vergrößernverkleinern
Rudi Völler ist seit 2005 Sportdirektor bei Bayer Leverkusen
Rudi Völler ist seit 2005 Sportdirektor bei Bayer Leverkusen

Völler, Klopp, Guardiola und andere beklagen die hohe Belastung ihrer Spieler. Die werden zwischen den Interessen zerrieben - und brauchen die Unterstützung ihrer Arbeitgeber.

Auch im Derby ist es wieder passiert: Borussia Dortmund hat bei der Niederlage gegen den FC Schalke 04 zwei erstaunlich dusselige Gegentore bekommen.

Auf den ersten Blick eine Frage der Konzentration, auf den zweiten aber eine der fehlenden Abstimmung. So erklärt es Jürgen Klopp - und begründet dies mit der fehlenden Zeit für gemeinsames Training im eng getakteten Spielkalender.

Klopp führt das nicht als Entschuldigung an, gibt aber den Blick frei auf ein Problem, dass in dieser Woche in den Spitzenstandorten der Liga ein großes Thema war. In Dortmund, in Leverkusen und auch in München.

Die Top-Klubs und Top-Spieler ächzen schon nach wenigen Wochen der Saison über die zu hohe Belastung. Und sie haben Recht.

"Der Spielplan ist zu eng, die Belastung ist zu hoch", sagte Sportdirektor Rudi Völler nach dem 0:0 von Bayer Leverkusen beim SC Freiburg. Man müsse beginnen "das Rad zurückzudrehen", forderte Jürgen Klopp in der vergangenen Woche. Und auch Matthias Sammer und Pep Guardiola vom FC Bayern verweisen immer wieder auf die enormen Ansprüche an die Spieler.

Die Regeneration leidet, vor allem bei den Spielern, die für ihre Nationalmannschaften im Einsatz sind. Die logischen Konsequenzen sind zunehmende Verletzungen und sinkende Qualität auf dem Platz.

Eine unnötig aufgeblähte EM, in wenigen Jahren noch die von der UEFA erdachte "Nations League", Sponsorentermine, Marketingreisen quer über den Erdball: Die Profis werden zwischen den Interessen von Klubs, Nationalmannschaften, Liga-Vermarktern und Sponsoren zerrieben.

Der Punkt der Sättigung ist irgendwann erreicht, man kann nicht immer noch mehr aus dem Fußball herausquetschen.

Die einzige Vorschlag, der von den großen Verbänden in den letzten Monaten aber kam, war die Einführung einer dreiminütigen Behandlungspause bei Kopfverletzungen. Und selbst hier bleibt zumindest das Geschmäckle, dass womöglich nur ein Fenster für zusätzliche Werbepausen ins Spiel eingebaut werden soll.

Fußballprofis sind bei weitem nicht so gut gewerkschaftlich organisiert wie beispielsweise die Athleten in den großen Ligen des US-Sports. Da werden eigene Interessen schon mal radikal vor Gericht oder per Streik durchgefochten.

Wenn die Vereine die Belastung ihrer Spieler beklagen, müssen sie selbst gegensteuern. Sie hätten die Möglichkeit, das Rad zurückzudrehen, auch wenn das finanzielle Einbußen nach sich ziehen kann.

Dusselige Gegentore sind sonst in Zukunft nur das geringste Problem.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel