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Max Meyer (r.) debütierte am 16. Februar 2013 im Profi-Team des FC Schalke 04

Gelsenkirchen - Die Irritationen um Max Meyer sind beseitigt. Vorerst. Ein anderer Jungstar bereitet Trainer Roberto Di Matteo Kopfzerbrechen.

Vom FC Schalke berichtet Andreas Reienrs

Roberto Di Matteo ließ erst gar keine Missverständnisse aufkommen und löschte den ersten Brand seiner Amtszeit. Vorerst.

"Mit Max Meyer gibt es überhaupt kein Problem. Er ist ein wichtiger Spieler für uns", stellte der Coach des FC Schalke 04 vor dem wichtigen Heimspiel gegen den FC Augsburg (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) klar.

Weitere sportliche Fehltritte können sich die Königsblauen in der Bundesliga nicht mehr erlauben. Und Nebenkriegsschauplätze kann Di Matteo da überhaupt nicht gebrauchen.

Doch Di Matteo wäre nicht Di Matteo, wenn er zwischen den Zeilen nicht zugleich auch eine kleine Spitze losließe. Die Chance für die Ersatzspieler werde kommen, so der 44-Jährige: "Wenn sie sich aufdrängen."

Ein deutlicher Hinweis darauf, dass Meyer genau das zuletzt offenbar nicht tat.

Kritik an Di Matteo

Der Jungstar hatte nach dem 0:1 in Leverkusen Kritik am neuen Coach geübt. "Ich habe keine Ahnung, warum ich nicht eher reingekommen bin", hatte er nach seiner Einwechslung in der 89. Minute erklärt.

Für Meyer war es unter dem neuen Trainer im dritten Spiel der dritte Kurzeinsatz. Keine 40 Minuten Spielzeit bekam er bislang unter Di Matteo.

Nicht ungewöhnlich für ein 19 Jahre altes Talent.

Eher ein Mann der leisen Töne

Ungewöhnlich aber inzwischen für Meyer, der unter dem früheren Coach Jens Keller den Sprung in die Profimannschaft schaffte und schnell zum Stammspieler reifte. Im vergangenen Sommer vor der WM sogar Nationalmannschafts-Luft schnuppern durfte.

Ungewöhnlich war aber auch die Kritik selbst, weil der U-21-Nationalspieler eher für die leisen Töne bekannt ist. Bereits sehr reif für seine 19 Jahre, wählt er seine Worte stets mit Bedacht. Lässt sich nur selten aus der Reserve locken.

"Er muss Akzente setzen"

Deshalb überraschte es umso mehr, dass er nebenbei auch noch die mangelnde Kommunikation monierte. Di Matteo habe bisher nicht mit ihm gesprochen, so Meyer.

Und das, obwohl ein neuer Trainer so kurz nach seinem Amtsantritt in der Regel sowieso das Gespräch mit den Spielern sucht und Di Matteo zudem stets betonte, dass er mit ihnen auch grundsätzlich viel spreche.

Im Fall von Meyer hat Di Matteo das Versäumte inzwischen offenbar nachgeholt. Und die Probleme ausgeräumt. "Ich kommuniziere viel mit den Spielern und versuche, das mit allen zu machen", stellte der Italo-Schweizer nochmals klar.

Doch dabei formulierte er auch einen klaren Auftrag an sein Talent. "Auf seiner Position muss er Akzente setzen und manchmal auch spielentscheidend sein. Er hat gezeigt, dass er Talent hat für diese Rolle. Ich glaube, dass er sich entwickelt, wenn er will und die richtige Einstellung hat", erklärte Di Matteo.

Draxler auf Formsuche

Bei seinem zweiten Problemfall liegt es sicherlich nicht an der Einstellung. Auch nicht an irgendeinem Problem mit dem Trainer.

Bei Julian Draxler ist es schlicht Formsache. Beziehungsweise Formsuche.

Denn Draxler läuft seit Wochen den eigenen Ansprüchen hinterher. Und damit natürlich auch denen des Klubs. "Er ist in einer Phase, in der er noch viel lernen muss", sagte Schalkes Manager Horst Heldt.

Mit sich selbst beschäftigt

Impulse soll er setzen. Für Überraschungsmomente sorgen und den Unterschied ausmachen. Doch Draxler ist vor allem mit sich selbst beschäftigt. Wirkte zuletzt angeschlagen, enttäuscht, unzufrieden. Denn sein unbestrittenes Potenzial bringt er derzeit nur selten auf den Platz.

"Im Augenblick kann ihm auf dem Platz keiner helfen. Er muss selbst die Initiative ergreifen", forderte Heldt.

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Dabei hat Draxler das bereits getan, hat den ersten Karriere-Knick - auch aufgrund seiner ersten großen Verletzung inklusive einer Pause von mehr als zwei Monaten - eigentlich schon hinter sich.

Draxler hat sein Spiel umgestellt

Vor gut einem Jahr hat er zu wenig aus sich und seinen Möglichkeiten gemacht. Sich zu sehr auf sein Talent verlassen. Draxler verstand das Problem, arbeitete an sich und stellte sein Spiel um.

Die Folge: Seine Aktionen waren fortan weit weniger spektakulär, dafür mannschaftsdienlicher. Der 21-Jährige absolviert ein hohes Laufpensum, dafür fehlt nun oft das kreative Momentum, der Mut, etwas Überraschendes zu tun.

Draxler stabilisierte sich, fuhr mit zur WM, war aber noch nicht wieder der Leistungsträger, den man sich auf Schalke erhofft. Und ein Stück weit auch erwartet. Spätestens eigentlich in dieser Saison.

Warten auf den nächsten Schritt

Doch Draxler hängt im Formtief fest. Möglich, dass er sich im Moment selbst zu sehr unter Druck setzt. Denn bei dem Hochbegabten warten alle auf den nächsten Schritt. Er selbst wohl am meisten.

Und das nicht nur auf Schalke, sondern auch in der Nationalmannschaft. Dort hat er den ersehnten Durchbruch immer noch nicht geschafft. Ist eher Mitläufer als Vordenker. Von seiner 45-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel in seinem Vertrag spricht inzwischen auch kaum noch jemand. Interessenten dürfte es für diesen Preis momentan kaum geben.

Schalke wird's auf der einen Seite freuen. Andererseits hoffen die Königsblauen weiter auf den alten Draxler. Das Talent, das unbeschwert aufspielte. Für spielerische Leckerbissen sorgte und dabei ganz Gelsenkirchen verzückte.

"Julian ist ein Spieler, der den Unterschied ausmacht. Er hat genug Qualität, dass er das hin bekommt", ist sich Heldt sicher und ergänzte: "Wir haben zuletzt schon viel mit ihm gesprochen und müssen ihn weiter unterstützen."

Auch da ist Roberto Di Matteo gefordert. Damit erst gar keine Missverständnisse aufkommen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

FC Schalke 04: Fährmann - Uchida, Ayhan, Höwedes, Aogo - Höger, Neustädter - Choupo-Moting, Boateng, Draxler - Huntelaar

FC Augsburg: Hitz - Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Baba - Kohr, Baier - Esswein, Altintop, Werner - Bobadilla

Schiedsrichter: Christian Dingert

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