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Werder Bremen hat nach sechs Spieltagen immer noch keinen Sieg auf dem Konto

Bremen und Hamburg stehen am Tabellenende. SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold sorgt sich um Werder und ist über den HSV erstaunt.

Hallo Fußball-Freunde,

Werder Bremen und der Hamburger SV zieren einträchtig das Ende der Tabelle. Ein bemerkenswerter Absturz der beiden Nord-Klubs.

Bremens Probleme sind vielschichtig. Sie haben mit Aaron Hunt eine Persönlichkeit verloren, die vergangene Saison in schwierigen Zeiten als Leader vorweggegangen ist. Zudem bekommen sie die Probleme in der Defensive nicht in den Griff, kassieren weiter sehr viele einfache Gegentore.

So viele Tore kann Werder vorne ja gar nicht schießen. Wenn die Mannschaft hinten nicht stabil wird, dann wird es ganz schwer.

Diese Probleme gibt es aber schon seit Jahren, das war zu Zeiten von Thomas Schaaf nicht anders. Es liegt nicht nur an der Defensive, sondern geht schon da los, wo der Ball verloren wird. Wenn die Rückwärtsbewegung als Mannschaft nicht funktioniert, geht es nicht. Da muss die Fitness da sein, über 90 Minuten zu marschieren. Denn das Werder Bremen es über die individuelle Klasse nicht regeln kann, ist ja auch klar. Dann wird es schwer, in der Bundesliga zu überleben.

Robin Dutt hat sich das Defensivthema schon zu Beginn seiner Amtszeit auf die Agenda geschrieben. Da muss sich ein Trainer auch daran messen lassen. Es wird nicht besser, da muss man sich auch selbst hinterfragen. Aber letztlich sind die Trainer auch keine Zauberer, wenn die Qualität nicht stimmt.

Die Bremer halten sich derzeit noch daran fest, dass sie meistens noch ganz gut mitspielen, obwohl sie unten drin stehen. Umgekehrt stellt sich aber die Frage: Was passiert denn, wenn sie auch noch schlecht spielen? Da steigt man ab!

Und dann stellt sich die Frage, wohin der Weg führt. Ist man in der Lage, den Kader noch für ein Jahr zu finanzieren? Ich glaube nicht, dass es da rosig wird. Es gibt genug Beispiele von Klubs wie Duisburg, Bielefeld, auch Kaiserslautern, die jahrelang Bundesliga gespielt haben und dann in der Zweiten Liga verschwinden oder sogar noch weiter runtergehen.

Vom Abstieg ist Werder Bremen genauso wie der Hamburger SV natürlich noch ein gutes Stück entfernt. Das späte 1:2 gegen Eintracht Frankfurt war für den HSV aber wieder ein Tiefschlag.

Ich bin sehr erstaunt über Dietmar Beiersdorfer. Die Entlassung von Mirko Slomka hat mich nicht gewundert, allerdings bin ich erstaunt, dass er keinen richtigen Plan für die vakante Trainerposition in der Tasche hatte. Stattdessen wird aus dem Blauen heraus der Trainer der 2. Mannschaft befördert.

Nichts gegen Joe Zinnbauer. Ich kenne ihn persönlich und das ist wirklich ein angenehmer Zeitgenosse. Aber dieser Klub braucht einen ganz anderen Trainertyp. Einen mit einer gewissen internationalen Erfahrung, mit Rückgrat und einem Plan.

Sonst ist das doch auch wieder ein Tod auf Raten. Wenn die Mannschaft die nächsten Spiele auch verliert ? und jetzt geht es nach Dortmund ? dann wird wieder ganz schön was los sein in der Medienstadt Hamburg. Da wächst der Druck von Woche zu Woche.

Ich verstehe einen jungen Trainer wie Zinnbauer, er hat nichts zu verlieren. Wenn es schiefgeht kann er immer noch zurück zur 2. Mannschaft. Aber der HSV merkt vielleicht nach fünf, sechs Spielen, dass er doch nicht die beste Lösung war ? und schon ist das Trainerthema wieder da.

Und es wird von Mal zu Mal ja nicht einfacher, auch wenn der HSV weiter ein sehr attraktiver Klub ist. Aber die guten Trainer auf dem Markt werden sich auch ihre Gedanken machen, ob der Verein etwas für sie ist. Die wissen auch, was bei dem Verein in den letzten Jahren los war.

Mirko Slomka ist weg, Oliver Kreuzer ist weg - irgendwann werden sich die Blicke auch auf Dietmar Beiersdorfer richten. Denn er ist letztlich für das Personalkarussell verantwortlich.

Bis zum nächsten Mal, Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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