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Der BVB steht nach neun Bundesliga-Spielen auf Platz 15. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des 9. Spieltags

Borussia Dortmund will nach der Pleite gegen Hannover nichts von der Königsklasse wissen. Noch in der Kabine tagt der Krisenstab.

Dortmund - Am liebsten hätte sich Jürgen Klopp um die Analyse der jüngsten Pleite gedrückt.

"Ich habe das eine oder andere schon mehrfach gesagt, aber das liegt an der langen Negativserie", sagte der Trainer von Borussia Dortmund und formulierte im gleichen Atemzug die nächste Durchhalteparole: "Wir werden weiterkämpfen!"

Krisensitzung in der Kabine

Deutlich mehr Gesprächsbedarf schienen die Verantwortlichen des BVB zu haben. Unmittelbar nach dem Abpfiff begaben sich neben Mannschaft und sportlicher Leitung auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball in die Kabine.

Eine Lösung für die aktuelle Misere in der Bundesliga dürfte auch der erweiterte Krisenstab hinter verschlossener Tür noch nicht gefunden haben. Der Tiefschlag des 0:1 (0:1) gegen Hannover 96 (Spielbericht), das zuvor schlechteste Auswärtsteam der Bundesliga, zeigte Wirkung.

Der Blick auf die Tabelle nach dem sechsten Spiel in Folge ohne Sieg und der vierten Niederlage in Serie bereitet den Dortmundern arge Kopfschmerzen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Champions League "nicht realistisch"

"Wir brauchen nicht über die Saisonziele zu sprechen. Die Champions League ist derzeit nicht realistisch", sagte Manager Michael Zorc angesichts des drittschlechtesten Saisonstarts der Klubhistorie.

Zwar wäre eine kurze Abwesenheit in der Königsklasse wirtschaftlich zu verkraften, doch es geht um mehr. Unter anderem um gute sportliche Argumente bei den anstehenden Vertragsverhandlungen mit Marco Reus und Ilkay Gündogan.

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Sechs Niederlagen stehen für den achtmaligen Meister nach neun Spielen zu Buche, so viele wie für keinen anderen der 18 Bundesliga-Klubs - nicht einmal Schlusslicht Werder Bremen. Und nur noch ein Zähler trennt die Borussen von Relegationsrang 16.

Das sind die Fakten, ebenso wie die erneut schwache Chancenverwertung.

96-Keeper Zieler erwischt Sahnetag

"Der Gegner macht aus wenig viel, wir aus viel wenig", haderte Klopp, und Weltmeister Mats Hummels stellte fest: "Wenn wir unsere Chancen nutzen, dann gehen wir mit einem 3:0 nach Hause. Manchmal ist es bescheiden. Wir haben einige Partien, die ähnlich laufen."

Wieder einmal war gegen Hannover Geduld gegen einen defensiven Gegner gefragt. Dennoch erspielte sich der BVB "vier, fünf einhundertprozentige", so Klopp, traf aber nicht ins Tor.

Mal verhinderte der bärenstarke 96-Keeper Ron-Robert Zieler mit seinen Paraden einen Treffer, wie bei Hummels' Kopfball (18.), den er noch an die Latte lenkte. Mal fehlten Zentimeter, wie bei Reus' Flachschuss zwei Minuten später, der knapp am Pfosten vorbeistrich. Es waren zwei beispielhafte Szenen für viele andere.

Auch Psychotrick verpufft

Die Dortmunder Defensive präsentiert sich nach deutlichen Anlaufschwierigkeiten zu Beginn der Saison endlich stabil, ließ gegen Hannover bis zum Gegentreffer durch einen Freistoß von Hiroshi Kiyotake (61.) kaum Torchancen der Gäste zu. Dafür hapert es jetzt umso mehr im Angriff.

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Alles hatte der BVB versucht, den Champions-League-Geist beschworen und ganz tief in die psychologische Trickkiste gegriffen. Auf die Schnelle wurde bei der DFL eine Sondergenehmigung eingeholt, um in den Trikots aus der Königsklasse antreten zu dürfen.

Drei Siege und 9:0 Tore hatten die Dortmunder in drei Spielen auf der europäischen Bühne mit den komplett in gelb gehaltenen Shirts eingefahren. Gegen die Bundesliga-Misere halfen auch sie nichts.

"Müssen punkten - egal wer der Gegner ist"

Klopps Truppe bewies einmal mehr Kampfgeist, auch spielerisch war im Vergleich zu den letzten Liga-Auftritten gegen den Hamburger SV (0:1) und beim 1. FC Köln (1:2) ein Aufwärtstrend erkennbar.

"Aber wir müssen uns belohnen, und das tun wir nicht", ergänzte Klopp ratlos und blickte mit ernster Miene unter seiner schwarzen Baseball-Kappe hervor.

Von Verständnis für die Situation, Lob für den Kampfgeist oder Glück des Gegners will der 47-Jährige nach den Spielen nichts mehr hören: "Wir müssen dranbleiben, das ist alternativlos, und wir müssen punkten - egal wer der Gegner ist."

Klopp erwartet keine Schützenhilfe

Am Dienstag geht es im DFB-Pokal zum Zweitligisten FC St. Pauli, vier Tage später zum Prestigeduell mit Tabellenführer und Rekordmeister Bayern München. Vor der Winterpause muss der BVB noch gegen vier der derzeit besten sechs Bundesliga-Mannschaften antreten.

Angesichts der Gala-Auftritte in der Champions League ist es offensichtlich, dass mitspielende Mannschaften der Borussia entgegen kommen. Darauf vertrauen, dass die kommenden Gegner ihm diesen Gefallen tun werden, will Klopp aber nicht.

"Die wären ja schön doof, wenn sie's machen würden", sagte Klopp in einem Anflug von Galgenhumor, um dann ganz nüchtern festzustellen: "Helfen wird uns auch in den nächsten Wochen niemand, das müssen wir ganz allein klären."

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