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Joe Zinnbauer ist vom U-23-Trainer zum Chefcoach des HSV aufgestiegen

Joe Zinnbauer wurde als Finanzberater Millionär und beeindruckte Klopp mit seinen Handys. Nun will er den HSV auf Kurs bringen.

Vom Hamburger SV berichtet Clemens Gerlach

Hamburg - An seiner Bekanntheit muss Joe Zinnbauer noch arbeiten.

Rund 250 Zuschauer waren am Mittwoch beim Training des Hamburger SV. Kein einziger wollter nach Beendigung der ersten Einheit des neuen Coachs ein Autogramm von ihm haben.

Vielleicht war es aber auch einfach nur Schüchternheit des Rothosen-Anhangs.

Wie dem auch sei: Der 44-Jährige ist ein Trainertyp, der das Zeug dazu hat, bald ein weitaus begeherteres Ziel für Autogrammjäger zu sein.

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Selbstbewusster Auftritt

"Ich habe Bock auf die Bundesliga", sagte Zinnbauer in seiner Pressekonferenz. Es war ein selbstbewusster Auftritt eines Mannes, der gute Gründe für sein Selbstbewusstsein hat (ZUM NACHLESEN: Die PK im Liveblog).

Seit Saisonbeginn trainierte er die zweite Mannschaft des kriselnden HSV sehr erfolgreich, feierte acht Siege in acht Regionalligaspielen.

Aus dem Nichts kam dieser Erfolg nicht, das war ihm wichtig zu betonen: "Ich bin kein Neuling als Trainer, sondern mit 26 Jahren eingestiegen und habe mich dann hochgearbeitet."

Ein Knorpelschaden beendete damals frühzeitig seine Profikarriere als Spieler. In Erinnerung blieb er seinen Teamkollegen dennoch.

"Der erste Mensch mit drei Handys"

"Joe war damals der erste Mensch, den ich kannte, der schon drei Handys hatte", erzählte am Dienstag Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund, der damals mit Zinnbauer zusammen bei Mainz 05 aktiv war: "Ich selbst hatte noch gar keins."

Nicht der einzige Beleg für Zinnbauers Umtriebigkeit: Der Oberpfälzer ließ sich parallel zu seiner Fußballkarriere zum Zerspanungsmechaniker und zum Versicherungsfachmann ausbilden, gründete schließlich ein eigenes Finanzberatungsunternehmen, das ihn angeblich schon mit Anfang 20 zum Millionär machte.

Sprechen mag er darüber inzwischen nicht mehr. "Ich habe schon vor Jahren entschieden, mich auf Fußball zu konzentrieren", sagte er mit einer Deutlichkeit, die Nachfragen abwehren sollte.

Einer, der begeistern kann

HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hat an Zinnbauer vor allem dessen Einstellung gefallen. Und dessen Fähigkeit, die eigene Begeisterung für den Fußball an die Spieler weiterzugeben.

Daran haperte es beim HSV. Die Darbietungen waren seit geraumer Zeit blutleer. Das lag sicherlich auch an den Trainern. Thorsten Fink (Oktober 2011 bis September 2013) blieb blass. Bert van Marwijk (September 2013 bis Februar 2014) war am liebsten in seiner niederländischen Heimat.

Mirko Slomka, Zinnbauers ebenso glückloser Vorgänger, ermüdete seine Spieler mit seinen Ausführungen, die immer mehr nach auswendig gelernter Motivationsfibel klangen und erreichte seine Spieler immer weniger.

"Ich will immer Dominanz"

Zinnbauer will es nun besser machen. "Ich bin sehr leidenschaftlich und sehr akribisch", sagt er - andere bestätigen das.

Der vormalige HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer hatte Zinnbauer nach Hamburg geholt. Er schätzte den Coach aus der gemeinsamen Zeit beim Karlsruher SC - wo Zinnbauer als Co- und U-23-Trainer aktiv auf sich aufmerksam machte.

Und auch bei den neuen Hamburger Verantwortlichen machte seine Arbeit offensichtlich Eindruck.

"Ich habe mein Konzept nie geändert", sagt Zinnbauer, "ich will immer Dominanz."

Keine Gnade für Problememacher

Seine neue Mannschaft kann er noch nicht einschätzen.

Zinnbauer sagt aber, dass "Qualität auf dem Platz" sei. Auch ausreichende? "Die Spieler müssen eine Einheit werden", fordert er, "ob sie es sind, weiß ich nicht."

Leute, die nicht dazu beitragen, wolle er ohne Gnade aussortieren: "Wenn es nicht funktioniert, hole ich mir Spieler der U 23. Da kenne ich kein Pardon."

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18.09.2014

Ein Multitalent will's wissen

Joe Zinnbauer wurde als Finanzberater Millionär und beeindruckte Klopp mit seinen Handys. Nun will er den HSV auf Kurs bringen. Joe Zinnbauer ist vom U-23-Trainer zum Chefcoach des HSV aufgestiegen
(Copyright: imago)

Vom Hamburger SV berichtet Clemens Gerlach

Hamburg - An seiner Bekanntheit muss Joe Zinnbauer noch arbeiten.

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Rund 250 Zuschauer waren am Mittwoch beim Training des Hamburger SV. Kein einziger wollter nach Beendigung der ersten Einheit des neuen Coachs ein Autogramm von ihm haben.

Vielleicht war es aber auch einfach nur Schüchternheit des Rothosen-Anhangs.

Wie dem auch sei: Der 44-Jährige ist ein Trainertyp, der das Zeug dazu hat, bald ein weitaus begeherteres Ziel für Autogrammjäger zu sein.

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Selbstbewusster Auftritt

"Ich habe Bock auf die Bundesliga", sagte Zinnbauer in seiner Pressekonferenz. Es war ein selbstbewusster Auftritt eines Mannes, der gute Gründe für sein Selbstbewusstsein hat (ZUM NACHLESEN: Die PK im Liveblog).

Joe Zinnbauer stellt sich vor

Seit Saisonbeginn trainierte er die zweite Mannschaft des kriselnden HSV sehr erfolgreich, feierte acht Siege in acht Regionalligaspielen.

Aus dem Nichts kam dieser Erfolg nicht, das war ihm wichtig zu betonen: "Ich bin kein Neuling als Trainer, sondern mit 26 Jahren eingestiegen und habe mich dann hochgearbeitet."

Ein Knorpelschaden beendete damals frühzeitig seine Profikarriere als Spieler. In Erinnerung blieb er seinen Teamkollegen dennoch.

"Der erste Mensch mit drei Handys"

"Joe war damals der erste Mensch, den ich kannte, der schon drei Handys hatte", erzählte am Dienstag Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund, der damals mit Zinnbauer zusammen bei Mainz 05 aktiv war: "Ich selbst hatte noch gar keins."

Jürgen Klopp über Joe Zinnbauer

Nicht der einzige Beleg für Zinnbauers Umtriebigkeit: Der Oberpfälzer ließ sich parallel zu seiner Fußballkarriere zum Zerspanungsmechaniker und zum Versicherungsfachmann ausbilden, gründete schließlich ein eigenes Finanzberatungsunternehmen, das ihn angeblich schon mit Anfang 20 zum Millionär machte.

Sprechen mag er darüber inzwischen nicht mehr. "Ich habe schon vor Jahren entschieden, mich auf Fußball zu konzentrieren", sagte er mit einer Deutlichkeit, die Nachfragen abwehren sollte.

Einer, der begeistern kann

HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hat an Zinnbauer vor allem dessen Einstellung gefallen. Und dessen Fähigkeit, die eigene Begeisterung für den Fußball an die Spieler weiterzugeben.

Daran haperte es beim HSV. Die Darbietungen waren seit geraumer Zeit blutleer. Das lag sicherlich auch an den Trainern. Thorsten Fink (Oktober 2011 bis September 2013) blieb blass. Bert van Marwijk (September 2013 bis Februar 2014) war am liebsten in seiner niederländischen Heimat.

Mirko Slomka, Zinnbauers ebenso glückloser Vorgänger, ermüdete seine Spieler mit seinen Ausführungen, die immer mehr nach auswendig gelernter Motivationsfibel klangen und erreichte seine Spieler immer weniger.

"Ich will immer Dominanz"

Zinnbauer will es nun besser machen. "Ich bin sehr leidenschaftlich und sehr akribisch", sagt er - andere bestätigen das.

Der vormalige HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer hatte Zinnbauer nach Hamburg geholt. Er schätzte den Coach aus der gemeinsamen Zeit beim Karlsruher SC - wo Zinnbauer als Co- und U-23-Trainer aktiv auf sich aufmerksam machte.

Und auch bei den neuen Hamburger Verantwortlichen machte seine Arbeit offensichtlich Eindruck.

"Ich habe mein Konzept nie geändert", sagt Zinnbauer, "ich will immer Dominanz."

Keine Gnade für Problememacher

Seine neue Mannschaft kann er noch nicht einschätzen.

Zinnbauer sagt aber, dass "Qualität auf dem Platz" sei. Auch ausreichende? "Die Spieler müssen eine Einheit werden", fordert er, "ob sie es sind, weiß ich nicht."

Leute, die nicht dazu beitragen, wolle er ohne Gnade aussortieren: "Wenn es nicht funktioniert, hole ich mir Spieler der U 23. Da kenne ich kein Pardon."

Harte Bewährungsprobe

Zinnbauers Vertrag beim HSV läuft noch zwei Jahre. Gerne würde er die Zeit als Cheftrainer verbringen.

Zinnbauer ist sich im Klaren, dass er kritisch beäugt wird und ihn Skeptiker als Notnagel sehen, der nur deshalb zum Zuge kam, weil arrivierte Trainer wie Thomas Tuchel kein Interesse am HSV-Schleudersitz hatten.

Die beiden nächsten Spiele sind eine große Herausforderung für den Novizen. Erst gegen den FC Bayern, dann bei Borussia Mönchengladbach. Da kann es leicht zwei Niederlagen geben. "Wenn du Spiele gewinnst, sind alle freundlich", hat Zinnbauer gelernt.

Und wenn nicht? Damit will er sich nicht beschäftigen.

Zinnbauer will sich auf das konzentrieren, was er positiv beeinflussen kann. "Ich habe eine Chance, auf diese arbeitet man als Trainer hin", sagt er.

Es hängt an seinen Spielern, ob sie ihm helfen, sie zu nutzen.

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