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München - Werder Bremen hat den Tiefpunkt erreicht. Hoffnung gibt es durch frisches Geld. Jetzt spricht der Ex-Präsident bei SPORT1.

Werder Bremen liegt am Boden.

Woche für Woche muss der Verein einen Tiefschlag wegstecken.

Doch jetzt gibt es neue Hoffnung für die Norddeutschen.

Das Tabellen-Schlusslicht hat den Vertrag mit Vermarkter "Infront" verlängert - vorzeitig von 2019 bis 2029. Für die Verlängerung gibt es sofort neun Millionen Euro. Ein positives Signal für die klammen Bremer.

Neun Millionen vom Vermarkter

Mit dem Geld kann Werder in der Winterpause auf Shopping-Tour gehen.

Der erweiterte Handlungsspielraum im sportlichen Bereich ist auch dringend nötig.

Nach sieben Spielen sind die Bremer in dieser Saison noch sieglos. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Für den Winter hat Sportdirektor Thomas Eichin einen Spieler konkret im Auge: WM-Star Bryan Ruiz vom FC Fulham.

Schon im Sommer war der Wechsel des 29 Jahre alten Offensivmannes fast perfekt, doch es scheiterte am Veto des Bremer Aufsichtsrats.

Born glaubt an den Verein

Mit welchem Personal auch immer: Werders Ex-Präsident Jürgen L. Born glaubt an die Wende zum Guten.

"Ich möchte meinen Verein gerne in der Bundesliga behalten und glaube, dass da etwas zu machen ist", sagt Born im Gespräch mit SPORT1.

"Ich habe alle Spiele in dieser Saison gesehen und glaube, dass die Mannschaft Potenzial hat", führt der 71-Jährige weiter aus.

Dass die Situation nicht rosig ist, weiß auch Born: "Wir sind in einer Krise und natürlich schlagen alle auf einen ein, wenn man auf dem letzten Tabellenplatz steht. Das ist wie bei einem Boxer, der auf dem Boden liegt. Der kriegt dann im Vorbeigehen auch noch einen Tritt ab."

Die Unruhe an der Weser wächst. Angesichts der Verpflichtungen im Sommer war im Vorfeld schon zu befürchten, dass der einstige Vorzeigeklub und jahrelange Konkurrent des FC Bayern vor einer schwierigen Saison stehen würde. Doch inzwischen geht die nackte Angst um.

Die Angst vor dem Absturz in die Zweite Liga.

Basler übt harsche Kritik

Für die Grün-Weißen ist es die wohl schwierigste Phase der Vereinsgeschichte. Über den Verantwortlichen wird kübelweise Kritik ausgeschüttet.

Auch SPORT1-Experte Mario Basler machte kürzlich die Vereinsführung seines ehemaligen Klubs (92 Spiele für Werder) wesentlich für die aktuelle sportliche Misere verantwortlich.

"Man hätte sich vielleicht mal früher überlegen sollen, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen und ein paar Spieler zu holen anstatt sich tot zu sparen und in der Zweiten Liga zu landen", sagte der 30-malige Nationalspieler SPORT1.

Und er zählte Sportdirektor Thomas Eichin an: "Vielleicht muss man auch mal Thomas Eichin hinterfragen. Er war jahrelang im Eishockey tätig. Wenn man dann auf einmal Sportdirektor im Fußball wird, ist das schon ein himmelweiter Unterschied."

Born hat Verständnis für Eichin

Born meint bei SPORT1 nur: "Ich kenne Herrn Eichin nicht näher, aber wenn ein Sportdirektor immer mit leeren Taschen losgeschickt wird, dann weiß man natürlich nicht, woran man ihn messen kann. Ich kann einen Sportdirektor nur beurteilen, wenn ich ihm auch mal ein Bündel Geld in die Hand gebe und sage: So, jetzt versuch damit etwas zu machen."

Genau dieses Bündel hat Eichin nun - demzufolge kann Werder nun mehr Hoffnung haben.

Eichin sei "mit Sicherheit sehr fleißig, er rennt überall hin und schaut sich alles an", glaubt Born: "Wenn man allerdings ablösefreie Spieler holt, dann stellt sich bei vielen die Frage: Warum geben andere Vereine solche Spieler so einfach ab?"

Trainer-Ablösung fragwürdig

Was kann sonst helfen?

Eine Ablösung von Bremens Trainer Robin Dutt hält Born für eine fragwürdige Maßnahme: "Wenn ich den Trainer austauschen will, geht das nur, wenn ich weiß, wer es besser machen könnte und ob ein neuer Mann bezahlbar ist."

Trotz des neuen Geldregens bleibt auch Born realistisch, wohlwissend, dass man damit haushalten muss.

Werder könne sich "keinen Herrn Di Matteo leisten", sondern man müsse gucken, "was finanziell machbar ist."

Und weiter: "Herr Dutt ist bestimmt bemüht, alles zu tun. Aber es ist alles gerade nicht einfach für den Verein. Auch wenn einer sagt: Weg mit dem Trainer, dann bitte ich zu bedenken, dass der Austausch des Trainers mit dem kompletten Stab auch in die Millionen gehen kann."

"Dreh- und Angelspiel" gegen Köln

Finanziell ist durch die Vermarkter-Millionen nun erst mal Hilfe da. Doch sportlich bleibt die Ungewissheit. Beim Blick auf die nächste Partie dürfte es Born zumindest schwer fallen, positiv nach vorne zu schauen.

Da nämlich müssen die Bremer beim FC Bayern München antreten. Es gibt leichtere Aufgaben. Nach dem Spiel beim Rekordmeister kommt schließlich der 1. FC Köln ins Weserstadion.

"Wenn man zwei Spiele hintereinander gewinnen würde, dann wäre nicht mehr so viel im Argen", sagt Born, "aber jetzt müssen wir ausgerechnet nach München. Dann kommt das Dreh- und Angelspiel zu Hause gegen Köln."

Schwarzsehen will Born aber nicht: "Ich habe Hoffnung, dass Werder das alles durchsteht. Mit den Fans im Rücken können wir da unten raus kommen. Sehr lange abwarten kann man allerdings nicht mehr."

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