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Borussia Mönchengladbach hat in acht Spielen erst vier Gegentore kassiert

München - Wer liegt denn da direkt hinter dem FC Bayern? Gladbach, Mainz, Hoffenheim und Wolfsburg. Kämpferisch ist nur die Borussia.

Von Frank Hellmann

Max Eberl stammt nicht nur aus dem niederbayerischen Bogen, sondern er kennt auch die Verhältnisse beim FC Bayern noch genau.

Bereits mit sechs Jahren kickte Eberl an der Säbener Straße, durchlief sämtliche Jugendmannschaften und wurde auch Profi in München, allerdings setzten die Bayern ihn nur ein einziges Mal in der Bundesliga ein. 23 Jahre ist das jetzt her, aber Eberls Bezug zum FC Bayern besteht.

Wohl auch deshalb machte der heutige Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach eine Ausnahme und sprach bereits über das übernächste Spiel.

Während Trainer Lucien Favre bislang nur über das Europa-League-Heimspiel gegen Apollon Limassol reden möchte, ging Eberl am Wochenende einen Schritt weiter.

Spitzenspiel wie in den 70ern

Am Sonntag kommt der FC Bayern zum Spitzenspiel in den Borussia-Park. Mönchengladbach fordert München - der alte Klassiker aus den 70er-Jahren.

"Für die Öffentlichkeit ist das wie gemacht", sagte Eberl, "und für uns gilt es, Paroli zu bieten."

Eberl mit forschen Worten

Man werde, so der 41-Jährige ungewohnt wortgewaltig, "jetzt bestimmt nicht den Schwanz einziehen." Bayern könne sich auf einen "großen Kampf" einstellen.

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Nur Staffage für den Tabellenführer abzugeben, beim Schaulaufen noch applaudieren, das käme nicht infrage.

Hahn will Liga spannend halten

Und für Flügelflitzer Andre Hahn besteht sogar diese Verpflichtung: "Wenn wir das Spiel gewinnen, bleibt die Liga spannend. Wir sind in überragender Form."

Tatsächlich ist die Brust der Borussia breit; niemand wirkt von den Bayern-Verfolger so stabil wie die in 13 Pflichtspielen ungeschlagene Elf vom Niederrhein.

Favre rotiert geschickt

Und niemand agiert effektiver. Dazu hat der Kader an Qualität in der Breite gewonnen, die Rotation betreibt Trainer Lucien Favre mit großem Erfolg.

"Wir sind bereit für die Herausforderungen", verspricht der Schweizer, der sich aber gegen den Begriff "Bayern-Jäger" noch wehrt: "Es sind auch andere Mannschaften noch oben dabei."

Hoffenheim und Mainz punktgleich

Wohl wahr. Dahinter teilen sich die TSG 1899 Hoffenheim und der FSV Mainz 05 punktgleich den dritten Rang.

Wobei die Kraichgauer am Sonntag mit ihrem 1:1 beim Hamburger SV durchaus zufrieden waren. "Wir haben wieder einen Punkt auf dem Konto, auch wenn wir wissen, dass wir in der zweiten Halbzeit besser hätten spielen können", sagte Kapitän Andreas Beck.

"Ich denke, nach den 90 Minuten kann man hier sehr gut mit einem Punkt leben", sagte Stürmer Kevin Volland und betonte: "Wir haben uns grundsätzlich nie als Bayern-Jäger gesehen."

Mit Gisdol Reset-Taste gedrückt

Die Fehler aus der Vergangenheit, als die TSG Hoffenheim orientierungslos durch die Liga irrte und sich nacheinander Marco Pezzaiuoli, Markus Babbel, Holger Stanislawski und Marco Kurz versuchen durften, sind abgestellt.

Aber erst als Markus Gisdol sich in höchster Not beweisen durfte, wurde die Reset-Taste gedrückt. Eines mag der 45-Jährige aber gar nicht: als Spitzenteam bezeichnet zu werden.

Und dann ist ja auch noch der FSV Mainz, der sich zwar in der Qualifikation zur Europa League und im DFB-Pokal blamierte, aber in der Bundesliga ebenfalls den Nimbus der Unbesiegbarkeit verteidigt.

Hjulmand freut sich nicht über Sieg

Die Bilanz von 14 Punkten findet nicht nur Trainer Kasper Hjulmand prächtig, und doch freute sich der Däne nicht über den 2:1-Heimsieg gegen den FC Augsburg.

Grund: Der Ausfall von Antreiber und Torschütze Jonas Hofmann. Die Dortmund-Leihgabe verdrehte sich das Knie und fällt mit einem Außenbandriss wochenlang aus. Bitter für die Rheinhessen.

"Meine Gedanken sind bei Jonas. Er ist ein sehr guter Junge, er hat hier jeden Tag hart gearbeitet", sagte Hjulmand.

Kein Blick nach Europa

Der Nachfolger von Thomas Tuchel will einen Entwicklungsprozess weiterführen, aber sicher nicht die Europapokalplätze angreifen: "Der dritte Platz bedeutet lediglich, dass wir auf einem guten Weg sind."

Auch für Manager Christian Heidel geht es allein darum, sich in der Liga zu etablieren. Aber Bayern-Jäger zu sein, das ist mal ein schlechter Karnevalsscherz.

Am ehesten hätte der VfL Wolfsburg die finanziellen Mittel dafür, doch auch da ist Understatement angesagt. "Wir tun gut daran, uns Schritt für Schritt zu entwickeln", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs.

Als Orientierungspunkt für den Werksklub gelten Bayer Leverkusen, Schalke 04 oder Borussia Dortmund, die in der Champions League spielen. Dorthin will auch die Fußball-Tochter des VW-Konzerns.

"Mittelfristig wollen wir die Champions League wieder erreichen. Man kann aber nicht alles auf einen Schlag erreichen", stellte Trainer Dieter Hecking erst kürzlich wieder fest. Bayern-Jäger? Bitte nicht. Dieses Attribut ist offenbar eine so große Belastung, dass niemand es auf sich nehmen möchte.

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