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München - Beim VfB Stuttgart kommt nach dem Rauswurf von Fredi Bobic nicht zu Ruhe. Die Bosse läuten den Neuanfang mit einem Fehlstart ein.

Die Abstimmung fehlte beim VfB Stuttgart in dieser Saison häufig.

Sei es in der Innenverteidigung, wo Daniel Schwaab und Antonio Rüdiger mit Tölpeleien Gegentore verschuldeten. Oder im Angriff, wo Torjäger Vedad Ibisevic oftmals die falschen Laufwege wählte.

Nun ließen auch die Bosse jegliche Abstimmung vermissen.

Am Donnerstag gaben Aufsichtsratschef Dr. Jochen Schmidt und Präsident Bernd Wahler eine merkwürdige Vorstellung ab.

In Widersprüchen verheddert

Sie wollten den Journalisten erklären, warum sie Sportvorstand Fredi Bobic kurz vor dem Spiel bei Borussia Dortmund entlassen haben. Dabei verhedderten sich die beiden in Widersprüche.

Erst stand laut ihren Aussagen eine Trennung bereits in der Sommerpause zur Debatte. "Das war im Sommer kein Thema", sagte Wahler wenige Minuten später.

Zudem erklärten die beiden, nicht nachtreten zu wollen. Nur um kurz darauf, über die Transferpolitik von Bobic herzuziehen.

Versteckte Kritik an Transfers

Schmidt sprach süffisant über den Herrn Filip Kostic. Den holte Bobic im Sommer für sechs Millionen Euro. Bislang erweist sich der Serbe als Flop.

In den kommenden Wochen und Monaten müssen Wahler und Schmidt aber nicht nur reden, sondern auch handeln. Nach dem Bobic-Knall sind Aufräumarbeiten angesagt.

Sie wollen keine weitere Saison im Abstiegskampf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) erleben und deshalb die Weichen für den Weg nach oben stellen.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Krise beim VfB Stuttgart.

• Wer wird Bobic' Nachfolger?

Zunächst setzen die Schwaben auf Arbeitsteilung. Der Direktor Sport Jochen Schneider - seit 15 Jahren im Verein - und Trainer Armin Veh arbeiten die Aufgaben ab, die bis Mittwoch noch auf Bobic' Schreibtisch lagen.

Allerdings ließen Wahler und Schmidt durchblicken, dass diese Doppellösung nur von kurzer Dauer sein wird.

Auch Veh schloss diese nach dem Dortmund-Spiel aus.

"Nein, beide Positionen zusammen geht nicht, da bleibt was auf der Strecke. Ich habe das in Wolfsburg gemacht und damals gesagt, im Sommer müssen wir das ändern" betonte der Trainer.

Wahler wollte sich auf keinen Zeitplan für die Nachbesetzung der offenen Stelle festlegen. "Wir werden uns bei der Nachfolgersuche nicht treiben lassen. Wir werden aber zeitnah Gespräche führen", sagte der Präsident.

Mit dem angeblichen Wunschkandidaten Ralf Rangnick gab es keinen Austausch, das erklärte der ehemalige VfB-Coach bei SPORT1.

"Es gibt keinen Kontakt zum VfB Stuttgart und es wäre auch nicht interessant für mich, denn ich habe nicht vor, demnächst irgendetwas anderes zu machen", sagte RB Leipzigs Sportdirektor.

Eine andere Option soll Jens Lehmann sein. Bislang hat der Ex-Torwart der Schwaben noch keine Erfahrung als Sportmanager gesammelt. Allerdings hat Lehmann vor kurzem ein Fernstudium in diesem Bereich abgeschlossen.

Zudem kursiert der Name Jens Todt in Stuttgart. Der 44-Jährige hat beim Karlsruher SC zuletzt ein glückliches Händchen bei Transfers bewiesen, das erhoffen sich auch die Stuttgart von ihrem neuen Sportchef.

Dass Todt einst für die Schwaben spielte, ist kein entscheidendes Kriterium. "Es muss keiner aus Bad Cannstadt sein. Wir müssen auch über den Tellerrand schauen", sagte Wahler.

• Welche Aufgaben hat der Neue?

Der Neue braucht in erster Linie Fußballkompetenz, sagte Wahler. Außerdem müsse er "Management- und Führungsaufgaben" wahrnehmen können.

Und natürlich soll die Transferbilanz besser sein als unter Bobic. Wahler betonte stets, dass der VfB mit 40 Millionen Euro Etat noch zu den Top acht der Bundesliga gehört.

Dieses sollte sich irgendwann auch im Tabellenstand widerspiegeln.

Für die nächste Transferperiode ist der neue Mann zunächst als Verkäufer gefragt. Ladenhüter wie Karim Haggui, Mo Abdellaoue oder Raphael Holzhauser sollen im Winter verkauft werden.

Dann wäre im Kader Platz für neue Spieler: Bei den Schwaben hakt es derzeit im Sturmzentrum und in der Innenverteidigung.

• Wie sicher ist Armin Vehs Job?

Als Stuttgart den Rückkehrer im Juni vorstellte, waren die Hoffnungen auf bessere Zeiten groß. "Ich bin kein Zauberer", sagte Veh zwar damals. Er war aber immerhin Meistertrainer. 2007 präsentierte er die Meisterschale in Stuttgart.

Doch die Bilder verbleichen langsam, wie seine Vorgänger Thomas Schneider und Huub Stevens muss sich auch Veh zunächst auf den Abstiegskampf einstellen.

Aus im DFB-Pokal, ein Punkt aus den ersten vier Bundesliga-Spielen ? der Start ging gehörig daneben.

Wozu die Stuttgarter fähig sind, zeigten sie zuletzt bei Borussia Dortmund. Beim 2:2 sprühten die Schwaben vor Spielfreude. Für die Verantwortlichen war die Partie ein Beweis dafür, dass die Profis Vehs Vorgaben verinnerlicht haben.

"Das war kein Zufall, da steckt systematische Arbeit dahinter. Ich bin überzeugt, dass das so weitergeht", erklärte Wahler.

Sollten die Stuttgarter aber an die desaströsen Heimauftritte gegen Köln und Hoffenheim anknüpfen, könnte es für Veh auch bald ungemütlich werden. Am Samstag geht es erstmal gegen Hannover 96. Dann erwarten die Fans den ersten Heimsieg der Saison.

• Wer hat die Macht beim VfB?

Bernd Wahler ist vor einem Jahr als großer Reformer angetreten. Der neue VfB-Präsident will den Klub wieder in der Spitzengruppe etablieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, hält er eine Ausgliederung für erforderlich.

Die Daimler AG hat laut Wahler bereits "Interesse und Bereitschaft" gezeigt, als Investor beim VfB einzusteigen. Der Einstieg soll dem Vernehmen nach rund 20 Millionen Euro in die derzeit leere Vereinskasse spülen. Über die Ausgliederung soll im Frühjahr 2015 entschieden werden.

Ob Wahler dann noch das Sagen hat, hängt auch von der Besetzung des Sportdirektor-Postens ab. Dessen ist sich der 56-Jährige bewusst.

Der Neue "muss dazu beitragen, Vertrauen in meine Person zurückzugewinnen." Denn auch Wahler war zuletzt in die Kritik geraten. Viele Anhänger hätten den "Schönwetter-Präsidenten" am liebsten mit in die Wüste geschickt.

Überhaupt sei die Stimmung bei "Sponsoren, möglichen Investoren, Dauerkarten-Besitzern und Mitgliedern" zuletzt nicht gut gewesen, fügte Chef-Aufseher Schmidt an. Mit der Demission von Bobic solle sich das ändern.

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