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Pep Guardiola hat beim FC Bayern einen Vertrag bis 2016

Vor dem Bremen-Spiel gibt sich der FCB-Coach selbstkritisch. Die Verletzung Thiagos und seine Behandlung bleiben ein Politikum.

16 Minuten lang hatte Pep Guardiola die Fragen beantwortet. Zumeist mit entspannter Miene.

Zum nächsten Gegner Werder Bremen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), zum Rivalen Dortmund und natürlich dem berühmtesten Bayern-Patienten: Thiago Alcantara. 

Doch dann brach es aus dem Trainer heraus, direkt und unmittelbar. Der Anlass: die Behandlung Thiagos im Frühjahr bei Guardiolas Vertrauensarzt Dr. Ramon Cugat.

"Vielleicht war es ein großer Fehler", sagte er dazu auf SPORT1-Nachfrage.

Damit räumte der 43-Jährige erstmals öffentlich ein, bei seiner Entscheidung im Frühjahr mitunter falsch gelegen zu haben.

Planung zum zweiten Mal über Haufen geworfen

Nach Thiagos erster Innenband-Verletzung am 29. März legte Guardiola fest, ihn in Barcelona behandeln zulassen. Und nicht beim FC Bayern, wo sie doch in München davon überzeugt sind, mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt den besten Sportmediziner überhaupt an Bord zu haben.

In Barcelona arbeiteten sie dann einer Turbolösung. Für den FC Bayern, die wichtigen Spiele in der Champions League und auch die WM mit Spanien.

Kortisonspritzen sollten für eine schnelle Genesung sorgen. Und - tatsächlich - im Mai stand Thiago bereits wieder im Kader zum Spiel gegen den VfB Stuttgart, ehe das Innenband im Training erneut riss. Eine mittlere Katastrophe in Guardiolas Planung.

Müller-Wohlfahrt hatte gewarnt

Die Kortison-Behandlung war von Vereinsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt im Nachhinein kritisiert worden, der lange schwelende Konflikt zwischen Arzt und Trainer wurde so zum klubinternen Politikum.

Thiago kämpfte sich indes über den Sommer zurück, trickste bereits wieder im Training. Dann der Schock! Am Mittwoch erleidet er erneut einen Teilriss des bereits geschädigten Bandes, wird bis März ausfallen.

Und der erneute Rückschlag gibt Rätsel auf, zumal Thiago auf dem besten Weg zurück ins Team schien.

Der Verein nennt als Ursache eine "Narbeninsuffizienz". Es ist bereits die zweite Folgeverletzung Thiagos nach einer Blessur, die bei normalem Verlauf in sechs bis acht Wochen verheilt ist.

"Meine und Thiagos Entscheidung"

"Es war meine Entscheidung und die Thiagos, ihn in Barcelona zu behandeln, wir vertrauen unserem Dok sehr", sagte Guardiola jetzt auf dem Pressepodium an der Säbener Straße.

Allerdings betonte Bayerns Cheftrainer auch, dass diese Entscheidung "fünf Monate" zurückliege und niemand wisse, welchen Einfluss das auf die aktuelle Leidensgeschichte hat.

Als ursächlich sieht er sie jedenfalls nicht an, so viel wurde deutlich.

"So ist das Leben"

"Niemand weiß den Grund, auch die Ärzte nicht", erklärte Guardiola. "Das ist Fußball, das passiert. Präsident, Trainer, Ärzte, Physios: Wir haben alles gemacht, damit er wieder gesund wird."

Und dann sagte der Katalane den Satz, den er zuletzt - quasi wie ein Schutzschild - immer wieder ausgesprochen hat: "Ich bin kein Arzt, du musst mit den Ärzten sprechen."

Keine Schuldzuweisungen

Umgekehrt bemühte er sich auch in Richtung medizinischer Abteilung des FCB versöhnliche Töne zu senden, alle Entscheidungen bei Thiago, wie der Wiedereinstieg ins Training, seien gemeinsam getroffen worden, betonte er fast mantrahaft.

Thiago ist Guardiolas Schlüsselspieler.

Einer, der den Unterschied ausmachen soll, wenn es in der Champions League im nächsten Frühjahr womöglich gegen Barcelona oder Paris St. Germain geht. Jetzt muss der Coach umplanen. Radikal und mit doppeltem Boden.

Guardiola ist überzeugt alles getan zu haben

Auch Bastian Schweinsteiger und Javier Martinez, ausgewiesene Mittelfeld-Experten, fehlen ja aktuell verletzt.

Doch Guardiola dachte vor allem an den leidenden Thiago.

"Für ihn ist es schwer", sagte er mitfühlend. "Müller-Wohlfahrt und Physio Lorenzo Buenaventura haben alles gemacht. Nächste Woche wird er wieder operiert, jetzt ist das Wichtigste eine gute Behandlung." 

Wie eine schwere Verletzung an der Seele eines Fußballers nagen kann, weiß Guardiola aus eigener Erfahrung. 1997/1998 ließ ihn eine Knieverletzung fast die gesamte Saison mit dem FC Barcelona verpassen, der Mittelfelddirigent litt heftig.

"Keine Worte, um Thiago zu helfen"

"Es gibt keine Worte, um Thiago zu helfen", schilderte er auf SPORT1-Nachfrage seine Erfahrung. "Wenn du verletzt bist und alles getan hast, musst du kämpfen, kämpfen, um deinen Beruf zu machen."

Zugleich dachte er auch an Javier Martinenz (Kreuzbandriss), Holger Badstuber (Muskelsehnenriss im Oberschenkel) und Bastian Schweinsteiger (Patellasehnen-Probleme), die allesamt lange ausfallen.

"Wir sind mit Javier, Thiago, Badstuber, Basti besser. Aber wir müssen die Situation akzeptieren, heute ist Regen, morgen ist Sonne."

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