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Jens Keller (l.) ist seit Dezember 2012 Cheftrainer des FC Schalke. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des 6. Spieltags

Gelsenkirchen und München - Jürgen Klopp ist beim BVB unangefochten, Jens Keller steht bei Schalke 04 ständig auf der Kippe - trotz ähnlicher Probleme.

Jürgen Klopp hatte genug.

Der Coach von Borussia Dortmund appellierte nach dem 2:1-Derbyerfolg des FC Schalke 04 an die versammelten Journalisten, ermahnte sie in der Pressekonferenz förmlich.

"Ich gratuliere Jens zum Sieg und wünsche ihm, dass zumindest dieses Ergebnis Wirkung erzielt bei euch."

Als Klopp diesen Satz sprach, schaute er mit ernstem Blick in die Runde.

Ausgerechnet der Coach des Erzfeindes sprang Jens Keller zur Seite. Dem Trainer der Königsblauen, der seit seinem Amtsantritt in Dezember 2012 in der Kritik steht. Obwohl er S04 zweimal in Folge in die Champions League führte. Obwohl er mit den Königsblauen in der vergangenen Saison die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte spielte.

Für alles verantwortlich - nur nicht für Erfolg

So ähnlich die Lage der Revierklubs derzeit ist, so unterschiedlich fallen die Reaktionen der Medien aus.

Schalke wie Dortmund haben derzeit mit großem Verletzungspech zu kämpfen. Schalke wie auch Dortmund sind mäßig sowie unter ihren Ansprüchen und Möglichkeiten in die Saison gestartet.

Doch während beim BVB viele Beobachter mit dem Fehlen wichtiger Stützen wie Marco Reus argumentieren, ist es beim Nachbarn in Gelsenkirchen anders. Dort wird Jens Keller für alles verantwortlich gemacht. Alles - bloß nicht für den Erfolg.

Vom Krisen-Gesicht zum Derby-King

Läuft es nicht, steht Keller in der Presse vor dem Aus. Läuft es dann mal wieder, wird der 43-Jährige als Stehaufmännchen deklariert.

Ähnlich war es auch nach dem Erfolg im Ruhrpott-Klassiker. "Die Ausschläge sind mir zu extrem", sagte Keller im "ZDF" und wunderte sich: "Vor zwei Wochen war ich noch entlassen. Jetzt soll ich unkündbar sein?"

Am Tag nach dem Befreiungsschlag war das einstige "Gesicht der Krise" auf dem Boulevard urplötzlich der "Derby-King".

Keller heizt Fans ein

Bezeichnend war es, als er sich in der zweiten Halbzeit umdrehte und die Anhänger in der Schalker Arena anstachelte. Die Szene gefiel den Fans: Die erhöhten den Lärmpegel noch einmal um weitere Dezibel.

Nach dem zweiten Sieg binnen fünf Tagen schrie sich Keller jubelnd und springend den Frust von der Seele. Die Mini-Serie verschafft ihm eine Atempause. Aber wahrscheinlich wieder nur eine vorübergehende.

Denn sollte Schalke am Dienstag in der Champions League über Außenseiter NK Maribor (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) stolpern, dürften die Diskussionen von vorne beginnen. Mal wieder.

Klopp unanstastbar

Bei Klopp ist das völlig anders. Gewinnt Dortmund, wird der Coach gefeiert. Wie bei den Meisterschaften 2011 und 2012. Wie bei dem grandiosen Einzug ins Champions-League-Finale 2013.

Und jetzt? Die Schwarz-Gelben sind mit sieben Zählern Zwölfter - und damit zwei Ränge hinter dem Erzrivalen. Auf Spitzenreiter Bayern sind es sogar schon sieben Punkte Rückstand. 

Klopp gestand eine Ergebnis-Krise ein - nicht mehr, nicht weniger. Spielerisch habe er abgesehen von dem teils dilettantischen Abwehrverhalten gar nicht allzu viel auszusetzen. Gegenwind für ihn? Fehlanzeige.

BVB-Coach gesteht Mängel ein

"Es ist natürlich alles andere als ein guter Start von uns, das ist doch klar", meinte der 47-Jährige. "Es ist aber auch nicht so, dass wir sagen müssen: Wir bleiben ständig unter unseren Möglichkeiten."

Auch wenn derzeit sogar Klopp an seine Grenzen zu stoßen scheint. "Ihr könnt jetzt schreiben, was ihr wollt - unter Umständen ein bisschen was über mich, das ist auch in Ordnung", sagte er zu den Journalisten - wohlwissend, dass es andere Faktoren sind, die für den fehlenden Erfolg verantwortlich sind.

"Dass wir nicht on top sind, was Eingespieltheit angeht, stimmt", führte er aus. "Dass wir nicht on top sind, was die Form einiger Spieler angeht, stimmt auch."

Daher lautet die Devise jetzt: "Die richtigen Schlüsse ziehen, zusammenrücken und dann im sportlichen Sinne zurückschlagen", sagte Klopp. Daran glaubt er. Daran glauben auch viele andere. Dass der BVB in Kürze wieder auf Bayern-Jagd geht.

Versprechen von Klopp

Der Coach schob direkt eine Kampfansage hinterher: "Glaubt mir eins: Wir kommen. Das kann noch einen Moment dauern, aber wir kommen - ganz bestimmt."

Es sind Worte, an denen im Dortmunder Umkreis niemand zweifelt.

Auch das ist der Unterschied zu Schalke und Jens Keller. Ihm wird diese Zeit nicht eingeräumt.

Für ihn bleibt daher zu hoffen, dass Klopps Appell Wirkung zeigt.

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