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München - Zorc geht auf Distanz zu den Spielern. SPORT1-Experte Strunz spricht von "internen Problemen". Auch Klopp wird kritisiert.

Von Holger Luhmann

München - Es rumort bei Borussia Dortmund.

Die "echte Liebe", mit der die Schwarz-Gelben so gerne kokettieren, hat nach dem kapitalen Fehlstart deutlich an Harmonie verloren.

Das betrifft nach dem 1:2 beim 1. FC Köln nicht nur das Verhältnis zum leidenschaftlichen Anhang, sondern vor allem die Binnenbeziehung innerhalb der Borussia.

Liebesentzug für die Stars

Bedenklich sind die Aussagen von Michael Zorc nach der bereits fünften Niederlage in dieser Spielzeit. "Sogenannte Führungsspieler machen kapitale Böcke", prangert der BVB-Sportdirektor an.

Bezeichnend, dass er sie als "sogenannte" Führungsspieler bezeichnet. Dass sie es wirklich sind, und keine Maulhelden, müssen sie erst wieder aufs Neue beweisen.

Zorc geht auf Distanz zu den Spielern. Sogar zu den Stars. Liebesentzug!

Die Gefühlswelt beim BVB ist erheblich gestört.

Das böse Wort "Krise"

Zorc macht keinen Hehl daraus, dass der Ist-Zustand alarmierend ist.

Er spricht von der "schwierigsten Situation in den vergangenen Jahren", davon, dass es "überall ein bisschen" fehlt.

Und nimmt das böse Wort in den Mund: "Krise".

Team falsch zusammen gestellt?

Woran liegt es? Was ist schief gelaufen in den vergangenen Wochen und Monaten?

In den sozialen Netzwerken nennen die enttäuschten BVB-Anhänger durchaus Gründe.

Die Mannschaft sei falsch zusammen gestellt worden, moniert jemand. Ein Vorwurf, den sich dann in erster Linie Zorc selbst gefallen lassen müsste.

Natürlich wird auch immer wieder auf den Abgang von Robert Lewandowski hingewiesen. Eine Lücke, die Ciro Immobile und Adrian Ramos so schnell nicht schließen können. Werden sie es überhaupt?

Der Fluch der guten Tat

Passt das neue Team nicht zusammen?

"Man muss sich fragen, ob die Mannschaft noch intern funktioniert", sagt SPORT1-Experte Thomas Strunz und schiebt nach: "Am Ende geht es gar nicht mehr um Probleme auf dem Platz, sondern um interne Probleme in der Kabine, die die Mannschaft mal ohne den Trainer hinterfragen sollte." (Kolumne)

Ist der Kader vielleicht doch zu aufgebläht? Sind all die Verpflichtungen, mit denen der BVB auf die vielen Verletzungen im Vorjahr reagiert hat, zum Fluch der guten Tat?

Indem der große Konkurrenzkampf keine verschworene Mannschaft zulässt?

Zorc fehlt die "nötige Gier"

Die Fans hinterfragen auch die Einstellung der Spieler.

Der Verdacht liegt nahe. Während die Borussia in der Bundesliga auf Platz 14 abgestürzt ist, stehen in der Champions League vor dem Auswärtsspiel bei Galatasaray Istanbul am Mittwoch Siege gegen den FC Arsenal und beim RSC Anderlecht zu Buche. 

Mögen die Borussen nur noch den internationalen Glamour und nicht mehr den tristen Liga-Alltag?

Sogar Zorc spricht den Spielern "die nötige Gier und den unbedingten Willen, Tore erzielen zu wollen" ab.

Ähnlich sieht es Strunz: "Was mir auffällt ist, dass der letzte Biss nicht da ist."

Todsünde: Keine Lust auf Maloche

Keine Leidenschaft, keine Bereitschaft zur Maloche - das ist sozusagen die Todsünde, die ein BVB-Profi begehen kann.

Dass Ilkay Gündogan nach 430 Tagen ein gelungenes Comeback gab und ebenso wie Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan wieder auf dem Platz stand, hellte die Stimmung bei den Dortmundern nicht auf.

Nachdem Immobile mit seinem zweiten Saisontor den Rückstand durch Kevin Vogt ausgeglichen hatte, war es wieder einmal ein gravierender individueller Patzer, der dem BVB das Genick brach.

Diesmal machte sich Weltmeister Roman Weidenfeller zur Lachnummer.

Klopp mit dem Kopf durch die Wand

Und Jürgen Klopp?

Auch der Trainer kommt nicht ohne Schrammen davon.

Einige Fans schimpfen: Klopp habe nur ein System im Kopf und wolle mit diesem durch die Wand.

Einige Experten hatten dies zuletzt ebenfalls schon kritisiert.

Das Verhältnis zu Klopp will Zorc aber nicht in Frage stellen. "Der Trainer", sagt er, "bereitet die Mannschaft vor, total detailliert und sorgfältig. Aber es muss dann auch umgesetzt werden. Daran hapert es."

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