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Gleich mehrfach kommt es zwischen Hamburg und Leverkusen zu Rudelbildungen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des 10. Spieltags
Gleich mehrfach kommt es zwischen Hamburg und Leverkusen zu Rudelbildungen

Hamburg - Der Hamburger SV und Bayer Leverkusen machen sich gegenseitig für die harte Gangart verantwortlich. Die Rheinländer hadern mit dem Schiri, Trainer Roger Schmidt lobt Hakan Calhanoglu.

Roger Schmidt hätte wüten können, er hätte poltern können - oder vielleicht sogar die Pressekonferenz boykottieren.

Was in Bayer Leverkusens Trainer nach der 0:1 (0:1)-Niederlage beim Hamburger SV vorging, hätte all das wohl gerechtfertigt.

Dass er mit dem, was sich zuvor auf dem Platz abgespielt hatte, nicht einverstanden war, wurde auf der Pressekonferenz dann auch deutlich. Aber Schmidt sprach mit ruhiger Stimme - und dennoch bestimmt. Es verlieh seinen Worten fast noch mehr Gewicht.

"Das hatte wenig mit Fußball zu tun"

"Was auf dem Platz veranstaltet wurde, hatte wenig mit Fußball zu tun", kritisierte der 47-Jährige.

90 Minuten Kampf, einen Spießrutenlauf für Rückkehrer Hakan Calhanoglu, gleich mehrere Rudelbildungen und ein lautstarkes Wortgefecht zwischen Schmidt und seinem Hamburger Amtskollegen Joe Zinnbauer hatten die Zuschauer in der Imtech Arena zuvor zu sehen bekommen.

"Ich denke, beide Mannschaften haben sich von der Hektik anstecken lassen", sagte HSV-Trainer Zinnbauer, der dann auch eine etwas andere Sicht auf das harte Spiel hatte: "Der Kollege sagt, dass sie oft durch Fouls unterbrochen wurden. Ich denke, wir auch."

Calhanoglu-Rückkehr heizt Atmosphäre an

Neun Gelbe Karten verteilte Schiedsrichter Florian Meyer in der Partie, sechs gegen Hamburg, drei gegen Leverkusen - ein neuer Höchstwert für die laufende Bundesliga-Saison.

Durch die Rückkehr Calhanoglus fand die Partie von Beginn an in enorm aufgeheizter Atmosphäre statt. Im Sommer war das Mittelfeld-Juwel nach monatelangem Hin und Her für 14,5 Millionen Euro nach Leverkusen gewechselt. Vom Anpfiff weg wurde der türkische Nationalspieler bei jeder Aktion gnadenlos ausgepfiffen.

Bei härterer Regelauslegung hätte Meyer in der Partie mit 50 Fouls - auch das ein neuer Negativrekord für die aktuelle Saison - durchaus auch Rot zücken können.

"Treibjagd" auf Donati

Kurz vor dem Halbzeitpfiff drohte die Situation nach einer rüden Grätsche von Leverkusens Rechtsverteidiger Giulio Donati an Marcell Jansen zu eskalieren. Auf dem Rasen schubsten sich die Profis, vor den Bänken gerieten Zinnbauer und Schmidt verbal aneinander.

"Ich wollte nur sprechen", berichtete Zinnbauer später: "Es hat vielleicht so ausgesehen, dass ich ihm an die Wäsche wollte, aber das war nicht so."

Schmidt sprach nach dem Spiel von einer "Treibjagd" auf Donati: "Das fand ich nicht in Ordnung und habe es so artikuliert, wie es in solch einer Situation möglich ist." Mit der Schiedsrichterleistung war er ganz und gar nicht einverstanden.

Van der Vaart trifft vom Elfmeterpunkt

Auch Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, der in der Halbzeitpause aufgebracht Richtung Kabine stapfte, kritisierte Meyer: "Wir hätten uns schon gewünscht, besser geschützt zu werden." Bei der spielentscheidenden Szene habe das Gespann seiner Meinung nach zudem eine zumindest unglückliche Figur abgegeben.

Meyer hatte in der 26. Minute vor dem Elfmeterpfiff für den HSV gezögert, sein Assistent signalisierte jedoch zu Recht ein Foulspiel von Leverkusens Keeper Bernd Leno an Jansen. HSV-Kapitän Rafael van der Vaart verwandelte sicher vom Punkt.

Zwei schwarze Serien beendet

Van der Vaarts erster Bundesliga-Treffer seit Dezember 2013 sicherte den Hamburgern den ersten Heimsieg nach 211 Tagen - und sorgte dafür, dass die Hanseaten erstmals seit dem 2. Spieltag die Abstiegsränge verließen.

"Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft", sagte van der Vaart daher auch: "So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind."

"Es war wichtig, dieses Herz zu zeigen", sagte Lewis Holtby. "Wir haben gekämpft, sind dabei immer fair geblieben", fasste Jansen zufrieden zusammen: "Wenn es Tätlichkeiten gab, dann kamen die von anderer Seite."

Calhanoglu schweigt

Vorwürfe, Unschuldsbekundungen, Schiedsrichterkritik - Gesprächsbedarf gab es nach dem Spiel auf beiden Seiten reichlich. Nur einer schwieg beharrlich: Hakan Calhanoglu marschierte wortlos und mit finsterer Miene zum Mannschaftsbus.

So war es dann erneut Schmidt, der auch für seinen Regisseur sprach.

"Hakan hat das bemerkenswert gemacht, da sollten sich die da draußen mal ein Beispiel dran nehmen", sagte der Trainer und ließ sich dann doch noch zu einer Spitze in Richtung der Hamburger hinreißen: "Er kann mit Druck umgehen. Sonst würde der HSV heute vielleicht in der Zweiten Liga spielen."

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