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Der SC Paderborn ist nach dem 4. Spieltag der Bundesliga Saison 2014/15 überraschend Tabellenerster
Andre Breitenreiter (l.) ist seit Sommer 2013 Trainer des SC Paderborn

Der SC Paderborn mischt die Liga auf und wird mit einem Spitzenspiel belohnt. SPORT1 erklärt die Sensation aus Ostwestfalen.

Vom SC Paderborn berichtet Christian Geisler

Es war einmal ein kleiner Fußball-Verein aus Ostwestfalen. Vom Dorfklub ist die Rede, von Partyborn. Andere wiederum sprechen bei dem Verein von einem Märchen oder einem Wunder.

Doch im Gegensatz zu frei erfundenen Märchengeschichten sind die letzten Ergebnisse des SC Paderborn 07 in der Bundesliga ziemlich real.

Mit zwei Siegen und zwei Unentschieden ist der Aufsteiger in die noch junge Saison gestartet. Dazu kassierte der SCP in den vergangenen drei Spielen kein einziges Gegentor. Zuletzt besiegte man Hannover 96 mit 2:0. (SPIELBERICHT: Paderborn mit Rekordtor an die Spitze).

Sicherlich kann man eine solche Bilanz als märchenhaft bezeichnen - gerade aus Sicht eines Aufsteigers, der noch nie zuvor in der ersten Liga gespielt hat.

Auch ein Tor aus 82 Metern, wie von Kunstschütze Moritz Stoppelkamp gegen Hannover gezeigt, scheint auf den ersten Blick aus dem Reich der Fabeln zu entstammen.

Dennoch haben die letzten Ergebnisse der Paderborner nichts mit Zauberei zu tun und sind nicht der Phantasie entsprungen. Ganz im Gegenteil: "Alles bei uns ist ein Produkt harter Arbeit und kein Zufall", wie Trainer Andre Breitenreiter mit stolz geschwellter Brust berichtet.

Spitzenspiel beim FC Bayern

Im Volksmund gelten Ostwestfalen als äußert bodenständig, sie führen nicht das große Wort, sondern geben sich lieber bescheiden.

(Mehr zum Thema SC Paderborn Mo., ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

Auch der SC Paderborn 07 erweist sich dieser Tage als geerdeter Verein, der heimlich still und leise einen Erfolg nach dem anderen in der Bundesliga einfährt.

Und nun geht es gar als Spitzenreiter zum Topspiel beim FC Bayern (Di., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) .

"Wir wollten unbedingt da einlaufen, wenn das Stadion rot leuchtet und es voll ist", sagt Breitenreiter.

"Deswegen wollen wir dieses Spiel einfach nur genießen und versuchen unser Bestes zu geben. Das Ergebnis ist erst mal nicht entscheidend."

Erfolg trotz Sparsamkeit

Breitenreiter steht für Paderborns Weg genauso wie Manager Michael Born.

Der dreht jeden Cent zwei Mal um. Man ist sparsam in Paderborn.

Spieler werden möglichst ablösefrei verpflichtet. Das zeugt von einer klaren Philosophie, ist aber eben typisch ostwestfälisch.

Außenseiter bekommen Chance

Ein potentieller SCP-Spieler muss dabei immer auch ins mannschaftliche Gefüge passen. Zusammenhalt, Teamgeist und Solidarität haben in Paderborn oberste Priorität. Es spielt keine Rolle, wo ein Akteur herkommt. Das Hier und Jetzt entscheidet.

So war Süleyman Koc im Gefängnis. Linksverteidiger Daniel Brückner hat einige Jahre auf den Straßen von Hamburg gelebt. Auch der in Hannover als "Stolperkamp" verschriene Moritz Stoppelkamp wurde bei den Ostwestfalen aufgenommen.

"Wir kämpfen füreinander"

Aber nicht nur schwierige Charaktere starten in Paderborn durch. Jeder Spieler darf sich als gleichwertiger Bestandteil der Mannschaft sehen.

Moritz Stoppelkamp fasst im SPORT1-Interview zusammen: "Jeder ist mit 100 Prozent bei der Sache, wir kämpfen füreinander, sind ständig unterwegs und geben in jedem Zweikampf alles."

Und er betont: "Das ist eine super Momentaufnahme. Wir wissen das aber alles richtig einzuordnen, weil das Punkte für unser großes Ziel sind. Wir wollen unbedingt die Klasse halten."

(EXKLUSIV: Moritz Stoppelkamp im Interview)

Schnelles Gegenpressing

Vor der Saison als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, weist der SC Paderborn 07 Woche für Woche seine Bundesligatauglichkeit nach.

Ein laufintensives Spiel mit schnellem Gegenpressing zeichnet die Ostwestfalen aus. Brenzlige Situationen im eigenen Strafraum versucht man stets spielerisch zu lösen. Blinde Bälle in die Spitze haben Seltenheitswert.

Dabei setzt Trainer Andre Breitenreiter zu großen Teilen auf seine Aufstiegsmannschaft. Die Spieler kennen sich, man ist eingespielt. Dazu strotzt das Team nach den jüngsten Ergebnissen vor Selbstvertrauen.

Weder Scoutingabteilung noch Rasenheizung

Dabei sind die Voraussetzungen in Paderborn alles andere als erstligatauglich.

Man besitzt weder eine Scouting-Abteilung noch eine Rasenheizung. Der Etat ist mit rund 15 Millionen Euro der kleinste der Liga. Trainiert wird auf einem Trainingsplatz neben einem Schwimmbad. Als Umkleide dient die nahegelegene Hausmeisterwohnung.

"An unseren Rahmenbedingungen, an unserem Budget, an unseren Erfahrungen ändert sich nichts. Okay: Es kommen pro Spieltag 14 Einsätze mehr dazu. Aber ansonsten sind wir doch so aufgestellt, dass uns andere Mannschaften deutlich überlegen sind", sagt Andre Breitenreiter.

Der Star ist die Mannschaft

Solch schwierige Voraussetzungen hatten nicht einmal die letzten Bundesliga-Außenseiter Greuther Fürth und Eintracht Braunschweig vorzuweisen. Warum sollte der SCP also die Klasse halten können?

Man glaubt in Paderborn an seine eigene Stärke. Die Spieler sind fit und wissen, was sie zu tun haben. "Wir setzen das super um, was uns der Trainer vorgibt", ergänzt Innenverteidiger Christian Strohdiek im Gespräch mit SPORT1.

Das Team hat einen Plan und ist nur schwer davon abzubringen. Alleingänge gibt es nicht. Und man besinnt sich auf die ostwestfälische Bodenständigkeit.

Eine Stadt - ein Verein

Der Zusammenhalt überträgt sich regelrecht vom Fußballplatz auf die gesamte Stadt. Ganz Paderborn steht geschlossen hinter seiner Mannschaft und erstrahlt in schwarz-blauen Farben.

Überall sind riesige SCP-Banner zu finden. Der ansässige Bäcker verteilt nach jedem zehnten gekauften Brot einen kostenlosen SCP-Schal an seine Kunden.

Dazu begrüßen die Fans ihre Mannschaft im Stadion stets mit stehenden Ovationen. Team und Tribüne bilden eine eingeschworene Einheit.

Gänsehautatmosphäre werden die Spieler des SC Paderborn 07 auch in der Partie beim FC Bayern empfinden. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte tritt man in der rot erleuchteten Münchner Arena zu einem Meisterschaftsspiel an.

Sicher wird Breitenseiter seiner Mannschaft erneut einen guten Plan mit auf den Weg nach München geben. Und wer weiß!? Vielleicht wird das Märchen vom SC Paderborn 07 noch fortgeführt. Denn wenn sie nicht gestorben sind...

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