vergrößernverkleinern
Herbert Fandel beendete 2009 seine Schiedsrichter-Karriere

München - Der Weltverband schiebt dem DFB in der Regeldebatte den Schwarzen Peter zu. Hebert Fandel setzt Massimo Bussacas Vorwürfe zu Wehr.

Die FIFA schaltet in der Handspielregel-Debatte auf stur: Beim Weltverband schiebt Schiedsrichter-Chef Massimo Busacca dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den deutschen Referees den Schwarzen Peter für die jüngsten Verwirrungen über die Vorschrift in der Bundesliga zu.

"Die Regel müsste den Bundesliga-Spielern und -Trainern nur mal richtig erklärt werden. Da sind auch die nationalen Verbände gefordert", beklagt der Schweizer vermeintlich mangelnde Aufklärungsarbeit zu den Schlüsselfragen "Absicht oder nicht?" und "Vergrößerung der Körperfläche oder nicht".

Indirekt macht der 47-Jährige in einem Bild-Interview auch seinen DFB-Kollegen Vorwürfe: "Das Fußball-Verständnis der Schiedsrichter ist sehr wichtig. Sie müssen den Fußball leben, ihn inhalieren und vor allem verstehen. Sie müssen sich in die Lage der Spieler versetzen können. Nur so kann der Referee richtig entscheiden."

DFB-Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel (Kyllbrug) wies Busaccas Einschätzungen auf SID-Anfrage zurück. "Ich denke, es gibt nicht viele Fußball-Länder, in denen Schiedsrichter so intensiv und professionell geschult werden wie bei uns in Deutschland", sagte Fandel.

Der 50-Jährige fuhr auf der DFB-Homepage fort: "Auch vor dieser Saison waren die Mitglieder der Schiedsrichter-Kommission des DFB, wie übrigens seit Jahren, natürlich vor allem bei den Vereinen und Spielern."

In der Bundesliga, wo Fandel bereits kurz nach Saisonbeginn "Fehleinschätzungen" seiner Unparteiischen mit der "Dynamik des Spiels" erklärte hatte, war zuletzt die Regeldiskussion wieder hochgekocht.

Am vergangenen Sonntag gab es beim Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach gegen den FSV Mainz 05 (1:1) wegen einer Handelfmeter-Entscheidung zugunsten der Gäste Aufregung (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Gladbachs Trainer Lucien Favre schimpfte über einen "Skandal".

Unterstützung bekam der Schweizer Coach von seinen Kollegen Jürgen Klopp (Borussia Dortmund) und Thomas Schaaf (Eintracht Frankfurt). Aber auch der frühere Weltschiedsrichter Markus Merk bezeichnete die Handspielregel als "nicht gut für Schiedsrichter. Es gibt zu viel Ermessensspielraum und Subjektivität."

Busacca hingegen untermauerte seinen Standpunkt mit dem Verlauf der WM-Endrunde im vergangenen Sommer in Brasilien an. Die FIFA habe, sagte der 47-Jährige, "Trainer wie Joachim Löw mit ins Boot geholt. Wir hatten kein Problem mit der Handregel. Die Regel muss nur richtig interpretiert werden."

Der frühere Spitzenreferee sprach Kritikern außerdem die Legitimation für Klagen ab: "Man muss als Trainer auch Gründe liefern und kann nicht nur sagen, die Auslegung wäre dumm."

Bei der WM indes waren überhaupt keine nennenswerten Spielsituationen entstanden, in denen die Unparteiischen Entscheidungen aufgrund der Regel fällen mussten. In Busaccas WM-Abschlussbilanz war der Umgang mit der Regel auch überhaupt kein Thema.

"Gott war mit uns, ihm möchte ich danken", sagte der Eidgenosse auch mit Blick auf das von diskussionswürdigen Handspielszenen weitgehend freie WM-Turnier.

Einen Segen brauche es laut Busacca bei "korrekter Auslegung, was wir von den Schiedsrichtern verlangen", auch gar nicht, schließlich ginge es nur um die Frage der Absicht und der natürlichen Handbewegung. "Man kann ab und zu über die Interpretation streiten. Nicht aber über die Regel selbst. Die ist gut und entspricht dem Geist des Fußballs."

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel