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Thomas Eichin ist seit Februar 2013 Sportdirektor von Werder Bremen

Bremen - Die sportliche Misere an der Weser liegt wesentlich daran, dass Werder Bremen kaum Geld ausgeben kann. Es herrscht Ebbe in der Kasse.

Von Frank Hellmann

Bremen - Thomas Eichin gibt gerne zu, dass er sich als ehemaliger Eishockey-Manager mit einigen Gepflogenheiten der Fußball-Branche erst vertraut machen musste.

Beispielsweise kannte es der Geschäftsführer von Werder Bremen zuvor bei den Kölner Haien gar nicht, dass für die Profis in den Bilanzen Abschreibungen fällig werden.

Im Eishockey laufen die Verträge in der Regel nur ein Jahr, und Ablösesummen sind nicht üblich.

Das erleichterte die Arbeit. Eichin: "Im Eishockey bekommt man so mit etwas mehr Sicherheit das, was man kauft." Anders ist es im Fußball.

Allofs verspekulierte sich

"Du musst viel mehr spekulieren", sagt der 48-Jährige. Und dabei kann man sich verspekulieren.

Das war seinem Vorgänger Klaus Allofs passiert, unter dem die Bremer ohne die Champions-League-Einnahmen tief in die roten Zahlen gerutscht waren.

Eichin übernahm im vergangenen Jahr noch viele Spieler, bei denen Bezahlung und Gegenleistung nicht überein stimmten: Marko Arnautovic, Mehmet Ekici oder Eljero Elia sind dafür drei prägnante Beispiele.

Hochbegabt und tölpelhaft

Der hochbegabte, aber abseits des Platzes tölpelhafte Rechtsaußen Arnautovic kam 2010 für 6,5 Millionen Euro Ablöse. Allofs hatte die Hoffnung, ihn zum Klassespieler zu machen.

Pustekuchen. Im vergangenen Sommer war Eichin froh, Arnautovic für zwei Millionen an Stoke City abschieben zu können.

Spielmacher Ekici hatte 2011 gerade eine großartige Saison beim 1. FC Nürnberg hinter sich. Gemeinsam mit Ilkay Gündogan war die Leihgabe des FC Bayern das Herzstück der Franken.

Für fünf Millionen Euro wechselte der Deutsch-Türke dann nach Bremen. Und fiel gnadenlos durch. Zu weich. Erst diesen August wurde Eichin den Gutverdiener für 1,5 Millionen an Trabzonspor los.

Elia ist das nächste Minusgeschäft. Noch streicht der Niederländer mehr als zwei Millionen Euro Jahresgehalt ein.

Tagträumer Elia

Den lukrativen Vierjahresvertrag gab ihm Allofs, um 2012 das Flügelspiel zu beleben, doch Elia ist ein torungefährlicher Tagträumer.

Werder will ihn 2015 von der Gehaltsliste bekommen - ein Jahr vor Vertragsablauf. Die damals gezahlten 5,5 Millionen Euro an Juventus Turin wird man kaum zurückbekommen.

So geht das in einem Verein, der einst Diego und Mesut Özil mit gewaltigem Gewinn verscherbelte, schon seit Jahren.

Aus eingeweihten Kreisen heißt es, der inzwischen beim VfL Wolfsburg tätige Allofs sei mit der Aufgabe als Vorstandsvorsitzender am Ende seiner erfolgreichen Ära überlastet gewesen. Dazu funktionierte das Scouting immer schlechter.

Beängstigende Zahlen

Mit fatalen Folgen: Im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug das Minus 13,9 Millionen Euro, 2012/2013 waren es noch 7,9 Millionen - und wenn am 24. November bei der Mitgliederversammlung die Zahlen für 2013/2014 auf den Tisch kommen, wird ein Fehlbetrag in ähnlicher Größenordnung erwartet.

Das Eigenkapital wird dann abgeschmolzen sein. Genauso ist auch die Qualität des aktuellen Kaders am Tiefpunkt angelangt.

Ein Umstand, der Trainer Robin Dutt am Samstag den Job kostete. Nun darf sich sein Nachfolger Viktor Skripnik damit herumschlagen.

Am vergangenen Sonntag im Volkswagen Doppelpass gestand Eichin: "Wir mussten die Personalkosten drastisch herunterfahren, und da gibt es dann immer ein Qualitätsproblem."

Reduziertes Gesamtbudget

Selbst der erwartete Gesamtumsatz von rund 80 Millionen reicht bei einem reduzierten Gehaltsbudget von rund 29 Millionen angeblich nicht, um kostendeckend zu arbeiten.

Ein Grund: der viel zu teure Stadionausbau. Eichin hat im Sommer keine zwei Millionen Euro für neue Spieler ausgeben dürfen, sagt aber: "Unsere Transferpolitik ist momentan alternativlos."

Die von ihm ablösefrei geholten Izet Hajrovic, Alejandro Galvez und auch Fin Bartels haben Werder nicht wirklich weiter gebracht.

Deshalb haben sich die Grün-Weißen nun frisches Geld über den vorzeitig verlängerten Deal mit dem Vermarkter Infront besorgt, deshalb soll unter dem neuen Aufsichtsratschef Marco Bode auch das Tabu gebrochen werden, keine Schulden zu machen.

Bode will Optionen prüfen

Der Ex-Nationalspieler sagt: "Es ist jetzt an der Zeit, die eine oder andere Option zu prüfen, die man vorher nicht so in den Blick genommen hat."

Der 45-Jährige weiß: Ein Abstieg würde doppelt und dreimal so teuer. Für Eichin bleibt es schwierig: Er soll den Tabellenletzten zur Rückrunde sinnvoll verstärken, doch mehr als einen einstelligen Millionenbetrag hat er nicht zur Verfügung.

Denn da sind ja auch noch die Kosten, die Werder durch einen Senatsbeschluss der Hansestadt aufgebürdet werden. Bekanntlich soll die Deutsche Fußball-Liga (DFL) für Risikospiele in Bremen eine Rechnung erhalten, doch die Kosten für die Polizeieinsätze werden dann umgehend an den SV Werder umgeleitet.

Dem Vernehmen nach bildet der Klub dafür bereits eine siebenstellige Rücklage. Geld, das nicht für neue Spieler ausgegeben werden kann.

Ruiz-Transfer fraglich

Ob sich Werder so im Winter überhaupt den costa-ricanischen WM-Star Bryan Ruiz leisten kann, mit dem Eichin im Sommer einig war, ist fraglicher denn je, seit dieser beim FC Fulham wieder Stammspieler geworden ist.

Es braucht auch auf dem Transfermarkt wohl das, was man früher immer "Wunder von der Weser" genannt hat.

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