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Arjen Robben (r.) schoss das Siegtor für den FC Bayern gegen Borussia Dortmund

Aus der Allianz Arena berichten Mathias Frohnapfel, Holger Luhmann und Ivica Hristic

Der Spottgesang ließ keine 120 Sekunden auf sich warten.

Nach dem 2:1-Siegtreffer (Spielbericht) von Arjen Robben gegen Borussia Dortmund stimmten die Bayern-Fans erst an: "Zweite Liga - Dortmund ist dabei". Und dann zweckentfremdeten sie noch den Schlachtruf mit schwarzgelbem Urheberrecht: "Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia"

Schmerzende Niederlage

Die ganze Malaise des Erzrivalen, der Bayern-Anhang in der Südkurve hatte sie in zwei Textzeilen gepackt: Tabellenplatz 16 nach zehn Spieltagen heißt die Dortmunder Realität. Und eher landet ein Ufo auf dem Dortmunder Borsigplatz als dass dort im kommenden Frühjahr erneut die Meisterschale auftaucht.

Jürgen Klopp weiß das zu gut. "Wir mussten nicht verlieren, das ist das Thema", schimpfte der Coach des Vizemeisters im Bauch der Allianz Arena. "Die Niederlage tut genau so weh wie alle anderen auch."

(Hans-Joachim Watzke zu Gast im Volkswagen Doppelpass, So. ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Klopp ärgert sich über Passivität

In seiner Analyse nach einer starken ersten Hälfte und einer streckenweise erschreckend schwachen zweiten Hälfte verwies der Trainer darauf, dass zu oft die zweiten Bälle verlorengegangen seien. "Wenn du die Kugel hast, dann musst du aktiver werden."

Für den BVB war es die fünfte Liga-Niederlage in Folge. Fünf Ohrfeigen für individuelle Fehler, Kräfteverschleiß und personelle Engpässe. Dortmund rutschte auf den Relegationsrang. Autsch.

"Unsere Lage ist momentan alles andere als gut", gab Klopp bei "Sky" zu, "wir haben viele Baustellen."

Zu den sportlichen Baustellen gesellte sich zu allem Übel noch eine personelle. Mats Hummels verletzte sich in der ersten Halbzeit und musste zur Pause gegen Neven Subotic ausgetauscht werden. Offenbar macht dem Weltmeister das Sprunggelenk zu schaffen. Der BVB-Kapitän droht mehrere Wochen auszufallen.

Abstiegskampf? Zorc schweigt lieber

Dortmund müht sich nach Kräften mit der heiklen Lage vernünftig umzugehen. Dass die Westfalen dabei nicht jede Frage beantworten wollen (und müssen), ist nachvollziehbar. So schritt Sportdirektor Michael Zorc eilig davon, als ihm ein Reporter das Wort "Abstiegskampf" entgegenwarf.

Und Marco Reus, Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:0, zog es vor, wortlos die Mixed Zone zu verlassen.

Für die Bayern könnte der Ausnahmefußballer ein Schnäppchen sein, egal, ob seine Ausstiegsklausel bei 25, 30 oder vielleicht sogar 35 Millionen Euro liegen sollte. Genug Polemik um den begnadeten Offensivspieler hatte es vor dem Spiel sowieso gegeben.

Klopp reagierte später im "ZDF" angefressen auf dieses Dauerthema.

"Das ist Ihrer fehlenden Sensibilität geschuldet, dass es Ihnen völlig wurscht ist, wie es Ihrem Gegenüber geht", ging er Reporter Boris Büchler an, um anschließend die Reus-Personalie gekonnt zu umkurven. Die Niederlagen-Serie, sie nagt eben auch am Trainer.

Kehl grollt 

Es wird viel gesprochen in und um Dortmund. Über die richtige Taktik, über Offensiv- und Abwehrsorgen sowie die glänzenden Auftritte in der der Champions League und das andere Gesicht in der Bundesliga.

"Unter dem Strich steht eine Tabellensituation, die uns alle sehr unzufrieden macht", meinte Routinier Sebastian Kehl und grollte: "Hier werden noch andere Mannschaften verlieren und nicht nach Kopfproblemen befragt."

Umso mehr dürfte aufhorchen lassen, was Pep Guardiola nach dem temporeichen Topspiel gesagt hat.

"Die Einstellung hat das Spiel gewonnen"

"Am Ende hat die Einstellung das Spiel gewonnen - nicht das System", meinte der Bayern-Trainer. Er selbst hatte aber auch nicht unerheblichen Anteil. Guardiola brachte Edeljoker Franck Ribery für Mario Götze. Und Ribery half beim Ausgleich durch Robert Lewandowski ebenso mit wie entscheidend in der 85. Minute.

Da enteilte er Subotic, der ihn nur per Foul im Strafraum stoppen konnte.

Den fälligen Elfmeter verwandelte Robben. Cool und abgezockt. Von Muffensausen wollte der Niederländer anschließend nichts wissen. "Natürlich nicht", sagte er. Der Fehlschuss von 2012 in Dortmund sei längst Vergangenheit.

Mitleid mit dem tiefabgestürzten BVB hält er ohnehin für unangemessen. "Man muss kein Mitleid haben, das wollen die Dortmunder auch nicht", sagte er auf SPORT1-Nachfrage. "Das ist eine Topmannschaft trotz der Position in der Tabelle."

Lewandowski und "das wichtige Tor"

Aus seiner Sicht hätten die Bayern aus dem über lange Phasen hochklassigen Match für die Zukunft gelernt: "Das ist eine gute Erfahrung, Dortmund kann sehr weit in der Champions League kommen, nach der Winterpause werden wir in der Champions League nur auf solche Gegner treffen."

Auch Robert Lewandowski war von Häme für die Ex-Kameraden weit entfernt, nach seinem Tor zum 1:1 hatte er nicht gejubelt und kommentierte anschließend: "Es war für mich ein wichtiger Tag, mein erstes Tor gegen den BVB".

Schwarzgelb werde aber zurückkommen, "am Ende werden sie in der Champions League dabei sein". Die Dortmunder würden es nur zu gerne glauben.

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