Tabellenschlusslicht Werder Bremen rückt in der sportlichen Krise zusammen. Das hat sich schon einmal ausgezahlt.

Bremen - In der Not vertraut Werder Bremen auf die Kraft der vereinseigenen Identifikationsfiguren. Das war schon 1999 so, als der Novize Thomas Schaaf den etablierten Trainer Felix Magath beerbte und die Mannschaft neben dem Klassenerhalt auch noch zum DFB-Pokalsieg führte.

15 Jahre später soll nun Schaafs ehemaliger Schützling Viktor Skripnik die Grün-Weißen vor dem Abstieg bewahren. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich kann mich nur für diese Chance bedanken. Das ist alles wie ein Traum für mich. Ich habe sofort zugesagt", sagte der Ukrainer, der bereits am späten Freitagabend von Sportdirektor Thomas Eichin "vorgewarnt" worden war, bei seiner Vorstellung am Sonntagnachmittag.

Bode dämpft die Erwartungen

Der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende Marco Bode, am Samstag zum Nachfolger von Ex-Manager Willi Lemke bestimmt, machte keinen Hehl daraus, dass man bei der Entscheidung pro Skripnik auch die Parallele zu Schaaf im Kopf gehabt habe.

"Das war schon ein kleines Argument, aber wir wollen Viktor nicht mit Erwartungen überladen", sagte der Europameister von 1996.

Wichtiger waren in den Augen Bodes andere Qualitäten Skripniks, der seit 2004 als Nachwuchstrainer im Verein arbeitet: "Er hat den Blick auf den Nachwuchs, kann Spieler besser machen und bringt alle Voraussetzungen mit - außer Bundesliga-Erfahrung."

Eichin: "Skripnik bringt alles mit"

Letzteres ist für Geschäftsführer Thomas Eichin kein Malus: "Wir wollten hier bei Werder immer schon einen Trainer für solche Fälle entwickeln", sagte er bei einer Live-Schalte im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

"Er hat aber nur zwei Trainingseinheiten vor seinem ersten Spiel. Man darf jetzt von ihm keine Wunderdinge erwarten. Er bringt aber alles mit, um der Mannschaft wieder das Selbstvertrauen und die Mittel zu geben, Spiele zu gewinnen und sich weiterzuentwickeln."

Die erste dieser beiden Trainingseinheiten absolvierte der Nachfolger von Robin Dutt rund 41 Stunden nach der 0:1-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln vor rund 1.000 Zuschauern. "So viel Publikum", sagte Skripnik, "hatten wir zuletzt vor zehn Jahren nach dem Double-Gewinn beim Training."

Knifflige Pflichtaufgabe in Chemnitz

Die erste Pflichtaufgabe steht für ihn bereits am Dienstag in der zweiten Runde des DFB-Pokals an, wenn Werder beim Drittligisten Chemnitzer FC gastiert.

"So ist es mir lieber, als wenn wir bis zum nächsten Wochenende hätten warten müssten", meinte Skripnik, der mit Torsten Frings einen weiteren Werder-Haudegen aus großen Zeiten als Assistenten an seiner Seite weiß.

Gelingt es dem Ukrainer nicht schon bis Dienstag, das erschütterte Selbstvertrauen der ihm Anvertrauten zu stärken, droht in Chemnitz ein weiterer empfindlicher Tiefschlag. Mit dem Pokal-Aus hätte sich dann auch eine wesentliche Parallele zu Thomas Schaaf 1999 erledigt.

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