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Nach dem 0:6 in München steht bei Werder Bremen die Trainerfrage mehr denn je im Raum. Robin Dutt weiß, was zu tun ist.

Von Martin van de Flierdt

München - Thomas Eichin hat mit ihr zu leben gelernt. Seit er Mitte Februar 2013 als Geschäftsführer Sport bei Werder Bremen angefangen hat, ist ihm die Trainerfrage eine treue Begleiterin gewesen. Zunächst bezog sie sich auf Thomas Schaaf, seit dem vergangenen Sommer auf Robin Dutt.

"Ich habe es irgendwann gelassen, darauf zu antworten", sagte der ehemalige Abwehrspieler am Sonntag im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1. "Entweder wurde unterstellt 'er eiert rum'. Habe ich gesagt, der Trainer sitzt auf jeden Fall in der nächsten Woche auf der Bank, wurde das als Jobgarantie auf Lebenszeit interpretiert."

Die Erkenntnis blieb: Sind die Spekulationen einmal in der Welt, lassen sie sich auch mit klaren Aussagen nicht mehr einfangen.

Bremen mit Negativrekorden in München

Nach dem desaströsen Bremer Auftritt beim 0:6 bei Meister Bayern München (Bericht) steht die Frage nun wieder einmal in sperrigen Versalien im Raum. "Nicht bundesligatauglich" nannte auch Eichin selbst das ängstliche wie körperlose Begleiten der Münchner Stars in der Allianz Arena, mit dem die Grün-Weißen gleich mehrere Negativrekorde aufstellten.

So war der SV Werder nie zuvor mit acht sieglosen Spielen bei nur vier eingefahrenen Zählern in eine Saison gestartet. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Schlimmer noch: Zum ersten Mal seit Beginn der Daten-Aufzeichnungen im Jahr 1993 hatte es in den Bremern eine Mannschaft nicht geschafft, in 90 Minuten einen Torschuss abzugeben. Dabei - das zur Erklärung - werden sogar gründlich verzogene Abschlüsse in dieser Statistik erfasst.

Werder besitzt damit ein wenig schmeichelhaftes Alleinstellungsmerkmal unter knapp 13.000 Teams.

Dutts beschränkte Handlungsmöglichkeiten

"So ein Spiel geht nicht spurlos an einem vorbei", räumte auch Dutt am Tag nach der Partie ein.

Als Trainer des Tabellenachzehnten hat er wenige Argumente auf seiner Seite. Doch auch wenn die Verantwortung für die sportliche Bilanz wesentlich bei ihm liegt, bescheinigt ihm Eichin "einen ganz hervorragenden Job".

Der Geschäftsführer weiß schließlich um die beschränkten Handlungsmöglichkeiten Dutts, der den Kurs der finanziellen Konsolidierung des Vereins mitträgt. Auch wenn das zur Folge hat, dass sich der Trainer immer wieder für Rückschläge verantworten muss, die er aufgrund des preisgünstigeren Kaders nur bedingt hat verhindern können.

"Die Qualität des Kaders, wenn ich das Herzstück mit Innenverteidigung und defensivem Mittelfeld betrachte, ist einfach zu schlecht", urteilt SPORT1-Experte Thomas Strunz. "Wenn kein Geld da ist, kann ich nur bestimmte Spieler bezahlen."

Eichin: "Es gibt ein Qualitätsproblem"

Im Volkswagen Doppelpass gab Eichin ihm bedingt Recht: "Wir mussten die Personalkosten drastisch herunterfahren, und da gibt es dann immer ein Qualitätsproblem."

Allerdings relativierte Werders Geschäftsführer, dass das Personal dennoch gut genug sein müsste, "normalerweise um Platz 12 herum zu spielen". Dafür müssen die Grün-Weißen aber schleunigst die Kurve kriegen. Das sieht auch Eichin so: "Das Spiel am Freitag gegen Köln kann man ruhig als Endspiel bezeichnen."

Ausgerechnet vor der Partie gegen den FC hofft man an der Weser auf die Wirkung des rheinischen Grundgesetzes. Frei nach dem Motto "Et hätt noch emmer joot jejange" erinnert Dutt an das Vorjahr, als auch heftigen Abfuhren wie dem 0:7 daheim gegen den FC Bayern oder dem 1:5 gegen Dortmund die Wende zum Guten folgte.

Dutt muss "die richtigen Hebel" ansetzen

"Wir haben schon sehr viele Rückschläge verschiedenster Natur in den letzten 15 Monaten gehabt", sagt er. "Mich macht zuversichtlich, dass ich die Mannschaft kenne und wir bisher immer zurückgekommen sind, weil wir den richtigen Hebel angesetzt haben und die Mannschaft sehr selbstkritisch ist." 

Dutt muss Werder schleunigst wieder zur mannschaftlichen Geschlossenheit verhelfen, die in der Vorsaison Basis des Klassenerhalts war. Ansonsten dürften ihm die Verdienste der Vergangenheit nicht mehr helfen.

"Wir werden alle an Ergebnissen bemessen, das sind die Mechanismen der Bundesliga", erklärt Eichin. "Das weiß auch Robin Dutt." Der Coach richtet seine volle Konzentration daher auf die Trainingsarbeit.

"Wir sollten in dieser Woche nicht zu viele Ankündigungen machen, was wir alles verändern und tun und machen", findet er. "Die Ankündigungen vor dem Mikrofon nimmt uns in dieser Woche doch sowieso keiner ab. Es gibt nur einen Ort, wo du eine Antwort geben kannst. Und das ist am Freitag um 20.30 Uhr gegen Köln."

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