Und auch Kapitän Julian Schuster wütete - wegen der langen Nachspielzeit - gegen Kinhöfer: "Es kann nicht sein, so einen Einfluss auf das Spiel zu nehmen! Warum vier Minuten? Für was denn? Wir haben immer die Klappe gehalten, aber irgendwann ist gut."

Die Ursache für die bissigen Kommentare: Bislang stehen Aufwand und Ertrag bei seiner Elf in keinem guten Verhältnis, "und das nächste Spiel ist am Samstag gegen den Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen, das wird nicht einfach", sagte Streich noch.

Grundsätzliche Zweifel an der Bundesligatauglichkeit seines Ensembles, das die Abgänge von Torwart Oliver Baumann und Weltmeister Matthias Ginter erstaunlich gut wegsteckt, verbieten sich nach Leistungen wie im turbulent-torreichen badischen Derby.

Gisdol gefällt das Spektakel nicht

Auch Freiburgs Doppeltorschütze Mike Frantz hatte eine Partie gesehen, "von der die Zuschauer träumen."

Hoher Unterhaltungswert war bei der TSG 1899 Hoffenheim in der vergangenen Saison ein Gradmesser; in dieser Spielzeit führten die Kraichgauer auch unspektakuläre Erfolge wie gegen Augsburg (2:0) oder jüngst in Stuttgart (2:0) im Programm.

Im Schwabenland sagte TSG-Trainer Markus Gisdol noch: "Es ist schöner, 2:0 zu gewinnen, als 3:3 zu spielen."

Nun also der Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten, der den Ex-Freiburger Baumann nur bedingt wurmte: "Wir geben dreimal selbst die Vorlage, trotzdem haben wir wahnsinnige Moral bewiesen."

Weg ist grundsätzlich positiv

Der 24-Jährige wollte ein "positives Gefühl" aus dem Kraftakt ableiten, weil der Weg grundsätzlich stimme, den das Team gehen werde.

Tatsächlich verfügen die Hoffenheimer vor allem in Mittelfeld und Angriff über so viele Alternativen, die einen Platz im oberen Drittel nicht unrealistisch erscheinen lassen. Der genesene Kevin Volland stand wieder in der Startelf und leistete sich zwar einen schlimmen Patzer vor dem 0:1, deutete aber seine Gefährlichkeit an.

Deshalb kam Torjäger Anthony Modeste diesmal nur von der Bank. Das könnte sich aber schon am Freitag ändern, wenn 1899 das Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 bestreitet.

Noch hat Gisdol nicht festgelegt, ob er wieder eine abwartende Taktik wie in Stuttgart oder einen draufgängerischen Stil wie gegen Freiburg verordnet. Fest steht für seinen Kollegen Streich nur: "Hoffenheim hat diese Saison eine enorme Qualität."

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