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Doll ist seit Dezember 2013 Trainer des ungarischen Erstligisten Ferencvaros Budapest

München - Vor dem Duell seiner Ex-Klubs: Thomas Doll sagt, warum er Hamburg auf gutem Weg sieht - und die BVB-Probleme ihn nicht wundern.

Thomas Doll hat dem Hamburger SV viel zu verdanken.

Der heute 48-Jährige hat mit den Rothosen einiges erlebt.

Als Fußballprofi spielte er in der Saison 1990/1991 und von 1998 bis 2001 für die Norddeutschen, nach seiner aktiven Laufbahn war er sechs Jahre als Trainer im Verein tätig.

In der Saison 2007/2008 trainierte der frühere DDR-Auswahlspieler und heutige Chefcoach des ungarischen Erstligisten Ferencvaros Budapest Borussia Dortmund.

Auch heute noch hat Doll seinen HSV genau im Blick, aber auch den BVB lässt er nicht aus den Augen.

Am Samstag müssen die in dieser Saison noch sieglosen Hamburger nach Dortmund reisen (ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER). Vor der Partie spricht Doll im SPORT1-Interview über seine beiden Ex-Klubs und lobt HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer.

SPORT1: Herr Doll, auf welchen Ihrer beiden früheren Vereine schauen Sie mehr?

Thomas Doll: Ich habe eine größere emotionale Verbindung zum HSV. Ich verfolge Beide sehr genau. Am Wochenende wird mein Herz etwas mehr beim HSV sein. Aber ich mag den Fußball von Borussia Dortmund und kenne aus meiner Zeit dort noch viele Leute im Verein. Natürlich drücke ich denen auch immer die Daumen und verfolge alles ganz genau.

SPORT1: Wie sehr schmerzt es Sie zu sehen, was gerade wieder beim HSV passiert?

Doll: Das ist schon bitter. Jetzt ist es aber ganz wichtig, dass man nach vorne schaut. Der HSV hatte einen ganz schweren Saisonstart und wenn du erst mal da unten drin hängst, dann ist es nicht leicht sich zu befreien. Du kriegst nie eine gewisse Leichtigkeit und Lockerheit. Gegen Bayern hat man aber gesehen, dass die Truppe gewillt ist und dass ein Ruck durch die Mannschaft gegangen ist, aber am Ende sind nun mal die Resultate entscheidend. Jetzt ist es wichtig, wieder mal zu spüren, wie sich ein Sieg anfühlt, damit man auch mal wieder mit breiter Brust durch Hamburg gehen kann. Wichtig ist auch, dass Dietmar Beiersdorfer wieder da ist.

 

SPORT1: Warum ist Beiersdorfer so wichtig für den Verein?

Doll: Dietmar haucht dem Verein durch seine ganze Ausstrahlung und Akribie neues Leben ein. Vor allem auch eine gewisse Konstanz. Er steht mit beiden Beinen auf dem Boden und ist kein Spinner. Dietmar spielt sich nicht in den Vordergrund, sondern ihm geht es in erster Linie um die Sache, um den HSV und nicht um seine Person. Er arbeitet rund um die Uhr für den HSV und wägt genau ab, was gut ist für den Verein. Das hat er schon damals als Sportdirektor gemacht (2003 bis 2009, Anm. d. Red.).

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SPORT1: Beim HSV arbeiteten in den letzten anderthalb Jahren als Trainer erst Bert van Marwijk, dann Mirko Slomka, jetzt Josef Zinnbauer. Ist er der Richtige?

Doll: Warum nicht? Gegen die Bayern sah das zuletzt sehr gut aus. In der Bundesliga wechseln die Trainer immer hin und her. Warum also nicht mal einem Unbekannten eine Chance geben? Alle sind irgendwo mal reingerutscht. Auch einen Thomas Tuchel (Ex-Trainer von Mainz 05, Anm. d. Red.) kannte keiner. Zinnbauer hat im Nachwuchsbereich einen guten Job gemacht. Man sollte nicht nach drei, vier Spielen Urteile abgeben und sich nur nach den Resultaten richten. Ich traue ihm zu, dass er mit dem HSV die Kurve kriegt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1: Den HSV verbindet man auch mit Investor Klaus-Michael Kühne. Welche Meinung haben Sie über ihn?

Doll: Es war ganz wichtig, dass man so einen Mann gewinnen konnte. Kühne ist HSVer, liebt die Stadt Hamburg und hat bewiesen, dass er in seinem Leben schon Großes geleistet hat. So einen Mann mit ins Boot zu holen, ist eine großartige Sache. Das manches in der Zeit, als es nicht gut lief, in der Kommunikation nicht richtig gelaufen ist, auch ins Persönlich ging, das weiß er selber. Da haben viele Faktoren mitgespielt. Da ist einiges unglücklich gelaufen, aber wenn so ein Mann das Geld zur Verfügung stellt, dann sollte man dankbar sein. Und dieser Mann darf auch mal seine Meinung sagen.

SPORT1: Was kann dem HSV wirklich helfen?

Doll: Du brauchst zu den vielen Talenten auf den Schlüsselpositionen den einen oder anderen Führungsspieler. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man einen Valon Behrami für das zentrale Mittelfeld hat. Wichtig ist auch, dass die Torwartposition ganz klar definiert ist und dass Rafael van der Vaart schnell wieder gesund wird und allen nochmal zeigen kann, dass er es viel besser kann als er es in der letzten Saison gezeigt hat. Ihn haben viele Sachen aus dem privaten Bereich belastet und es ist nicht schön, wenn jeder mit dem Finger auf dich zeigt. Zudem sollte sich auch Pierre-Michel Lasogga auf sein Ding konzentrieren. Er ist im Zentrum wichtig und da sollte er fighten.

SPORT1: In der Champions League ist Borussia Dortmund (Bericht) im Soll, aber in der Liga steckt man zurzeit in einer Krise, zum ersten Mal unter Jürgen Klopp. Haben Sie eine Erklärung?

Doll: Als Klopp in Dortmund als Trainer anfing, stand man auch im Niemandsland der Tabelle und erste, besorgte Stimmen wurden damals laut. Damals hat Jürgen es schon bewiesen, hat mit Ruhe die Mannschaft weiterentwickelt. Es geht nicht um eine Krise. Das Problem ist doch, dass sie unglaubliche Verletzungsprobleme haben. Da gibt es gerade so viele Fragezeichen. Ein gelernter Innenverteidiger wie Matthias Ginter musste im Mittelfeld ran. Es ist also selbstverständlich, dass der BVB solche Probleme hat.

SPORT1: Was muss passieren, dass die Begeisterung im Liga-Alltag zum BVB zurückkommt?

Doll: Das Problem ist, dass sie den gleichen Hauruck-Fußball spielen wollen, den sie immer gespielt haben. Darin liegt die Gefahr. Man müsste auswärts auch mal mit einem Remis zufrieden sein und nicht weiter alle Spieler nach vorne ziehen. Wenn du noch nicht so stabil bist, dann wirst du wie in Mainz ausgekontert. Die Jungs haben das so einstudiert, dass sie das verinnerlicht haben, dass der Power-Fußball Erfolg gebracht hat. Gegen Arsenal war es dieser Power-Fußball, aber da war auch der eine oder andere Leistungsträger mit dabei, der gegen Schalke ausgefallen ist. Dortmund muss zurück zur Normalität (

).

SPORT1: Wie geht es aus am Wochenende?

Doll: Ich glaube, dass Dortmund sich fängt und knapp gewinnen wird. Auch, wenn es bitter wäre für meinen HSV. Es wird sehr, sehr schwierig für die Hamburger da etwas zu holen. Der BVB hat einfach die größere Qualität. Für den HSV könnte das einzig Gute sein, dass man eine normale Trainingswoche hat und Dortmund in Anderlecht ran musste und Kraft gelassen hat. (SHOP: Jetzt BVB-Fanartikel kaufen)

Copyright Bilder: getty

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