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Gelsenkirchen - Julian Draxler erlebt einen bitteren 21. Geburtstag und bringt Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt wohl um den ersten Saisonsieg.

 Nachdem er sich selbst die Geburtstagsparty gründlich verdorben hatte, fehlten Julian Draxler die Worte.

"Ich sag' nichts", murmelte der Weltmeister vom FC Schalke 04 nach dem 2:2 (1:2) gegen Eintracht Frankfurt und verschwand.

Mit seiner Roten Karte wegen Nachtretens hatte der Jungstar den "Königsblauen" die Chance auf den ersten Saisonsieg genommen - und danach wenig Lust zu feiern.

Schalke schadet sich selbst

Dabei hätte an seinem 21. Geburtstag alles so schön sein können: Fast im Alleingang hatte Draxler aus dem 0:2 ein 2:2 gemacht, erst den umstrittenen Handelfmeter herausgeholt, den Eric Maxim Choupo-Moting verwandelte (40.), dann per Kopf den Ausgleich erzielt (50.).

So klang Choupo-Motings frecher Strafstoß bei SPORT1.fm

Danach verlor er jedoch die Nerven. Sein Tritt gegen Carlos Zambrano (71.) zerstörte endgültig die Hoffnungen auf den ersten Schalker Dreier im vierten Anlauf - zumal zuvor schon Kevin-Prince Boateng mit Gelb-Rot vom Feld geflogen war (61.).

"Wir schaden uns am Ende selber", klagte Draxlers Mittelfeldkollege Dennis Aogo, "wir hätten zu 100 Prozent noch gewonnen."

Heldt nimmt Draxler in Schutz

An der Roten Karte von Draxler gab es auch für Sportvorstand Horst Heldt "nichts zu deuteln", dennoch verteidigte er den Nationalspieler: "Jule ist noch jung. Er hat kurz vorher das 2:2 gemacht, dann kommt Gelb-Rot für Boateng, da explodiert alles im Körper."

Bis zu seinem Platzverweis hatte Draxler drei Tage nach dem überraschenden 1:1 in der Champions League beim englischen Tabellenführer FC Chelsea noch für die wenigen positiven Aspekte in einem maßlos enttäuschenden Schalker Team gesorgt.

Boateng, der ebenfalls kommentarlos aus der Arena stapfte, hatte dagegen schon vor dem völlig unnötigen taktischen Foul an der Mittellinie wieder seine schlechte Seite gezeigt.

Boateng enttäuscht auf ganzer Linie

In London trotz starker Schmerzen noch der vorbildliche Anführer, war der Deutsch-Ghanaer bei der Rückkehr in den Bundesliga-Alltag wieder nur Mitläufer.

Schlimmer noch, er leitete beide Gegentore ein: Erst brachte sein Querschläger im eigenen Strafraum Torwart Ralf Fährmann in höchste Not - Alex Meier verwertete den Nachschuss (15.). Dann versuchte er sich im Zweikampf gegen Marco Russ als Ringer, der Frankfurter ließ ihn stehen und schlenzte den Ball in den Winkel (24.).

Nicht zuletzt wegen Draxler und Boateng war die Aufbruchsstimmung nach dem erfolgreichen Kraftakt in der Champions League schnell wieder verflogen.

Keller unter Druck

Sechs Pflichtspiele ohne Sieg, der schlechteste Saisonstart seit 47 Jahren, Aus im DFB-Pokal, Platz 16 in der Bundesliga - Schalke stolpert den eigenen Ansprüchen schon nach gut einem Monat meilenweit hinterher.

Und für den umstrittenen Trainer Jens Keller wird es wieder ungemütlicher.

"Das Gesamtbild will ich heute nicht bewerten", sagte Heldt. Dass es düster ist, kann auch er nicht wegdiskutieren.

Und die nahe Zukunft verheißt wenig Gutes: Neben den zahlreichen Verletzten - gegen Frankfurt fehlten neun - werden am Dienstag bei Werder Bremen nun auch noch Draxler und Boateng fehlen.

Frankfurt hadert mit dem Schiedsrichter

Bester Stimmung waren aber auch die Frankfurter nicht. Sie fühlten sich vom schwachen Schiedsrichter Markus Schmidt um ihren Lohn gebracht.

Der Stuttgarter hatte ihnen nach einem Handspiel von Kaan Ayhan einen Elfmeter verweigert (14.), Schalke aber einen zugesprochen, als der Ball an die Hand von Slobodan Medojevic sprang (40.). "Die beiden Entscheidungen waren katastrophal, da gibt es keine zwei Interpretationen", ereiferte sich Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen.

Medojevic war doppelt gestraft: Der Serbe sah nach der unberechtigten Gelben Karte ebenfalls nach einem taktischen Foul noch Gelb-Rot (85.).

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