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Präsident Karl Hopfner (l.) und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge haben vor dem Bundesliga-Hit die Verantwortlichen von Borussia Dortmund nicht zum Mittagessen geladen

München - Ex-Präsident Uli Hoeneß warnt den FC Bayern vor einer Verpflichtung von Marco Reus. Denn die hätte weitreichende Konsequenzen.

Von Martin van de Flierdt

Wenn es wirklich wahr ist, was Uli Hoeneß seinen alten Weggefährten Karl-Heinz-Rummenigge und Franz Beckenbauer während eines Haftausflugs mitgeteilt hat, dann sind Sorgen angebracht.

"Überlegt euch das gut", hat er der "Sport Bild" zufolge mit Blick auf eine mögliche Münchner Verpflichtung von Dortmunds Marco Reus gesagt. "Wollt ihr denn schon Weihnachten Meister werden?"

Es ist nur noch das Wann, nicht mehr das Ob des nationalen Titels, das die Verantwortlichen des FC Bayern und seinen ehemaligen Präsidenten umtreibt. Das alleine ist für die Bundesligakonkurrenz schon deprimierend genug.

Reus-Transfer als K.o.-Schlag?

Doch vor dem direkten Aufeinandertreffen mit Borussia Dortmund am Samstag (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) scheint nun die Frage im Raum zu stehen, ob die Münchner dem zuletzt einzigen ernsthaften Mitbewerber um Titelehren wirklich noch einen weiteren, womöglich nachhaltigen Tiefschlag versetzen wollen.

Oder aus Eigennutz besser darauf verzichten. "Es war wie ein Herzinfarkt", hatte BVB-Coach Jürgen Klopp schon über den Verlust von Mario Götze gesagt. Die Verpflichtung des Juwels aus der Dortmunder Jugend sickerte 2013 just vor dem Champions-League-Halbfinale der Schwarz-Gelben gegen Real Madrid durch.

Dazu kam das monatelange öffentliche Gerangel um die Dienste von Angreifer Robert Lewandowski, den die Münchner schließlich zwar um ein Jahr verspätet, dafür aber ablösefrei an die Isar lotsten.

Rummenigges Spiel mit der Öffentlichkeit

Vor dieser Saison dann platzierte Bayerns Vorstandsboss Rummenigge mit der Preisgabe der Ausstiegsklausel von Reus ein weiteres Reizthema für die Borussen in der Öffentlichkeit. Garniert mit der süffisanten Bemerkung, er "wolle jetzt nicht in Dortmund für Unruhe sorgen".

BVB-Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke wurde seither so oft auf das Thema angesprochen, dass er nur noch genervt reagiert. (Hans-Joachim Watzke am Sonntag ab 11 Uhr zu Gast im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1).

Watzke vermisst Hoeneß

"Ich vermisse Uli Hoeneß", gab Watzke bei "sky" zu. "Denn er war jemand, der immer mit offenem Visier und von vorne kam. Da konnte man sich auch mal streiten, aber man wusste immer, woran man ist."

Auch Sportdirektor Zorc sagt: "Das ganze Gebrabbel interessiert mich nicht mehr".

Mit gutem Grund, denn Dortmund hat ganz andere, sportliche Sorgen. Ein Verein, der auf Rang 15 der Tabelle herumdümpelt, lässt sich nicht zum großen Rivalen hochjazzen. Das hat offenbar auch Hoeneß verstanden.

Langeweile als Gift für die Vermarktung

Ein Alleingang zur Meisterschaft, wie ihn die Münchner zum dritten Mal in Folge hinzulegen drohen, ist Gift für die - gerade internationale - Vermarktung der Bundesliga und mit ihr des FC Bayern in vorderster Linie.

"In der englischen Liga ist es nicht wie in der deutschen, wo du schon vorher weißt, wer Erster und Zweiter wird", hat Chelseas Trainer Jose Mourinho im Sommer gestichelt. Auch er hatte zwar augenscheinlich nicht mit Dortmunds Einbruch gerechnet. Doch ansonsten gibt ihm die Entwicklung der letzten Jahre Recht.

Die Bayern haben in der Vergangenheit einige ihrer angehenden Dauerrivalen entscheidend geschwächt, indem sie deren Protagonisten verpflichteten.

BVB auf den Spuren von Bremen und Leverkusen?

Als jüngste Beispiele seien Werder Bremen (Andreas Herzog, Otto Rehhagel, Mario Basler, Claudio Pizarro, Valerien Ismael, Miroslav Klose) oder Bayer Leverkusen (Michael Ballack, Ze Roberto, Robert Kovac, Lucio) genannt. Ähnliches scheint nun mit Dortmund möglich.

Denn ein Wechsel von Reus nach München hätte Signalwirkung und würde die Bemühungen der Borussen torpedieren, andere Stars wie Ilkay Gündogan oder Mats Hummels bei der Stange zu halten.

Ein "deutscher Clasico", wie die Partie zwischen Bayern und Dortmund gerne international verkauft wird, wird sich so auf Sicht nicht etablieren lassen. Mal ganz abgesehen davon, dass sich das heimische Klientel langweilt, wenn nur noch das Rennen um die Ränge zwei und folgende Spannung verspricht.

Deshalb denkt Rummenigge schon einen Schritt weiter, wenn er hofft, "dass RB Leipzig zum Konkurrenten für die Bayern wird". Den BVB scheint er diesbezüglich nicht mehr dauerhaft auf dem Schirm zu haben.

Uli Hoeneß hat das wohl registriert.

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