Borussia Dortmund verliert auch das Prestigeduell beim FC Bayern. Auf eine gute Halbzeit sollte sich der BVB nichts einbilden.

Für Borussia Dortmund war es ein Ausflug in die guten alten Zeiten. Das Duell der Erzrivalen beim FC Bayern hatte alles, was ein echtes Spitzenspiel braucht.

Nur dass es tabellarisch gesehen längst kein Spitzenspiel mehr war. Und genau das könnte Dortmunds größtes Problem werden.

Verein, Fans, Spieler - sie alle haben sich daran gewöhnt, dass die Bayern ihre Kragenweite sind. Die ordentliche Leistung in der ersten Halbzeit von München könnte jedoch zum Bumerang werden.

Für Dortmund kann es nur noch um den Abstiegskampf gehen. Da hilft es wenig, 45 Minuten lang beim Rekordmeister mitgehalten zu haben.

Denn letztlich stehen nach der verdienten Niederlage die nackten Zahlen: Nur ein Punkt aus den letzten sieben Spielen, Relegationsplatz 16 und nur zwei Zähler Vorsprung auf den Tabellenletzten Freiburg. Und der könnte am Sonntag mit einem Sieg in Köln die Dortmunder auf einen Abstiegsplatz verdrängen.

Trainer Jürgen Klopp konterte das Lob für die gute erste Halbzeit dann auch mit dem Verweis auf die sehr bescheidene zweite. Viele seiner Profis wirkten angemessen zerknirscht. Hätte Roman Weidenfeller nicht einen Sahne-Tag erwischt, hätte die Niederlage schließlich sehr viel deutlicher ausfallen können.

Unerklärlich, weshalb die BVB-Profis in Halbzeit zwei so weit vom funktionierenden Plan ihres Trainers abwichen und sich von den Bayern erdrücken ließen. "Es war ein Sieg der Einstellung", analysierte Bayern-Coach Pep Guardiola.

Er hatte Recht. Und genau das sollte den Dortmundern Sorgen machen, nicht die Niederlage.

Der Dortmunder Luxuskader ist für die Champions League zusammengestellt. Die Spieler wissen das und haben sich an die europäische Oberklasse gewöhnt. Während der Krise der letzten Wochen wurde öffentlich vor allem darüber diskutiert, wie weit der Abstand auf Platz vier ist. Das bekommen natürlich auch die Profis mit - und da wird es möglicherweise schwer, in einen anderen Gang zu schalten.

Die Champions-League-Qualifikation ist essenziell für den Verein. Finanziell, aber auch um weiter eine attraktive Adresse für hochtalentierte Fußballer zu bleiben. Doch es wäre sinnvoller, den Rückstand auf das Mittelfeld der Liga in den Vordergrund zu stellen.

Wenn das bis zum Frühjahr erreicht wird, können die Dortmunder ja mal wieder auf die obere Tabellenhälfte gucken.

Solange heißt es: Abstiegskampf. Jürgen Klopp scheint bereit dafür. Hoffentlich sind seine Spieler es auch.

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