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Willi Lemke (l., mit Marco Bode) war von 1981 bis 1999 Manager von Werder Bremen

Bremen/München - Der Machtkampf ums Geld tobte nur wenige Tage, am Ende knickte der Sparkommissar schneller ein als gedacht: "Werder-Willi" Lemke dankt in Bremen ab.

Die Ära des Aufsichtsratsvorsitzenden an der Weser endet spätestens 2016.

"Ich werde die verbleibende Zeit meiner Amtsperiode nutzen, um aktiv den Prozess einzuleiten, eine verantwortungsvolle Nachfolgeregelung für mich als Aufsichtsratsvorsitzenden zu finden", gab der 68-Jährige am Montagabend nach einem Gipfeltreffen mit der Vereinsführung bekannt.

Kurz und heftig

Der Abschiedsankündigung war ein kurzer, aber heftiger Streit um die strategische Ausrichtung des Klubs vorangegangen: Soll der Tabellenletzte aus Bremen angesichts des drohenden Abstiegs neue Schulden aufnehmen, um im Winter neue Spieler zu kaufen oder nicht? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der bisher für seinen strikten Sparkurs berüchtigte sowie heftig kritisierte Lemke gab sich nach dem Gespräch mit der Werder-Geschäftsführung um den Vorsitzenden Klaus Filbry, Sportchef Thomas Eichin und der grauen Eminenz des Klubs, Klaus-Dieter Fischer, geschlagen.

Plötzlich und überraschend zeigte Lemke Bereitschaft, den Plan einer riskanteren Finanzpolitik mittragen zu können.

"Beherrschbare Risiken"

"Unternehmerische Verantwortung ist immer ein Kennzeichen des Handelns bei Werder gewesen und ich sehe keinen Gegensatz darin, sich dabei auch über sinnvolle Modelle zu unterhalten, wenn die Risiken beherrschbar sind", sagte Lemke, der an der Waterkant seit jeher für seinen 'Igel in der Tasche' berühmt ist.

Nachdem Fischer die Diskussion um Werders neuen Kurs in der vergangenen Woche angeschoben hatte, zeigte sich Lemke noch "völlig überrascht".

1981 hatte der Familienvater seine steile Karriere bei Werder begonnen. Fortan war Grün-Weiß Lemke, Lemke war Grün-Weiß. Zusammen mit Trainerlegende Otto Rehhagel führte der heute 68-Jährige die Norddeutschen an die Spitze der Bundesliga.

Mit bescheidenen Mitteln holte Werder unter der Regie des Managers Lemke bis 1999 zweimal die deutsche Meisterschaft, dreimal den DFB-Pokal und gewann den Europapokal der Pokalsieger.

Seit Lemke 1999 in den Bremer Aufsichtsrat wechselte, dem er ab 2005 vorsaß, lagen aber nicht alle Führungskräfte Werders mit ihm auf einer Wellenlänge. So war zum Beispiel sein Verhältnis zum langjährigen Vereinspräsidenten Jürgen L. Born von herzlicher Abneigung geprägt.

Born stichelt gegen Lemke

"Ich war der erste, der 2009 seine Kündigung geschrieben hatte. Was Lemke anschließend für ein Theater im Fernsehen veranstaltet hat, war wahrscheinlich auf meine Beliebtheit zurückzuführen", sagt Born bei SPORT1 angesprochen auf das bevorstehende Ende der Ära Lemkes.

"Nun geht auch Herr Lemke und ich glaube, dass das im Zuge der Personal-Verjüngung bei Werder Bremen passiert."

Schmunzelnd fügt Born hinzu: "Lemke sagt das Ganze wäre eine Racheaktion von mir. Wenn ich so gut in Form wäre, dann wäre ich ganz stolz."

Bode aussichtsreicher Nachfolgekandidat

Das bevorstehende Aus des einstigen Erfolgsgaranten wurde nun versteckt in einer Pressemitteilung mit dem Titel "Werder packt Zukunftsthemen gemeinsam an" angekündigt.

Als aussichtsreicher Kandidat auf Lemkes Nachfolge gilt Ex-Profi und Aufsichtsratsmitglied Marco Bode. Der frühere Nationalspieler wurde zuletzt von Infront-Geschäftsführer Günter Netzer ins Gespräch gebracht.

"Diesen Jungen schätze ich über alle Maßen: Er ist hochintelligent, hocheloquent, ein charakterlich einwandfreier Junge", sagte Netzer dem "Weser-Kurier". Bode sollte man "noch mehr Verantwortung übertragen".

Bremer Kaufmannstugenden auch nach Lemke gefragt

Erst am Sonntag hatte Werder bekannt gegeben, den ursprünglich bis 2019 datierten Vertrag mit seinem Sportrechtevermarkter Infront bis 2029 verlängert zu haben.

Dafür soll sofort ein Betrag im hohen einstelligen Millionenbereich in die Kassen fließen.

"Wir werden mit der Situation verantwortungsbewusst umgehen und auf dem Transfermarkt nur dann agieren, wenn wir die absolute Notwendigkeit sehen und mit voller Überzeugung handeln können", sagte Eichin. Der Kampf ums Geld wird in Bremen weitergehen. Auch ohne Lemke.

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