Für SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold ist das Titelrennen in der Bundesliga bereits entschieden. Dortmund hilft nur eine Serie.

Hallo Fußball-Freunde,

Sieben Spieltage sind gespielt, sieben Punkte hat Borussia Dortmund eingefahren. Das ist natürlich viel zu wenig.

In der Verfassung, in der sich der BVB aktuell präsentiert und angesichts des Punkteabstands zum FC Bayern, sind die Chancen auf die Meisterschaft schon jetzt dahin.

So ein Spiel wie gegen den Hamburger SV am Samstag muss man einfach gewinnen. Aber mir fällt auf, dass sich der BVB schwer tut, nach einem Rückstand ein Spiel zu drehen.

Gründe gibt es dafür mehrere. Die Mannschaft ist aktuell arg von Verletzungen gebeutelt, Trainer Jürgen Klopp muss ständig umstellen.

Außerdem macht die Doppelbelastung den Dortmundern zu schaffen.

Die einzige Mannschaft, die aus der Champions-League-Woche mit einem guten Ergebnis gekommen ist, sind die Bayern.

Die anderen haben alle Federn gelassen. Leverkusen hat gegen zehn Paderborner unentschieden gespielt, Schalke klar gegen Hoffenheim verloren.

Die Bayern haben einfach die jahrzehntelange Erfahrung mit diesem Drei-Tages-Rhythmus. Wenn man viel Ballbesitz hat wie die Bayern, kann man auf die Saison gesehen einfach viel ökonomischer Fußball spielen.

Der BVB hingegen betreibt einen hohen Aufwand, mit Pressing, Gegenpressing und spielt schnell nach vorne in die Vertikale. Das ist viel kräftezehrender.

Und natürlich fehlt Robert Lewandowski. Ciro Immobile und Adrian Ramos sind gute Spieler, aber Lewandowski ist einfach nicht zu ersetzen - das ist nochmal ein großer Unterschied.

Letzte Saison hat immer Lewandowski vorne zentral gespielt und dahinter zwei oder drei andere Spieler. Jetzt gibt es mehrere taktische Setups.

Mal spielt Ramos mit Immobile, mal lässt Klopp mit einem Stürmer und Pierre-Emerick Aubameyang als hängende Spitze auflaufen.

Da muss man sich vielleicht mal entscheiden, welche Variante am besten zu den Spielern passt. Denn das ständige Wechseln trägt nicht dazu bei, dass eine Mannschaft stabil und eingespielt wird.

Irgendwann braucht man einen eingespielten Block, gerade jetzt, wo die Ergebnisse fehlen. Sonst kommt auch noch der mentale Faktor dazu.

Die Borussia muss vor allem auch verhindern, dass der Abstand zu den Klubs nach den Bayern auf den Champions-League-Plätzen nicht zu groß wird.

Die Länderspielpause ist da vielleicht eine gute Gelegenheit, um einmal durchzuschnaufen, zur Ruhe zu kommen und mit den Spielern zu arbeiten, die vor Ort sind.

Nach der Pause wird auch Ilkay Gündogan wieder im Kader stehen. Man tut ihm aber nach der langen Verletzungspause keinen Gefallen, wenn man ihn jetzt gleich zum Hoffnungsträger macht.

Er ist ein fantastischer Spieler und ich hoffe, dass er wieder voll belastbar ist. Aber aus meiner Erfahrung weiß ich, dass er bestimmt sechs oder sieben Spiele am Stück brauchen wird, um wieder vom Trainings- in den Spielmodus zu kommen.

Aber die Dortmunder sollten den Kopf nicht in den Sand stecken. Wenn der BVB eine Serie von sechs, sieben Spielen startet, ist noch vieles möglich.

Bis auf den FC Bayern tun sich die Mannschaften alle schwer. Für die Spannung ist das natürlich nicht gut. Schon jetzt scheint die Meisterschaft praktisch gelaufen.

Interessant wird es für die Fans wohl vor allem beim Kampf um die Plätze hinter den Bayern, wo vielleicht der eine oder andere Klub die Schwächen der Verfolger nutzen könnte.

Und natürlich im Abstiegskampf, in den schon jetzt einige prominente Klubs verwickelt sind.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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