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Zwischen 1989 und 2002 absolvierte Marco Bode für Werder Bremen 379 Bundesligaspiele

Vor dem Spiel beim FC Bayern spricht Bremens designierter Aufsichtsratsboss Marco Bode bei SPORT1 über die Krise von Werder.

Mehr Grün-Weiß geht eigentlich nicht.

Marco Bode spielte in seiner Karriere als Fußball-Profi nur für Werder Bremen. Zwischen 1989 und 2002 erzielte er in 379 Erstligaspielen 101 Tore für die Norddeutschen.

Nach dem Ende seiner Fußballer-Laufbahn arbeitete der frühere Nationalstürmer unter anderem als Fernseh-Reporter.

Seit 2012 ist Bode Mitglied im Aufsichtsrat der Bremer. Am Mittwoch gab der 45-Jährige bekannt, dass er demnächst die Nachfolge des langjährigen Werder-Managers Willi Lemke als Aufsichtsratsvorsitzender übernehmen wird.

Beruflich läuft also alles bestens, sportlich bereiten ihm seine Werderaner Kopfzerbrechen. Der Klub ist nach sieben Spielen sieglos Tabellenletzter. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor dem Spiel beim FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Bode im SPORT1-Interview über die Bremer Krise, Trainer Robin Dutt, Sportchef Thomas Eichin - und den neuen Job.

SPORT1: Herr Bode, Werder ist Ihr Verein. Wie sehr schmerzt es zu sehen, was aus dem einstigen Vorzeige-Klub geworden ist?

Marco Bode: Platz 18 schmerzt natürlich sehr, aber wir sind auch noch früh in der Saison und ich habe die Hoffnung, dass wir da noch eine Trendwende schaffen. Insgesamt hat sich die Krise von Werder schon seit Jahren entwickelt und ich will in Zukunft dazu beitragen, dass wir da Schritt für Schritt wieder rauskommen. Ich glaube nach wie vor an die Mannschaft. Es gab in den bisherigen Spielen auch Phasen, wo die Truppe gezeigt hat, dass sie Spiele gewinnen kann. Ich bin überzeugt davon, dass das auch in den nächsten Wochen umgesetzt wird.

SPORT1: Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für die Krise? Ist der Kader zu schwach?

Bode: Wir haben keinen schwachen Kader. Wir waren einige Male nah dran, haben nur noch keinen Sieg gelandet. Mit einem Dreier gegen Hoffenheim oder auch gegen Nürnberg würde die Situation jetzt anders aussehen. Hätte, wenn und aber zählt aber nicht, sondern wir müssen noch ein bisschen mehr investieren und die gute Einstellung beibehalten. Die Mannschaft muss den Glauben an sich haben, dass sie gut genug ist in der Liga zu gewinnen.

SPORT1: Sie werden neuer Aufsichtsratsvorsitzender und damit Nachfolger von Willi Lemke. Wie kam es dazu?

Bode: Ich habe am Mittwoch meine persönliche Entscheidung bekanntgegeben, dass ich bereit bin für mehr Verantwortung und die Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender zu übernehmen. Diese Entscheidung kann aber nur der Aufsichtsrat treffen und das werden wir in den nächsten Wochen diskutieren. Wenn alle von mir überzeugt sind, dann werde ich die Nachfolge von Willi Lemke antreten.

SPORT1: Mit welchen Zielen?

Bode: Ich habe ein großes Interesse daran, Werder zu helfen und in der neuen Rolle kann ich das sicher stärker als bisher, obwohl ich schon in den letzten anderthalb Jahren im Aufsichtsrat meine Meinung und meine Ideen mit eingebracht habe. Es wäre eine Erweiterung der Aufgaben, aber ich bin auch nicht völlig neu an Bord. Das Okay der anderen Aufsichtsräte vorausgesetzt, glaube ich, dass ich dann auch schon sehr bald anfangen werde.

SPORT1: Trainer Robin Dutt steht massiv in der Kritik. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Bode: Aus meiner Sicht hat er das Ganze im Griff. Seine Mannschaftsführung ist sehr gut. Das Team steht hinter ihm und zeigt auf dem Platz, dass es bereit ist, diesen Weg zu gehen. Das sind alles positive Hinweise dafür, dass die Verbindung zwischen Trainer und Mannschaft funktioniert.

SPORT1: Sportchef Thomas Eichin ist jetzt gut ein Jahr im Amt. SPORT1-Experte Mario Basler hat ihn hart kritisiert und meinte, wenn einer jahrelang im Eishockey tätig war und dann auf einmal Sportdirektor im Fußball wird, dass dies ein himmelweiter Unterschied sei und Eichin sich hinterfragen soll.

Bode: Ich glaube, dass Mario Basler mit seiner Aussage ziemlich danebenlag. Thomas Eichin ist hoch engagiert und wir haben ihn damals bewusst ausgewählt mit dem Gedanken, dass er quer denken kann. Natürlich sind der Sportchef und der Trainer abhängig von Ergebnissen. Eichin macht einen guten Job.

SPORT1: Eichin ist gewiss nicht zu beneiden. Ihm wird vorgeworfen, dass seinen Worten keine Taten folgen.

Bode: Für Dutt und Eichin ist es momentan sehr schwer eine Situation zu verkaufen, die einfach schlecht ist. Wenn man auf Platz 18 steht, gehen einem die Argumente aus. Es kommt aber nicht nur darauf an, was man nach außen erzählt, sondern wir müssen den richtigen Plan entwickeln und darauf vertrauen, dass dieser Weg richtig ist.

SPORT1: Wichtig war sicher die Finanzspritze vom Vermarkter "Infront". Wie erleichtert sind Sie?

Bode: Wir haben den Vertrag verlängert und bekommen dadurch kurzfristig etwas Handlungsspielraum. Es ist aber nicht so, dass wir neun Millionen bis 2029 bekommen. Wir bekommen über die nächsten Jahre schon etwas mehr. Es erweitert unsere Möglichkeiten ein wenig, ist aber kein Grund zur Euphorie, sondern nur ein positives Puzzleteil, was sicherlich hilft.

SPORT1: Ist das Geld auch für den Worst Case Zweite Liga?

Bode: Über die Zweite Liga denken wir nicht nach. Ob wir im Winter aktiv werden und den Kader noch verstärken werden, das werden wir in Ruhe überlegen. Das wird der Job von Thomas Eichin sein. Da müssen wir voll überzeugt sein, werden das aber nicht öffentlich diskutieren, sondern intern besprechen.

SPORT1: Werder muss am Samstag zum FC Bayern. Wie viel Sinn macht es, die Reise anzutreten?

Bode: Wir müssen ja spielen. (schmunzelt) Natürlich muss man realistisch sagen, dass die Bayern der große Favorit sind. In einem Fußballspiel ist aber immer alles möglich. Wir müssen dort mutig auftreten und mit einem guten Plan, dann haben wir auch Chancen in München etwas zu holen. Mit einer guten Leistung ist ein Punkt durchaus drin. Nichts ist unmöglich.

SPORT1: Glauben Sie, dass Robin Dutt bei Niederlagen in München und zu Hause gegen den 1. FC Köln noch Werder-Trainer ist?

Bode: Das hat nichts mit Glauben zu tun. Ich kann nur sagen, dass bei allen Dingen, die ich auf dem Platz sehe, Robin einen klasse Job macht und deshalb bringt mich nichts dazu in eine andere Richtung zu denken.

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