Das Emblem der WM 2018 ist enthüllt worden - im Weltraum. Spektakulärer sind nur die Worte, von denen diese Show begleitet wird.

Wir dachten damals ja, wir hätten das schon ganz gut gemacht. Es wurde uns ja auch von allen Seiten bestätigt.

Ein "dynamisches, bewegliches und mutiges Bild" sah ein bedeutsamer anwesender Kunstkenner, ein "listiges Zeichen, mit dem Deutschland Geist und Mut beweist".

So begeisternd war es damals, als das Logo der Fußballweltmeisterschaft 2006 vorgestellt wurde: drei dynamische, bewegliche, mutige, für das geistreiche Deutschland stehende Kreise mit lachenden Gesichtern drin.

Nicht nur der zuvor zitierte Joseph S. Blatter war beeindruckt von den "Celebrating Faces of Football". Franz Beckenbauer fand, dass sie den "lockeren, heiteren Charakter der FIFA-WM 2006 auf perfekte Art zum Ausdruck" brachten. Und ihr Mitschöpfer Andreas Abold sah das Ziel erreicht, "die unvergleichlichen Emotionen, die nur durch den Fußball geweckt werden, in diesem Zeichen zu transportieren."

Ich weiß, ich weiß, es kommen jetzt wieder die Meckerpötte unter Ihnen und fragen, wozu all dieses Gerede über ein paar Kreise mit Gesichtern drin.

Da muss ich allerdings zurückfragen: Was soll denn bitte die Alternative sein? Sich irgendwo hinstellen und sagen: Hier. Logo. Gucken?

Das ist, bei aller Liebe, dem festlichen Rahmen nicht mehr angemessen, der für die Präsentationen von Fußballweltmeisterschaftslogos mittlerweile gesellschaftlicher Standard ist.

Eine "spektakuläre Show" in der "hochmodernen Arena AufSchalke" (offizieller Pressetext damals) musste es ja seinerzeit schon sein, als die Celebrating Faces auf eine Wasserwand projiziert wurden. Da durften folglich auch die Worte, mit denen man das WM-Logo umschrieb, nicht zu unspektakulär und unmodern sein.

Und nicht anders verhielt es sich diese Woche mit der Präsentation des Logos für die kommende Weltmeisterschaft - beziehungsweise der "Lancierung der visuellen Identität der 21. Ausgabe des wichtigsten Fussballwettbewerbs" (offizieller Pressetext heute).

Selbstverständlich ist dieses Logo - ein Pokal mit drei schwarz-blauen Kreisen drin - noch dynamischer und beweglicher, noch mutiger und geistreicher und bringt auch auf noch perfektere Art den lockeren, heiteren Charakter der FIFA-WM 2018 in Russland zum Ausdruck.

Und selbstverständlich wurde es in einer noch spektakuläreren Show in einer noch hochmoderneren Umgebung enthüllt - dem Weltraum.

Da ist es folglich ebenso selbstverständlich, dass die Kunstkritik auch diesmal mit allen Sinnen berührt ist.

"Die Präsentation dieses visuellen Markenzeichens ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018, den wir stolz mit der Welt teilen", sagt Joseph S. Blatter diesmal.

Es vereine "Magie und Träume, so wie es die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018 bei Millionen von Fans tun wird". Und: "Das Logo repräsentiert Russlands Herz und Seele."

Man sieht, dass einmal mehr gelungen ist, die unvergleichlichen Emotionen, die nur durch den Fußball geweckt werden, in einem Zeichen zu transportieren.

Mehr noch: Die Emotionen, die die Präsentation eines WM-Logos zu wecken imstande ist, sind mittlerweile anscheinend noch unvergleichlicher geworden.

Zu recht unvorstellbar also, dass sich heute einfach nur einer irgendwo hinstellt und sagt: "Hier. Logo. Gucken."

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