vergrößernverkleinern

München und Hamburg - Joe Zinnbauer spricht bei SPORT1 über seine Vertragssituation, Parallelen zu Jürgen Klopp und den drohenden Abstiegskampf.

Vor einem Monat stand bei Joe Zinnbauer noch die Regionalliga Nord im Fokus. Damals coachte er die zweite Mannschaft des Hamburger SV und stellte sie auf Spiele gegen Eintracht Norderstedt, den Goslarer SC oder den ETSV Weiche Flensburg ein.

300 bis 400 Zuschauer sahen die Erfolge von Zinnbauers Schützlingen.

Mittlerweile steht der 44-Jährige im Rampenlicht. Nach Mirko Slomkas Entlassung wurde Zinnbauer zum Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft befördert.

Er hat es bereits geschafft, die beiden besten Mannschaften des Landes zu ärgern. Bei seinem Debüt gab es ein 0:0 gegen den FC Bayern, zuletzt gewann der HSV mit 1:0 bei Borussia Dortmund. Zinnbauer hat sich als Dauerlösung empfohlen.

Sollte er auch gegen den TSG Hoffenheim Erfolg haben, dürfte es aus der Chefetage ein Treuebekenntnis geben.

Vor der Partie gegen den Tabellenzweiten spricht Zinnbauer im SPORT1-Interview über seine Vertragssituation, Parallelen zu Jürgen Klopp und dem drohenden Abstiegskampf.

SPORT1: "Herr Zinnbauer, Sie sind jetzt seit etwas mehr als vier Wochen Trainer des Hamburger SV. Ist die Länderspielpause eine gute Gelegenheit, um mit etwas mehr Ruhe die Mannschaft kennenzulernen?"

Josef Zinnbauer: "Am besten lernt man sich doch in extremen Situationen kennen. Wir haben jetzt drei Wochen sehr intensiv zusammen gearbeitet und mussten sozusagen in Rekordzeit zusammenfinden. Für die Mannschaft wäre es auch kein Problem gewesen, gleich am Wochenende weiterzuspielen. Nun nutzen wir die Trainingstage, um unsere Abläufe auf dem Platz zu verbessern. Ob uns die Pause dann gut getan hat und wir sie sinnvoll gestalten konnten, werden wir am Sonntag in einer Woche sehen."

SPORT1: "Haben Sie sich schon gut in Ihrem neuen Job eingefunden und was bedeutet es Ihnen, jetzt Bundesliga-Trainer zu sein?"

Zinnbauer: "Es bedeutet mir viel mehr, dass man mir zutraut, hier Teil eines tollen, kompetenten Teams zu sein. Ich spüre die Unterstützung von allen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn du die Mitarbeiter hinter dir weißt. Wenn du dich mit so erfahrenen Leuten wie Dietmar Beiersdorfer, Peter Knäbel oder Bernhard Peters austauschen kannst."

SPORT1: "Sie sind mit einem 0:0 gegen den FC Bayern gestartet, dann gab es knapp Niederlagen gegen Gladbach und Frankfurt und schließlich ließ die Mannschaft mit einem Sieg in Dortmund aufhorchen. Wie beurteilen Sie das Leistungsvermögen der Mannschaft?

Zinnbauer: "Das möchte ich nach vier Wochen noch nicht grundsätzlich beurteilen. Peter Knäbel hat es gut gesagt: wir müssen den sportlichen Alltag hier auf höchstmöglichem Niveau stabilisieren, weg kommen von den up and downs. Ein Sieg in Dortmund ist kein Indiz für den Aufbruch in neue Zeiten. Ich möchte auch nicht dauerhaft den Kampfgeist oder die Laufbereitschaft der Mannschaft hervorheben - das sollte die Grundvoraussetzung sein, wenn man erfolgreich sein will. Wir befinden uns in einem Prozess, gehen Schritt für Schritt, wissen aber auch, dass wir uns ergebnistechnisch verbessern müssen."

SPORT1: "Trotz des jüngsten Erfolges gegen den BVB steht die Mannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz. Stellen Sie sich auf Abstiegskampf bis zum Schluss ein?"

Zinnbauer: "Das will ich nicht hoffen. Es bringt allerdings herzlich wenig, da jetzt irgendwelche Prognosen abzugeben. Wir wollen uns stetig von da unten wegentwickeln. Gegen Hoffenheim haben wir die nächste Chance - aber auch da gehen wir sicher nicht als Favorit ins Spiel."

SPORT1: "Sportdirektor Peter Knäbel hat angekündigt, mit Ihnen in der Länderspielpause über einen neuen Vertrag zu sprechen. Wie ist der Stand?

Zinnbauer: "Darauf wurde ich jetzt mehrfach angesprochen. Für mich steht das Thema nicht im Vordergrund. Wenn der Verein wirklich etwas machen will, wird er auf mich zukommen. Da gibt es keinen Druck und keine Pokerei."

SPORT1: "Der HSV hat in den letzten Jahren die Trainer häufig gewechselt. Ist die Neustrukturierung beim HSV eine Chance für Sie, langfristiger in Hamburg zu arbeiten?"

Zinnbauer: "Wenn du mit einer Mannschaft arbeitest, musst du so schnell wie möglich etwas erkennen lassen. Verlierst du als Trainer sechs, sieben Spiele in Folge, wirst du deinen Job wieder los sein. Da ist es unerheblich, ob im Verein gerade etwas neu strukturiert wurde oder nicht. Das sind aber auch noch nie meine Gedanken gewesen. Wenn du etwas anfängst, beschäftigst du dich doch nicht im selben Moment damit, dass es bald schon wieder vorbei sein könnte. Wir haben hier alle richtig Bock gerade. Und nach hinten hin ist alles offen - das sind doch gute Voraussetzungen."

SPORT1: "Der HSV ist Ihre erste Station als Trainer im Profi-Bereich. Was sind die größten Unterschiede bei der Arbeit mit einer Profi-Mannschaft im Vergleich zu Ihren vorherigen Stationen?"

Zinnbauer: "Eigentlich ist es nur das Drumherum. Du hast viele Kompetenzen rund um die Mannschaft, derer du dich als Trainer bedienen kannst. Dazu die Stadien, die Fans, das Medienaufkommen. Die Arbeit auf dem Platz, die Gespräche mit den Spielern - da sehe ich keine großen Unterschiede. Wir müssen Verbindungen schaffen, Angebote machen, Spieler führen und fordern, sie so gut es geht einstellen. Genau wie in der U23."

SPORT1: "Als Inhaber einer Unternehmensgruppe für Finanzdienstleistungen haben Sie ein zweites Standbein. Hilft Ihnen das, das Geschehen im Profi-Fußball entspannter zu sehen?"

(SHOP: Jetzt Fanartikel des Hamburger SV kaufen)

Zinnbauer: "Ich bin seit fast einem Jahrzehnt mit Haut und Haaren Fußball-Trainer. Da bist du mal mehr und mal weniger entspannt... Das hat für mich nichts mit einem zweiten Standbein zu tun. Ich habe früher einfach viele Dinge ausprobiert."

SPORT1: "Wie Jürgen Klopp oder Torsten Lieberknecht haben Sie in Mainz unter Wolfgang Frank gespielt. Warum konnte er so viele Trainer in seiner Arbeit beeinflussen?"

Zinnbauer: "Ich habe ja leider nicht so viel gespielt wie Jürgen oder Torsten. So konnte ich von Wolfgang zumindest mitnehmen, wie man Spielern am besten erklärt, dass sie nicht zum Einsatz kommen."

SPORT1: "In der nächsten Partie empfängt der HSV Hoffenheim. Kann die Mannschaft den Aufwärtstrend bestätigen?"

Zinnbauer: "Dazu mag ich im Vorfeld keine Einschätzung abgeben. Die TSG hat einen Bombenmannschaft, die stehen nicht umsonst so weit da oben."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel